Kava number one

Briefe von Herr Hürzeler

Kava number one

Als James Cook irgendwann im 17. Jahrhundert nach Vanuatu kam, konnte er die Inseln von Vanuatu und die Einwohner, Ni-Vanuatu genannt, nicht erkunden. Die Ni-Vanuatus waren Kriegerstämme, kannibalisch und machten Cook unmissverständlich klar, dass er nicht willkommen sei. Die Zeiten haben sich zum Glück geändert und die Juliane konnte eine neue, wunderschöne und spannende Seite vom Pazifik kennenlernen. Vanuatu ist ganz anders als alle Inseln, die wir bis jetzt im Pazifik besucht haben und trotzdem haben wir alles wiedergefunden was uns bis jetzt im Pazifik so gefallen hat.

Cook war also irgendwann im siebzehnten Jahrhundert schon da und irgendwann kamen dann auch die englischen und französischen Kolonialschiffe. “Dummer Weisse” wollten sowohl die Franzosen wie auch die Engländer sich in Vanuatu niederlassen und so kam es zu einer irrwitzigen Lösungen. Beide Länder bauten eine Regierung auf, Banken, Schulen, Polizei etc. und so kommt es, das in Vanuatu bis heute neben Bislama (wo es wiederum ca. 100 Dialekte gibt), Französisch und Englisch gesprochen wird. So, das reicht jetzt mit Wikipedia-Wissen.

In Port Vila, der Hauptstadt, fanden wir uns schnell zurecht, erledigten ein paar Kleinigkeiten an Bord und zelebrierten den Überfluss. Es war etwas “strange”, plötzlich wieder in einer Stadt zu sein, nach der Erfahrung auf der Insel Tanna, wo die Leute ausnahmslos mit Feuer kochen und Solarlichter der grösste technische Luxus darstellt für die Dorfbewohner. Port Vila war quasi ein Heimspiel für uns, wir besuchten ein HipHop, Dancehall OpenAir und feierten mit dem neu gegründeten “1Rebel Soundsystem / Port Vila” zu dröhnenden Bässen. Nur die Hamburger waren mit zwei Franken pro Stück deutlich günstiger als was wir uns von Zürich gewohnt sind.
Spätestens nach diesem tollen Abend war klar, wir wollen nicht in der Stadt hängen bleiben, neues sehen und so segelten wir am nächsten Tag, mit einem leichten Kater, los zur Insel Emae. Die Nachtfahrt nach Emae war eine Bilderbuchfahrt. Nach ein paar Stunden kam eine gute Brise auf und der Windpilot steuerte uns präzise am Cook Reef vorbei an den Strand von Sulua. Kurz vor Ankunft ging die Sonne auf und mit Ihr surrte die Fischrute und der zweite Wahoo landete im Cockpit von Juliane. Bei unserem Landausflug verschenkten wir den grössten Teil des Wahoos und uns wurde gezeigt, wie die Leute von verschiedenen Inseln in Sulua geschult werden um Früchte und Obst zu trocknen. Ein simples Plastik-Holz-Gestell mit einem Solarlüfter und Metallgitter soll den Inselbewohner in Zukunft helfen, bei einem Ernteausfall nach einem Zyklon besser über die Runden zu kommen. Nach dem Zyklon “Pam” 2015 war Vanuatu auf Internationale Hilfe angewiesen. Die Ernährungsgrundlage in Form von Kokospalmen und Maniok wurden teilweise komplett zerstört. Für den nächsten grossen Zyklon wollen sie besser vorbereitet sein.

Am nächsten Morgen kam etwas Wind auf und es wurde uns zu schauklig in der Bucht, also segelten wir eine Insel weiter nach Epi. In Revolieu Bay sank der Anker neben dem Riff auf Sand und Herr Hürzeler schnorchelte das Riff ab. Es gab einiges zu sehen, viele “Nemos” (Clownfische), die ihre Anemonen beschützen und grosse Snapper Schwärme. Der schwarze Sandgrund gefiel der Kapitänöse gar nicht, zu viele Hai Geschichten und Weisheiten, dass schwarzer Sandgrund speziell gefährlich sei, liessen nur kurze Aufenhalte im Wasser zu. Naja, ein paar Buchten weiter in der Lamen Bay soll weisser Sand sein und erst noch viele Riesenschildkröten und Dugongs (Seekühe) anzutreffen sein, also wurde der Haken am nächsten Tag bereits wieder an Bord gehievt und es ging nach Lamen Bay. Einmal mehr waren wir das einzige Schiff in der Bucht und kurz vor Ankunft hing ein kleiner Albacore Tuna an der Angel, den wir an Land gleich in Avocados und Papayas eingetauscht haben. Etwas später bekamen wir doch noch Besuch von einem Segelboot, “Second Wind” ankerte neben uns und wir wurden auf ein Bier eingeladen. Während dem ersten Bier schnaufte es hinter uns im Wasser und eine Riesenschildkröte tauchte direkt neben dem Boot auf. Kurz darauf schnaubte es im Wasser und eine Dugong zeigte sich. Das musste mit Rum und Gin Tonic gefeiert werden und wir hatten einen lustigen Abend mit Art und Nancie. Art war Orchestrator und Nancie spielte professionell Violine und unterichtete. Gerne hätten wir zugehört, wenn sie für die Dorfbewohner am Strand spielten (die meisten Ni-Vanuatus haben noch nie eine Violine gesehen oder gehört) aber die beiden mussten am nächsten Morgen bereits wieder los, weil sie noch die letzte Möglichkeit nutzen wollten um auf der Insel Pentecost die “Landdiver” (ursprüngliches Bungee-Jumping an Lianen) zu sehen.

Wir genossen die nächsten zwei Tage in der Lamen Bay, fuhren mit dem Dinghy rüber zur Lamen Island und beobachten die Dugongs und Turtles in der Bucht. Bei der Abfahrt von Lamen Bay wurden wir von Delfinen verabschiedet und nahmen Kurs auf eine der grössten Inseln von Vanuatu, Malekula. Dort angekommen ankerten wir vor dem Dorf Peskarus und sahen gleich mehrere Dugongs im Wasser. Gerne hätten wir mit den Dugongs geschnorchelt, aber es war zimlich windig, deshalb entschieden wir uns den Anker noch mal zu heben und ein paar Meilen weiterzufahren, wo wir zwischen der Hauptinsel Malekula und der Insel Awai einen perfekt geschützten Ankerplatz fanden. Kurz nach Ankunft bekamen wir Besuch von der Familie, die auf Awai wohnt. Uns wurde gesagt, dass wir uns frei bewegen dürfen auf der Insel und es keinen “Chief” gäbe, wo wir Erlaubnis einholen müssen, da sie die einzige Familie seien auf der Insel. Der Kapitän wurde gefragt ob er vielleicht helfen könnte, sie hätten ein Problem mit ihrem Solarlicht und wir verabredeten, dass wir am nächsten Tag mit Werkzeug vorbeikommen. Das billige Solarlicht Made in China konnte geflickt werden, wir wurden mit Früchten und Gemüse belohnt und am nächsten Tag hatten wir vier neue Lichter an Bord, die auch irgendeinen Defekt hatten. Dann kam noch ein Onkel von der Nachbarinsel Avokh, der einen Inverter vorbeibrachte, welcher nicht mehr funktionierte und es war klar, das Buschtelefon funktionierte ausgezeichnet in Vanuatu. Nach drei Tagen verabschiedeten wir uns, kauften der Famile noch eine Mud-Crab ab, die unterwegs nach Port Sandwich gekocht, geknabbert und dann noch in Taligatelle verarbeitet wurde. Port Sandwich ist eine sehr gut geschütze Bucht und es war das erste Mal in Vanuatu, wo wir an einen Ankerplatz kamen und bereits Boote da waren. Uns war nicht ganz klar wieso, schön war es zwar, aber gleichzeitig hat die Bucht den Ruf, dass man nicht baden gehen soll weil grosse, aggressive Haie rumschwimmen. Vielleicht lag es daran, dass es in Port Sandwich 3G Internet hatte und das die Segler bekanntlich anzieht wie Motten das Licht. Wir machten ein paar Auflüge an Land und mit dem Dinghy. Die Leute waren einmal mehr extrem freundlich und es waren die ersten Dörfer, die wir besuchten, wo die Leute mehrheitlich Französisch sprachen.

Nach zwei Tagen ohne schwimmen im Wasser hatten wir genug und wir motorten drei Stunden weiter in die Banam Bay. Das war die richtige Entscheidung. Wunderschöner Strand, türkises Wasser und der Chief vom Dorf begrüsste uns persönlich am Strand. Zufällig war noch der Vize Minister von der Region zu Besuch und wir wurden überhäuft mit Früchten. Die Frage, ob wir etwas bezahlen dürfen, wurde verneint und wir wurden eingeladen am Abend mitzukommen ins nächste grössere Dorf um Kava zutrinken. Irgendwie war nicht ganz klar, ob Nathalie als Frau auch Kava trinken darf, die Frau vom Chief sagte uns, dass die Frauen kein Kava trinken, der Chief meinte aber jaja Frauen dürfen auch Kava trinken. Wir verabschiedeten uns und versprachen nach Sonnenuntergang mit dem Dinghy zurück zu kommen. Wir wollten zuerst aber noch etwas am Strand spazieren und zurück aufs Boot um etwas zu essen. Nach etwa 500m am Strand entlang kamen zwei Jungs im Outrigger Kanu angeruddert, wir wurden angestrahlt und mit Hand und Fuss und auf Bislama wurde uns erklärt, dass wir mitkommen sollen zum Chief. Mmhh noch mal ein Dorf, okay, Hände schütteln, Früchte werden gebracht und der Chief fragt uns, ob wir am nächsten Tag vorbeikommen wollen, die Kinder würden für uns den lokalen Tanz aufführen. Klar wieso nicht, in unserem Segler Guide der zwanzig Jahre alt ist wurde das erwähnt und der Preis für die Aufführung hat sich in zwanzig Jahren auch nicht verändert. Wir versprachen am nächsten Tag um vier Uhr vorbeizukommen.

Nach Sonnenuntergang stand der Chief am Strand und lotste uns mit einer Taschenlampe durch das Riff, damit unser Dinghy und Aussenborder heil am Strand ankam. Durch den Regenwald ging es an Kühen, Hunden, Schweinen und Hühner vorbei ins Landesinnere, wo wir nach einer Viertelstunde im einem grossen Dorf ankamen. Die Kava Bar funktionierte simpel, für einen Franken gab es einen Gutschein und für den Gutschein gab es ein Schale Kava. Schnell begriffen wir, dass man Kava hier nicht in kleinen Schlücken trinkt sondern “ext” und Herr Hürzeler bekam Annerkennung weil er das anstandslos kopierte und immer brav sagte “Kava number one” was so viel heisst wie “Kava ist sehr gut”. Die Männer waren alle sehr interssiert an uns und Nati musste den ganzen Abend die gleichen Fragen beantworten (“Lebt dein Vater noch?”, “Kommt ihr aus Australien oder Fiji?”). Die Gesprächsthemen waren eingeschränkt, weil die meisten älteren Männer sehr wenig Englisch sprechen und Bislama teilweise komplett unverständlich ist für uns. Nach ein paar Runden Kava schlief der Chief, der uns eingeladen hat, fast ein und der Chief vom grossen Dorf liess für Nati noch Reis, mit wildem Kohl und Chinanudeln kochen, was eine unessbare Mischung ergab die wir gemeinsam versuchten zu essen aber nach der Hälfte kapitulierten und singalisierten, dass es für uns langsam Zeit wird zurück aufs Boot zugehen. Unser Stranddorf Chief war nicht mehr allzu gut auf den Beinen, fand den Weg durch den Regenwald zurück an den Strand aber problemlos. Ich und Nati waren uns einig, dass ausser etwas gelähmter Zunge und Lippen das Kava nicht allzu viel ausrichtet. Der Kapitän zeigte sich etwas entäuscht da doch das Vanuatu Kava das stärkste Kava vom Pazifik sein soll. Als wir dann zurück an Bord waren fiel uns beiden das erste Mal auf, dass wir wohl doch etwas belämmert sind. Das Boot schwankte deutlich mehr als sonst und die Standfestigkeit liess zu wünschen übrig. Herr Hürzeler schlug vor noch einen puren Rum zutrinken um den Magen zu desinfizieren, zu diesem Zeitpunkt war es aber schon zu spät für Nati und sie übergab das Kava dem Meer.

Vanuatu Kava number one! Stret!

Es grüsst aus Vanuatu der Kapitän,

Herr Hürzeler

Fotos:

 

3 thoughts on “Kava number one

    1. we sure do, but soon time to say goodbye. we plan to sail towards Australia, Mackay next weekend. where are you guys at? i saw some pictures on facebook from Bundaberg… who knows maybe we catch up somewhere on the coast.

  1. Salut zäme 🙂
    Ja gseht immer no genau gliich us, han chli Angst gha nach dem Sturm damals! De Vulkan isch ächt de Hammer und jedes mal so es chliises Bebe! Mega beidruckend! Han mer scho damals gseit eines Tages mit em Schiff det abe! Süper Sach!! Rechti Fischli hender usezoge! 😉 haha hennd ihr hoffentli au gseh, wie die chliine buebe die kava wurzle kaued und denn dur sones Bananeblatt durefiltered (traditionell) und denn i sone Kokosschale inegüssed😂, isch mer damals au chli schlächt worde ;)!
    Gueti Reis & take care!
    Dario

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