Monthly Archives: April 2016

Letzte Tage in Curaçao

Seit unsere Gäste von Bord gegangen sind (wir vermissen euch also schon ein Bisschen!), haben wir die liebe Juliane noch etwas gepflegt und bearbeitet. Das Cockpit wurde dreimal geschliffen und lackiert, dem noch immer nicht perfekt funktionierenden Ofen wertvolle Arbeitsstunden gewidmet, für unseren Motor gabs endlich neue Kühlflüssigkeit, die Ankerwinsch wurde repariert, Wäsche gewaschen, die Batterien mit neuem Wasser versorgt und zu guter letzt schlugen wir uns noch mit einer nicht mehr funktionierenden elektrischen und einer manuellen Bilgenpumpe rum. Zumindest die manuelle Pumpe läuft wieder.

Leider müssen wir noch immer ohne funktionierenden Dinghymotor auskommen. Ein Problem, das erst auf den San Blas Inseln mit Hilfe des neuen Vergasers gelöst werden wird…hoffentlich! Bis dahin rudern wir, oder vor allem Andi, fleissig an Land und zurück. So werden wir auch wieder etwas vom angesetzten Speck los 🙂

Morgen Dienstag werden wir uns nochmals mit frischem Gemüse, Obst und Fleisch (Haben wir das extrem billige venezoelanische Rindfleisch schon erwähnt?) verproviantieren und dann in Willemstad ausklarienen, damit wir am Mittwoch losfahren können in Richtung San Blas Inseln. Dort wird es dann vorerst nichts mehr von uns zu hören oder lesen geben, da es auf diesen nur von Ureinwohnern bewohnten Inseln praktisch kein Internet gibt, zumindest kein gut funktionierendes. Wir freuen uns sehr auf die über 350 Inseln vor der Küste Panamas und auch darüber, der doch sehr touristischen Karibik den Rücken, oder besser gesagt das Heck, kehren zu können. Zudem freuen wir uns auf den Besuch von Madlen (Andis Muetti) und Annelies auf den San Blas Inseln. Unterwegs werden wir hoffentlich auch unseren neu reparierten Parasailor testen können, der uns ja zu Beginn der Atlantiküberquerung zerrissen ist.

Das wärs soweit von uns, wir melden uns voraussichtlich erst Mitte Mai wieder aus Colon, wo wir auf unsere Durchfahrt durch den Panamakanal warten werden.

Liebe Grüsse und bis bald!

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Landratten an Bord

Ein Gastbeitrag von Nina Ruchti und Marius Gartmann

12.03.2016, Internationaler Flughafen, Curaçao

Und dann standen sie da. Etwas braungebrannter als wir sie im letzten Sommer in der Schweiz verabschiedet hatten, aber ansonsten immer noch die gleichen. Nur haben Andis Badehosen wahrscheinlich auch schon bessere Zeiten gesehen .

Nach einem erstaunlich kurzweiligen Flug via Düsseldorf nach Willemstad, was eher der Vorfreude auf die kommenden Tage als dem knorrigen Charme der ostdeutschen Stewardessen im Flieger geschuldet war, holten uns Nathi und Andi gutgelaunt am Flughafen ab. Beim anschliessenden Bustransfer zur in der Bucht Spanish Waters liegenden Juliane wurde uns auch gleich eine erste Lektion in karibischer Entschleunigung verpasst, dauerte doch die Fahrt in unterschiedlichen Modellen älterer Bauart etwa gleich lange wie die Strecke Zürich – Düsseldorf per Flieger ein paar Stunden zuvor. Nach einer kurzen Dinghyfahrt – es sollte eine der letzten ohne Zwischenfälle gewesen sein –  kamen wir unbeschadet aber doch recht müde an Bord der SY Juliane an. Es folgte ein Anstossen in der Runde, ein karibischer Sonnenuntergang wie aus dem Prospekt und eine erste, durch Reisemedikamente abgefederte, leicht schaukelnde Nacht.

Bordleben

Für ein erstes Ausrufezeichen in Sachen Gastfreundschaft sorgte die hübsch aufbereitete Kabine samt Bettmümpfeli in Form von Schnaps und Guetzli auf dem Kopfkissen. Da musste man sich ja gleich wohl fühlen! In diesem vielversprechenden Stil ging es dann auch weiter. In den drei Wochen wurde uns viel Leckeres aus der Bordküche serviert, von Spaghetti Carbonara bis Bami Goreng. Man merkt, dass der hohe Stellenwert des Essens bei Nathi und Andi auch auf ihrer Reise nicht verloren gegangen ist – dies sehr zu unserer Freude. Falls die Energie mal nicht reicht für kulinarische Anstrengungen in der engen und schnell heiss werdenden Kochnische der Juliane, kann man sich jederzeit an der reichen Auswahl an Chinanudelsnacks bedienen – dies sehr zur Freude von Marius, der darin ab und zu eine  willkommene Alternative zu ihm unliebsamen Menüs sah .

Und wenn die Aufmerksamkeit seitens der Gastgeber zwischendurch mal kurz nachliess, dann entweder weil Nathi sich am Abend zuvor intensiv dem Rotweinkanister zugewandt hatte und die darauffolgenden Tagen mit Ally McBeal in der Kabine verbrachte. Oder dann weil Bücherwurm Andi mal wieder in eine spannende Lektüre vertieft war. Die erstaunliche Bordbibliothek bot dann aber auch uns einiges an Unterhaltung. Nina hat in diesen Ferien so viel gelesen wie in den letzten Jahren insgesamt – was jetzt natürlich unterschiedlich interpretiert werden kann . Ansonsten lässt sich die Zeit an Bord gut in der karibischen Sonne verbringen, wobei diese für Schweizer Verhältnisse enorm stark ist bzw. wir für sie zu schwach .

Neben Kulinarik und Unterhaltung gehören zu den wesentlichen Bestandteilen des Bordlebens auch die WC-Gänge und das Duschen. Marius hat dann auch in der letzten Woche begriffen, dass man bei einem Gang auf das stille Örtchen tatsächlich 20 mal pumpen muss (exklusive abpumpen) damit sich das Geschäft nicht wieder auf den Rückweg macht . Was das Duschen anbelangt, so haben wir das irrtümlicherweise als einen zu wesentlichen Bestandteil des Bordlebens aufgefasst – wesentlicher als eigentlich gedacht gewesen wäre. Dies hat sich dann natürlich im in die Höhe schnellenden Wasserverbrauch seit unserer Ankunft manifestiert. Sorry noch mal an dieser Stelle, aber wir sind wohl eindeutig Süss- und keine Salzwasserfische .

Auf See

Für zwei Landratten, deren nautische Erfahrungen – von wenigen Ausnahmen abgesehen – sich auf Rundfahrten auf Schweizer Seen und einer von Stabilisatoren ausgeglichenen Kreuzfahrt beschränkte, schaukelte es doch recht beeindruckend, als sich die SY Juliane während der stürmischen und acht Stunden dauernden Fahrt entlang der Südküste Curaçaos  von Santa Cruz zurück nach Spanish Waters durch die mannshohen Wellen kämpfte. Auch die souveränen Anlegemanöver, das Navigieren mittels iPad und die Expertise von Nathi und Andi in allen Belangen des Segelns versetzte uns regelmässig ins Staunen. Wir haben alleine durchs Beobachten und Zuhören sehr viel gelernt. Ausserdem weiss Nina nun, dass sie es sich bei einem Segeltörn auch bei hohem Wellengang ohne Probleme in der Kabine gemütlich machen kann, während Marius sich doch eher auf Deck wohlfühlt: Nahe am Wind, mit Sicht auf das Wasser .

Landgänge

Nebst dem Bordleben wollten wir natürlich auch möglichst viel von der Insel sehen, was auf Curaçao eigentlich nur mit einem Auto möglich ist. Ausser man nimmt stundenlanges Warten auf den Bus oder kilometerweite Fussmärsche in Kauf. Mit beidem scheinen Nathi und Andi keine grösseren Probleme zu haben . Aber ihre Reise dauert ja auch ein wenig länger als unsere, weshalb sie sich weniger Sorgen um Zeitverlust machen müssen . Auf unsere Initiative hin haben wir dann aber doch kurzerhand das Nützliche mit dem Angenehmen verbunden und uns für drei Tage einen Mietwagen (und zwar nicht irgendeinen Mietwagen, sondern  auf Marius’ ausdrücklichen Wunsch hin einen Pick-up!) organisiert, um zuerst ein paar Besorgungen für das Schiff zu tätigen und danach das Eiland zu erkunden.

Besonders beeindruckt hat uns dabei die raue Westküste mit ihren faszinierenden Wasser- und Wellenspielen.

Aber die kleine Karibikinsel hat noch viel mehr zu bieten: pittoreske Fischerdörfchen, in denen die Zeit still zu stehen scheint, das pulsierende Willemstad mit seinen unterschiedlichen Vierteln sowie eine aufregende Flora und Fauna: Uns zeigten sich Flamingos, Einsiedlerkrebse, Wasserschildkröten und zahlreiche Leguane. Letzteres landet bei den Einheimischen auch auf dem Teller. Nina war so wagemutig und hat das “falsche Hühnchen“ bei einem unserer Landgänge in einem traditionellen Restaurant probiert. Fazit: Reichlich knochig und geschmacklich tatsächlich sehr nahe an Poulet. Weitere kulinarische Höhepunkte abseits der Bordküche waren die landestypischen Teigtaschen mit unterschiedlicher Füllung (Pastechi), die es an jeder Strassenecke zu kaufen gibt, Marius’ Geburtstagsessen in einem malerischen Restaurant in Willemstads angesagter Altstadt Pietermaai sowie natürlich der lokale Streetfood in der alten Markthalle, welche auf Ninas Wunsch hin gleich dreimal besucht wurde .

Nebst den Geburtstagen von Marius und Andi – der eine wurde in besagtem Restaurant gefeiert mit anschliessendem Rum und Reggaeton in einer leicht versifften aber charmanten Bar im Arbeiterviertel Otrobanda, der andere bei Bier und Strandgrillade in der menschenleeren Bucht Fuikbaai – stand ein Datum schon lange fix in unserer Ferienagenda; der 26. März. An diesem Samstag trafen im Ergilio Hato-Stadion die Fussballnationalmannschaften von Curaçao und der dominikanischen Republik aufeinander. Die 15’000 Zuschauer fassende Arena mit Laufbahn war relativ gut gefüllt und unserer Plätze auf der Haupttribüne boten uns besten Blick auf des Geschehen. Der mitreissende Match endete mit einem glücklichen aber insgesamt verdienten 2:1-Sieg für die Heimmannschaft, was natürlich kräftig gefeiert wurde. Auf Seiten der Gäste spielt der ehemalige FCZler und schweizerisch-dominikanische Doppelbürger Heinz Barmettler, der sich auf kurzen Zuruf hin nach Spielschluss noch zu einem kleinen Schwätzchen inklusive Erinnerungsfoto hinreissen liess. Curaçaos grösster Star, ihr Trainer und ehemaliger holländischer Superstar in Diensten von Barçelona und Co., Patrik Kluivert kriegten wir leider nicht mehr vor die Linse für ein Selfie. Da mussten sich Nathi und Nina mit einem namenlosen Inselkicker für einen Schnappschuss zufriedengeben, was aber ihrer Begeisterung für dessen “Bauchmuskeln am Rücken“, wie es Nathi – euphorisiert von Bier und Sieg – formulierte, keinen Abbruch tat .

Ups & Downs

Nachdem sich die Fahrt in die Piscadera Bay aufgrund des auszuwechselnden Motorenfilters  verzögert hatte und dementsprechend ohne uns stattfinden musste (dafür gibt es jetzt Fotos wie die Juliane an unserem Hotelstrand entlangsegelt), gab dann bekanntermassen der Aussenbordmotor des Dinghys seinen Geist auf. Vor allem Marius machte die anhaltende Unmotorisiertheit zu schaffen. Als positiver Nebeneffekt stellte sich jedoch heraus, dass wir uns erstaunlich viel sportlich betätigten. Auf jeden Fall mehr als geplant . Wir haben Strecken schwimmend zurückgelegt, von denen wir nicht einmal wussten, dass wir im Stande sind diese zu bewältigen. Und auch das Rudern im Dinghy klappte ziemlich gut. So sind wir beispielweise auch nach dem Fussballspiel unter Andis Schlachtgesängen im Nu zur Juliane zurückgelangt.

Mit Erstaunen stellten wir immer wieder fest, mit welch stoischer Ruhe sich Andi und Nathi solchen Herausforderungen im Segleralltag stellen oder sich zumindest nicht allzu viel anmerken lassen. Segeln ist definitiv ein Hobby, welches mit viel Leidenschaft und Energie betrieben werden muss. Wer weiss, vielleicht werden wir Juliane, Nathi und Andi an einem anderen Punkt ihrer Reise nochmals besuchen .