Monthly Archives: December 2015

Mindelo

Briefe von Herr Hürzeler:

Bon dia, Capo Verde. Heureka, wir sind in Mindelo angekommen! Afrika für Anfänger wie es so schön heisst, passt perfekt für uns. Jetzt aber von vorne, es gab ja kein Update mehr seit Lanzarote.

Die Juliane-Crew war ja mit Verstärkung von Hans unterwegs von La Linea über Lanzarote zu den Kapverdischen Inseln. Da unser Windgenerator in Brindisi schlapp gemacht hat und wir den Strom dringend brauchen, wollten wir möglichst schnell Ersatz besorgen. Leider hat das auf dem spanischen Festland nicht mehr geklappt, die nächste Möglichkeit war Lanzarote. Als wir in Playa Blanca angekommen sind und uns ins Email eingeloggt haben war schnell klar, der Windgenerator ist nicht unterwegs zu uns. Damn! Die Kommunikationspanne lag klar bei den Schweizern (genauer bei Herrn Hürzeler), der verlangte das der Windgenerator bis zum Datum XY einzutreffen habe worauf der schlaue Portugiese entschieden hat den Generator nicht zu verschicken, da er ja keine Verantwortung für TNT übernehmen kann. Also TNT, UPS und DHL checken wer verschickt wie schnell und was kostet der Spass. In die Kapverden verschicken hätte ein Vermögen gekostet, also hiess es abwarten in Lanzarote.

Wir waren mitten im Touri-Paradies, was etwas abstossend war. Zum Glück hatten wir unser Boot dabei, das genügend Arbeit bietet um ein paar Wochen zu überbrücken und so ging die Zeit bis der Generator kam schnell vorbei. Wir gingen nach Arreciffe, um Ersatzteile zu besorgen. Unser Batterie-Splitter musste ersetzt werden, die Ruderdichtung mussten wir demontieren und neben bei hat Nathalie das Bord-WC komplett auseinander gebaut (Yeah!) und in Essig eingelegt. Am Schluss hatten wir sogar noch etwas Zeit um Farbe ans Boot zu pinseln.

Als der Generator eingetroffen und montiert war hiess es endlich Leinen Los! Beim Ablegemanöver haben wir uns noch einen Kratz am Bug eingeholt, was aber die Freude über die Abreise nur kurzfristig trüben konnte. Bei viel Wind nahmen wir Kurs auf die Kapverdischen Inseln.

Beim ersten Versuch etwas warmes auf die Teller zu kriegen kam die Ernüchterung. Unser Dieselherd “seicht” Diesel, das war nicht ganz neu, aber wurde eigentlich fachmännisch behoben von Herrn Hürzeler in Lanzarote (leider hat der Fachmann nicht gut genug getestet).  Was nun; sieben bis zehn Tage kaltes Essen und keinen Kaffee oder irgendwo im Schutz der Inseln anhalten und die Misere genauer anschauen. Wir entscheiden uns für letzteres und nahmen Kurs auf Las Palmas. Am Abend nahm der Wind und Seegang dann stetig ab, so dass der Fachmann abermals den Herd auseinander schraubte. Mit etwas Logik und Glück des Verzweifelten war schnell klar, dass es nicht die Pumpe sondern lediglich die Verschraubung fehlerhaft war. Herd testen, läuft, dicht, warmer Kaffee, also abermals Kurswechsel Kap Verden.

Die nächsten Tage verliefen gemächlich, anfangs mit wenig Wind, so dass das eiserne Segel mithelfen musste. Nach einem Tag kam dann aber perfekter Segelwind aus Ost. Bei durchschnittlich 10-15 Knoten Wind segelte Juliane gemütlich im gutmütigen Atlantik.

Wenig Delfine zu Besuch dafür Kalamares und MahiMahi an der Angel. Die Zeit verging und am 6. Dezember gab es “Gritibänzä”, die Nati auf ihrer Nachtwache gezaubert hat. Die Sicht wurde immer schlechter, der Wüstensand von der West-Sahara legt bei Ost-Wind einen Schleier über das Meer. Als Ustermer (Herr Hürzeler aus Wermatswil) hatten wir ein müdes Lächeln für das bisschen Nebel solange die Sonne schien und T-Shirt Wetter herrschte.

Am frühen Morgen des elften Dezembers kam im Sandnebel Mindelo in Sicht. Nach zwei Tagen unterwegs mit Parasailor (unser Leichtwindsegel in Züri blau-weiss) starteten wir den Motor für die letzten Stunden um unsere Batterien nochmals voll zu laden. Danach hiess es Anker auf Sand einfahren. Herr Hürzeler ging mit dem Dinghy einklarieren. Dummerweise hat er seine Sandalen an Bord vergessen, so dass er unterwegs neben Marihuana auch diverse Angebote bekam, Schuhe zu kaufen. Erfolgreich einklariert, haben wir Hans ausquartiert in sein Haus in Mindelo.

In den nächsten Tagen hiess es Mindelo erkunden und Schiff aufräumen. Am letzten Sonntag hat Hans dann ein Abschiedsfest im Haus organisiert, wo Herr Hürzeler seine kapverdianische Verwandtschaft kennenlernte. Das Kennenlernen musste natürlich mit viel Punsch und Grog gefeiert werden. Spät am Abend wurden uns dann auch noch zwei Leibwächter aufgedrängt, da der Heimweg zu Fuss in der Nacht für Bleichgesichter viel zu gefährlich wäre und Herr Hürzeler sich geweigert hatte ein Taxi zunehmen. Die Logik, dass die Leute auf den Kap Verden zu wenig Geld hätten für Pistolen unterlag dem Argument, dass auch ein Messer tödlich sein kann. Wir sind auf jedenfall wohlbehalten heimgekommen und hatten unterwegs noch die Möglichkeit unsere Leibwächter auf ein, zwei Biere einzuladen.

Am Montag machten wir zusammen mit Hans und seinem Mietauto noch eine Rundreise um Sao Vicente. Die Insel ist staubtrocken, das Grundwasser, das vorhanden war, wurde solange ausgepumpt bis es sich mit dem Meerwasser mischte, so dass nur noch wenige einzelne Oasen in der Inselmitte vorhanden sind. Die Schönheit der Inseln ist schwierig zu beschreiben, der Rat von Herr Hürzeler: “am besten selber auschecken man kommt auch per Flieger hin muss nicht gleich ein Segelboot kaufen”.

In den nächsten Tagen heisst es für uns Arbeiten am Boot, Ölwechsel, neue Fugen im Cockpit, bisschen Elektroverkabelung, Verbesserung der Windsteuerung und Boot aufräumen, damit wir bereit sind für unseren nächsten Besuch. Esther (Natis Mutter) und Silvia kommen zu Besuch! Zusammen wollen wir die anderen Kapverdischen Inseln erkunden…

Von dem wunderbaren Gemüsemarkt, der Wassertemperatur und unserer Aussicht verschone ich jetzt mal alle nicht Bootsreisende.

Aus Mindelo grüsst der Kapitän,

Herr Hürzeler