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Make Juliane Great Again – Oder neuseeländische Härteprüfung

So, wir melden uns endlich mal wieder aus Neuseeland. Die Zeit seit unserer Ankunft verging wie im Fluge, und unerwartete „Bootsprojekte“ haben uns voll und ganz in Anspruch genommen. Aber der Reihe nach.

Nach ersten regnerischen Tagen in Neuseeland hat sich das Wetter doch meist gnädig mit uns gezeigt, die Sonne schien oft und schaffte es im Verlaufe des Tages auch meistens, die kühle Luft aus der Antarktis aufzuwärmen, sodass wir mehrheitlich doch wieder in T-Shirt und FlipFlops leben können. In der Nacht fallen die Temperaturen jedoch weiterhin auf 12 bis 15 Grad Celsius. Ja, wir wissen es, mit dem Schweizer Winter können wir nicht mithalten. Für uns fühlen sich diese Temperaturen jedoch immer noch ziemlich kalt an.

Bevor die grosse Arbeit am Boot begann, schafften wir es doch noch ein paar mal, die Umgebung auf den vielen Wanderwegen zu erkunden. Und dank unserem netten Bootsnachbar Patrick, dessen Auto wir jeweils ausleihen dürfen, haben wir auch schon einige Einkaufs- und Besichtigungstouren nach Whangarei (wo wir ein super Thai Restaurant entdeckt haben) und Kerikeri unternommen.

Kurz vor Weihnachten begannen wir dann so richtig an unserer Juliane zu arbeiten. Zuerst wurde der vordere Teil des Aufbaus neu gestrichen sowie alle Fenster neu eingeklebt – diese waren vorher nicht mehr dicht. Soweit alles gut. Nach Weihnachten wollten wir dann auch den hinteren Teil des Aufbaus neu Streichen. Da dieser jedoch noch mit alter einkomponenten Farbe gestrichen war, und wir auf zweikomponenten Farbe wechseln wollten, musste zuerst die ganze alte Farbe abgeschliffen werden. Als wir dann auf dem Holz waren, zeigte sich, dass einige Teile des Aufbaus komplett morsch waren, da über Jahre hinweg immer wieder Wasser hinein gelangte. Nach einer Weile wurde uns klar, dass wir wohl oder übel ganze Teile des Aufbaus austauschen müssen. Hierfür musste erst mal das morsche Holz raus, dann die Stahlverstrebungen darunter vom Rost befreit und gestrichen werden. Problematischer als erwartet stellte sich das finden von neuem Holz heraus, die grösste Holzfirma Neuseelands hatte dazu noch Weihnachtsferien bis in die zweite Januarwoche. Nachdem wir das Holz dann besorgen konnten, mussten anhand von Mustern die neuen Platten zugeschnitten und geleimt werden, hierfür hatten wir grossartige Hilfe von Pedro, von Beruf Bootsbauer und momentan auch auf Reisen in Neuseeland. Ohne seine Hilfe und Ratschläge wären wir teils komplett überfordert gewesen. Nachdem die neuen Platten dann noch mit Epoxy eingestrichen worden sind, konnten wir diese, nach einen Monat mit Löchern im Boot, endlich wieder einkleben und –schrauben. Nach und nach machte das Boot nun wieder Fortschritte, der Aufbau wurde gestrichen, und seit ein paar Tagen sind endlich auch wieder die letzten beiden Fenster drin. Wir sind soweit wieder dicht! Was hier nun so kurz zusammengefasst und beschrieben wird, war unsere bisher grösste Härteprüfung. Was als Projekt von einer Woche begann, endete mit über eineinhalb Monaten Arbeit, Schweiss und teils auch Tränen. Zum ersten mal kamen wir beide zwischendurch an einen Punkt, an dem wir das Boot am liebsten verlassen hätten. Zum Glück hielten diese Momente nie lange an und wir wechselten uns meist ab mit unseren Krisen, sodass wir uns gegenseitig wieder aufbauen konnten. Jetzt ist die Welt wieder in Ordnung und es stehen nur noch ein paar kleinere Detailarbeiten an und dann ist das Projekt Aufbau endlich abgeschlossen. Es lebt sich aber schon jetzt wieder viel viel besser an Bord, man lernt es zu schätzten, wenn keine Löcher im Boot sind.

Vor zwei Wochen machten wir einen kleinen Arbeitspause- Ausflug mit dem Boot zur Roberton Island, eine von vielen Inseln in der Bay of Islands. Zum ersten mal seit wir Ende November in Opua den Anker eingefahren haben, wurde unsere liebe Juliane wieder bewegt. Sie genoss es sichtlich, wir natürlich auch! Es tat gut, mal etwas anderes zu sehen, und ich wagte mich sogar in Wasser. Dieses war allerdings immer noch ziemlich kühl, sodass ich es kaum länger als einige Sekunden aushielt. Aber immerhin, mein erstes Bad im Meer, seit wir in Neuseeland sind.

Nun werden wir die Juliane wieder segelfertig machen und hoffen, in den nächsten Wochen etwas ausgiebiger in der Bay of Islands umhersegeln zu können. Abgesehen davon, steht weiterhin noch einiges an Arbeit an. Wir möchten das Boot, wenn wir Anfangs Mai nach Vanuatu aufbrechen, in einem möglichst guten Zustand haben, sodass wir dann, hoffentlich, nicht mehr allzu viel Arbeit haben, bis wir im nächsten Sommer bereits wieder im Mittelmeer sein werden. Jetzt freuen wir uns aber erst mal, im Mai wieder zurück in die Tropen zu gehen.