Monthly Archives: August 2016

Les Îles Marquises

Die ersten Tage nach unserer Ankunft auf Hiva Oa vergingen wie im Fluge. Nach erstem Staunen über die wunderschöne Natur, die Steilen Hügel und Klippen und die satt grünen Pflanzen überall machen wir uns ans Auskundschaften des Städtchens und der Insel sowie der Preise im kleinen Lebensmittelladen, wo wir erst mal schlucken müssen. Es wird einem ja überall gesagt, das es hier teuer ist, aber 8 Franken für eine Flasche Cola sind dann doch mehr als erwartet. Das praktisch einzige günstige Lebensmittel hier ist Baguette, welches für 60 Cent jeden Morgen frisch gekauft werden kann. Somit haben wir auch unsere Hauptnahrungsquelle der nächsten Tage bereits gefunden.

Auch das überall obligatorische Einklarieren müssen wir erledigen, und zu unserer Überraschung läuft dies so unkompliziert wie selten ab. Noch etwas: Die Angehörigen des Militärs tragen hier Hotpants, ich bin ein Fan! Nach etwas Erholung machen wir uns daran, das Boot zumindest ein Bisschen von den Spuren der Überfahrt zu befreien, da am Freitag, 22. Juli 2016, bereits Domen seinen längeren Besuch antritt.

Nach den ersten zwei Tagen einschaukeln, unser Ankerplatz war schauklig wie selten, macht er sich bereits gut an Bord und wird von uns für die Bootsreinigung eingespannt. Obwohl wir eigentlich möglichst bald eine Bucht weiterziehen möchten, läuft die Zeit mal wieder schneller als man denkt. Spazieren, Einkaufen, Baden im Meer und die Suche nach Internet verschlingen die Tage nur so. Beim abendlichen Handfischen vom Boot aus fangen wir dann auch noch unseren ersten Hai, woraus Andi fantastische Fischstäbli macht.

Wir brechen am Sonntag, 31. Juli 2016, auf zur nächsten Insel der Marquesas, Tahuata. Die Überfahrt dauert keine drei Stunden, und doch schaffen wir es, ein Fenster offen zu lassen, damit sich eine brechende Welle schön ins Boot schmuggeln konnte. Mir reichts bereits wieder, die 40 Tage der Überquerung noch in den Knochen und die Nerven entsprechend schwach. Die wunderschöne Bucht von Hanamoenoa entschädigt uns jedoch gleich für die Mühen. Genau so habe ich mir das gewünscht, Palmen, Strand und das klarste Wasser, das ich bis dahin gesehen habe.

Hier gönnen wir uns erst einmal ein schönes Bad im klaren Wasser, schwimmen an den Strand und lernen den hier wohnenden Steven kennen, der das Land hinter dem Strand bepflanzt und von dem wir viele leckere Pampelmousen und Kokosnüsse geschenkt bekommen, im Gegenzug erhält er von uns zwei Packungen Kaffee und etwas Tabak. Als er zu uns an Bord zum Essen kommt, bringt er noch gekochte Bananen mit und möchte, dass wir sie gleich alle probieren. Ich versuche zuerst noch, mich davor zu drücken, da ich Bananen wirklich überhaupt nicht mag. Als dann aber auch Andi mich dazu ermuntert, die Bananen zu probieren und meint, ich hätte diese gern, gibt es für mich keinen Ausweg mehr. Voller Angst, mein Gesicht vor Steven zu einer widerlichen Grimasse zu verziehen, sobald die Banane meinen Mund errreicht, beisse ich ein Stück ab. Und oh Wunder, ich habe sie tatsächlich gerne! Dies ist etwas vom erstaunlichsten, was im letzten Jahr passiert ist.

Einen grossen Teil der nächsten Tage verbringen wir damit, die Aussenseite unserer Juliane von all den Algen und Muscheln zu befreien, die sich seit Panama angesammelt haben. Zweimal werde ich dabei vom einem Mantaray besucht, was mich Schisshasen natürlich dazu veranlasst, sofort an Bord zu klettern. Aus sicherer Distanz sehe ich mir diese schönen Fische dann aber gerne an.

Da sich gerade ein Wetterfenster anbietet, um auf die Tuamotus zu segeln, brechen wir nach vier Tagen wieder auf mit Ziel Rangiroa, Tuamotus. Die Überfahrt war eine der mühsameren, sehr schauklig und immer wieder Wellen, die einen stets unerwartet nass machten. Vielleicht wird Domen ja in einem Gastbeitrag ausführlicher zu seiner ersten Überfahrt berichten 🙂 Aufgrund der Bedingungen (viel Wind und Wellen, was eine Einfahrt in die Atolle heikler macht) entscheiden wir uns unterwegs, an den Tuamotus vorbeizusegeln und direkt Kurs auf Tahiti zu nehmen. Hier liegen wir nun in Papeete, der Hauptstadt, vor Anker und erfreuen uns riesig am grossen Carrefour, den es hier gibt.

Pazifiküberquerung

So, endlich schaffen wir es wieder einmal, einen Blogeintrag zu schreiben. Genau genommen, habe ich nach unserer Ankuft in Hiva Oa auf den Marquesas bereits einen Beitrag über unsere Pazifiküberquerung geschrieben, nur leider hat danach das iPad, auf dem der Beitrag gespeichert war, den Geist aufgegeben. Nun also Versuch Nummer zwei, liegt halt mittlerweile alles schon etwas weit zurück.

Am 10. Juni 2016 sind wir von den Las Perlas Inseln in Panama aufgebrochen, und bis zu unserer Ankunft am 19. Juli 2016 in Hiva Oa auf den Marquesas Inseln sahen wir ab diesem Zeitpunkt kein Land mehr, nur noch die Weiten des Pazifiks.

In den 40 Tagen unserer Pazifiküberquerung ist so einiges passiert. Die ersten zehn Tage waren geprägt durch kämpfen gegen den Wind, den wir meist gerade aus auf die Nase hatten. Deshalb sind wir trotz grosszügigem Einsatz unseres Motors in den ersten Tagen nur schleppend vorangekommen. Dank der grossen Anfangsmotivation liessen wir uns dadurch allerdings nicht gross die Laune verderben, wir genossen die Zeit an Bord mit viel Lesen, Fischen und natürlich Kochen. So gab es verschiedene kulinarische Highlights wie selbst gebackenes Kartoffelbrot, selbstgemachte Spätzli oder Pommes (da stieg mal kurz der Herd aus) oder auch Hummus und Pitabrot.

Natürlich hatten wir, wie immer, auch bereits kleinere Ausfälle an Bord zu verzeichnen. So zeigte die Winanzeige bald keinen Wind mehr an (den können wir ja auch fühlen), unsere Positionslaternen wie kurz darauf auch die Dampferlaterne vielen aus (dann brennt in der Nacht halt das Ankerlicht) und der Autopilot stieg kurzzeitig aus (wir haben ja noch die Windsteueranlage…noch). Soweit nichts beunruhigendes. Am vierten Tag bekamen wir dann auch unsere erste Delfinshow auf dem Pazifik geboten.

Am zehnten Tag erreichten wir unser erstes Etappenziel, wir überqueren den Äquator! Dies wird ausnahmsweise mit einem Schuss Rum im Tee gefeiert. Tee deshalb, da es um den Äquator gefühlte 0 Grad kalt war. Ok, unser Thermometer sank nur etwas unter 24 Grad, doch gewöhnt sind wir uns solch kühle Temperaturen nicht mehr. Schuld an dieser Eiseskälte sind die Meeresströme, welche vom Südpol zu den Galapagosinseln verlaufen und das kalte Wasser mitbringen. Zudem ist ja auch gerade Winter auf der Südhalbkugel 🙂 Ein paar Tage später kriegen wir dank diesen Strömungen zweimal Besuch von Gruppen von Walfischen, beim zweiten Mal schwammen vier, fünf Wale direkt auf unseren Bug zu und drehten erst einige Meter vor dem Boot ab. Was für ein schöner Anblick!

So langsam kommen wir nun immer mehr in die gewünschten Passatwinde, leider blasen diese, praktisch während unserer gesamten Überquerung, mit 10 bis 14 Knoten etwas schwach. Wir nehmens gelassen und lassen unser Wunderkind, den Parasailor fliegen, wodurch wir doch ganz ordentlich vorankommen.

An Tag Nummer 17 bricht unsere in Panama neu geschweisste Notpinne, die wir für den Einsatz unserer Windsteueranlage brauchen. Schei…! Nun haben wir also nur noch unseren elektrischen Autopiloten, der zuvor bereits nicht mehr so zuverlässig war. Wir steuern deshalb so oft es geht selbst und benützen den Autopiloten als Entlastung zwischendurch. Dies funktioniert für die folgende Woche recht gut, und auch als mich eine Magendarmgrippe kurzzeitig ausser Gefecht setzt, unterstützt der Autopilot den zu nicht mehr so viel Schlaf kommenden Andi zuverlässig.

Pünktlich zum EM-Final bin ich wieder auf den Beinen. Den Final verfolgen wir via unserem Weltradio live auf einem südamerikanischem Radiosender. Viel verstanden haben wir nicht, den Sieger aber dennoch mitbekommen. Zudem war es schön, zumindest ein Bisschen etwas aus der Zivilisation mitzubekommen.

Nach 30 Tagen ist der Spass dann vorbei, nun ist auch noch der elektronische Autopilot komplett ausgestiegen. Die noch vor uns liegenden 1000 Seemeilen müssen wir nun alles von Hand steuern. Zum Glück erscheinen einem 1000 Seemeilen als gar nicht mehr sooo viel, wenn man bereits 3500 zurückgelegt hat. Peanuts. Die nächsten paar Tage verlaufen dann auch erstaunlich angenehm, so dass ich schon fast zum Schluss komme, permanent selbst zu steuern sei ja gar nicht so anstrengend. Denkste, dass war wohl mal wieder mein anfänglicher Übermut. In der letzten Woche nagt das Steuern dann doch sehr an unseren Kräften, es wird zu einem Kampf gegen Müdigkeit und immer schwächere Nerven, und auch an kulinarische Leckerbissen aus der Bordküche ist nicht mehr zu denken (ein Hoch auf Instantnoodles!).

Müde und erschöpft, aber auch überglücklich, dass wir es geschafft haben, lassen wir dann nach 40 Tagen auf See und 4530 gesegelten Seemeilen (8389 Km) in Atuona auf der Insel Hiva Oa unseren Anker fallen. Und als ob dies nicht bereits Freude genug wäre, bekommen wir doch kurz darauf von einem netten deutschen Segler ein frisches Baguette geschenkt. Was für ein Gaumenschmaus!