Monthly Archives: April 2019

Was esst ihr unterwegs denn so?

Die Frage nach dem Essen an Bord ist eine der am meisten gestellten. Und obwohl sich unser Leben an Bord (an Land natürlich auch) sicher zur Hälfte ums Essen dreht, haben wir noch keinen einzigen Blogbeitrag ums Thema Essen geschrieben.

Für Nicht-Langzeitsegler ist es nicht leicht sich vorzustellen, dass man auch auf langen Überfahrten, solange es das Wetter zulässt, gut, frisch und gesund essen kann und man sich bei weitem nicht bloss von Tütensuppen ernährt. Um euch einen Blick auf unsere Teller zu geben, haben wir auf der Überquerung des Indischen Ozeans aufgeschrieben, was wir so gekocht und gegessen haben. Los gehts:

  • Spaghetti Bolognese
  • Lasagne
  • Couscous-Salat
  • Safranrisotto mit gebratenen Rüben
  • Penne all’arrabiata
  • Kokoslinsen mit Rüebli und Kohl
  • Strifried Glasnudeln mit Gemüse
  • Kalbsgeschnetzeltes mit Reis
  • Knoblauch-Jalapeño Spaghetti
  • Auberginencurry mit Reis
  • Spaghetti mit Artischockenherzen und Knoblauch
  • Chilli sin carne
  • Burritos
  • Pizza
  • Grünes Thaicurry
  • Müschelipasta mit Butter und Parmesan
  • Tomatensalat und frisch gebackenes Brot
  • Kartoffelsalat mit Cipollata
  • Shakshuka
  • Gebratene Nudeln mit Blumenkohl und Rüebli
  • Gschwellti mit Chäs
  • Gebratener Reis mit Gemüse
  • Gerberfondue (wükli!)
  • Frischer MahiMahi mit Salzkartoffeln
  • MahiMahi mit Reissalat
  • Linsen mit MahiMahi
  • Rüebli-Kohl-Salat mit Tzaziki und Brot
  • Spaghetti Napoli
  • Instant Noodles
  • Kartoffelgratin und Cipollatas
  • Penne 5P
  • Bratkartoffeln
  • Indonesisches Curry mit Reis
  • Spaghetti Napoli
  • Kürbisgemüse mit Couscous
  • Spaghetti mit Pesto Rosso
  • Omeletten mit Pilzrahmsauce
  • Tomaten-Bohnen-Kichererbsen-Kartoffel-Eintopf
  • Pizza
  • Spaghetti mit Pesto Verde
  • Saucenkartoffeln und gebratene Rüben
  • Tomatenrisotto
  • Gebackener Kürbis mit Feta und Couscous
  • MahiMahi mit Reis
  • Rösti

Über den Indischen Ozean und durch den Golf von Aden

Am Sonntag, 24. März 2019, war es endlich so weit und wir verliessen Kochi mit dem Ziel Djibouti.

Vor uns lagen etwas mehr als 2000 Seemeilen über den Indischen Ozean und durch den Golf von Aden (ja, dieser berüchtigte Golf zwischen dem Jemen und Somalia). Dieser Teil des Indischen Ozeans ist allgemein bekannt für seine leichten Winde, und da wir eher spät in der Nord-Ost-Wind Saison waren, gab es in der Windprognose eigentlich nur wenig zu sehen: sehr leichter oder gar keinen Wind.

Wir bunkerten deshalb zusätzlich zu den 1000 Litern Diesel in unseren Tanks noch 240 Liter extra Diesel in Kanistern, um etwas mehr Motoren zu können. Das Ziel war, bei der Einfahrt in den Sicherheitskorridor im Golf von Aden noch mindestens so viel Diesel zu haben, um falls notwendig bis Djibouti durchmotoren zu können.

Die ersten zwei Wochen der Überfahrt waren dann auch geprägt von niedrigtourigem Motoren, Leichtwindsegeln und ab und zu etwas Driften in der Flaute. Wir kamen aber dennoch nicht allzu schlecht voran, wenn auch langsam, und unsere Dieselrechnung schien aufzugehen. Das schöne an so ruhigen Bedingungen ist, dass das Leben an Bord sehr angenehm ist und Tätigkeiten wie Kochen einiges leichter zu bewältigen sind als bei 20 Knoten Wind. So verbrachten wir die Tage mit Lesen, Kochen, Essen, Fischen (nicht sehr erfolgreich) und ab und zu den zu Besuch kommenden Delfinen zuzuschauen.

Der Indische Ozean – Ein Spiegel
Posieren für den Sonnenuntergang

Das Fischen war zwei Wochen lang eine grosse Enttäuschung. Es biss einfach nichts an. So eine lange Durststrecke hatten wir noch nie. Vor allem Albi, dem wir von unserer guten Fischfangquote vorgeschwärmt haben, wurde langsam etwas ungeduldig. Nach zwei Wochen dann endlich die Erlösung, ein kleiner MahiMahi war am Haken. Und am Nachmittag gleich noch einer. Endlich haben wir mal wieder unseren Lieblingsfisch auf dem Teller!

Am Abend des 15. Tages, noch etwa 300 Seemeilen vom Golf von Aden entfernt, erhielten wir auf unserem Satellitentelefon die Nachricht, dass das Segelschiff SV Sisiutl, das wir aus Indien kannten, etwa 50 Seemeilen von uns entfernt mit Motorschaden in der Flaute trieb. Wir änderten daraufhin unseren Kurs und steuerten über Nacht auf SV Sisiutl zu. Nach einem Augenschein vor Ort war klar, dass der Motor unterwegs nicht mehr zum Laufen zu bringen war. Wir bunkerten deshalb den noch vorhandenen Diesel von SV Sisiutl und schleppten sie für die nächsten 300 Seemeilen in Richtung Norden. Der Wetterbericht sagte ab dann wieder etwas Wind voraus. Unsere Wege trennten sich und SV Sisiutl segelte ins nun noch 150 Seemeilen entfernte Salalah im Oman, um einen Service am Motor durchzuführen.

Mit SV Sisiutl im Schlepptau

Wir befanden uns nun etwa 100 Meilen vor dem Eingang in den Sicherheitskorridor, und begegneten nördlich von Sokotra den ersten Kriegsschiffen. Uns wurde gleich grosses Kino geboten, ein Flugzeugträger mit etwa 20 Kampfjets und einigen Helikoptern an Bord war in der Nähe, zudem noch zwei weitere Zerstörer. Nur die Menschen mit den Fahnen in der Hand in der Mitte des Flugzeugträgers fehlten, um das Bild komplett zu machen. Für unser Sicherheitsgefühl half es natürlich auch, dass die Koalition der Streitkräfte tatsächlich mit schwerem Geschütz anwesend war. Kein somalischer Pirat hätte eine Chance gegen diesen Auflauf an Kriegsmaschinerie.

Flugzeugträger in der Nähe

Auch in den folgenden Tagen wurden wir täglich von einem Flugzeug der Streitkräfte überflogen und per Funk darüber informiert, welches Kriegsschiff gerade in der Nähe ist. Nach einem weiteren Tag motorsegeln mit unangenehmen Schwell hatten wir dann endlich wieder guten achterlichen Wind, sodass wir die letzten vier Tage mit perfekten Bedingungen nach Djibouti segeln konnten. Wir waren froh um den guten Wind und dass wir somit auch mit guter Geschwindigkeit durch den Golf vorankamen. Erleichtert fuhren wir dann in den Hafen von Djibouti ein, froh darüber, den Golf von Aden ohne eine einzige heikle Begegnung mit Fischerbooten (oder eben doch Piraten?) hinter uns gelassen zu haben.

Zum Abschluss gabs nochmals einen MahiMahi
Willkommensbier in Djibouti

Djibouti selbst ist eine spezielle Mischung. Ostafrika, die Armut ist gross und die Hälfte der Einwohner lebt in Slums. Gleichzeitig haben die Franzosen, Amerikaner, Japaner und Chinesen grosse Militärstützpunkte hier. So gibt es unweit der Slums ein neues Einkaufszentrum mit grossem französischen Supermarkt, leisten können sich diesen allerdings fast ausschliesslich die Militärangehörigen. Die Preise sind allgemein extrem hoch, da alles importiert werden muss, und man fragt sich teilweise, wie es die Einheimischen schaffen hier zu überleben. Nachdem wir das Boot wieder in Schuss gebracht haben nutzten wir nach sechs Tagen das nächste gute Wetterfenster, um ins Rote Meer und in den Sudan zu segeln. Albi fliegt direkt nach Ägypten, da ein Stopp im Sudan seinen Plänen, im Herbst in die USA zu reisen, einige Steine in den Weg gelegt hätten. Nach einem Besuch im Sudan ist es schwierig, noch ein Visum für die USA zu erhalten. Für die nächsten knapp 1000 Seemeilen sind wir somit wieder zu zweit unterwegs.

Der Hafen von Djibouti
Wäscheboot
Djibouti
Auf den Strassen von Djibouti

Kochi

Nach unserer Ankunft in Kochi mussten wir als erstes, wie überall, einklarieren. In gewissen Ländern ist dies eine Sache von einer Stunde, in anderen von zwei Tagen. Indien gehört definitiv zur zweiten Kategorie. Ging es bei der Immigration noch einigermassen schnell voran (es benötigte bloss fünf Mitarbeiter, um unsere Fingerabdrücke zu scannen), so wurde es beim Hafenmeister und den Zollbehörden schon komplizierter. Wir füllten stapelweise Papier aus, das voraussichtlich auf den Stapeln entlang der Bürowände landen und verschwinden wird. Um die Mittagszeit des zweiten Tages war dann alles erledigt und wir hatten die Erlaubnis, uns zum zweiten Ankerplatz und zur Marina zu verschiffen.

Juliane vor Anker in Kochi

Einer der ersten Punkte auf der To-do-Liste war wie immer das Organisieren von SIM-Karten, um zurück ins Internetland zu kommen. Die Karte war schnell besorgt, mit der Aktivierung haperte es dann allerdings etwas. Wir mussten nur noch drei weitere Male im Shop vorbei, bis alles wie gewünscht lief. Welcome to India!

Durch die paar Tuktuk-Fahrten zwischen Mobilshop und Marina waren wir jedoch gleich mittendrin im chaotischen Verkehr und Stadtleben Indiens. Uns gefiel es auf Anhieb. Es ist zwar laut, schmutzig, chaotisch, aber auch lebendig, echt und spannend. Nach den mit Touristen überfüllten Orten in Thailand und Malaysia war es zudem schön, mal wieder fast ausschliesslich unter Einheimischen zu sein. Anderen Touristen begegneten wir, ausser im historischen Stadtteil von Fort Kochi, praktisch nie.

Was man auf den Strassen so alles antrifft

Am Abend unseres dritten Tages in Kochi besuchten wir das letzte Saisonspiel der Kerala Blasters, dem lokalen Fussballteam. Vor ein paar Jahren noch waren die Fans der Kerala Blasters bekannt dafür, zu den lautesten der Welt zu gehören und das 60’000 Plätze fassende Stadion war regelmässig ausverkauft. Mit dem Rückgang der Leistungen der Mannschaft, sie befindet sich aktuell auf dem zweitletzten Rang, ging jedoch auch die Anzahl Zuschauer zurück, sodass an diesem Abend lediglich ein paar tausend Anhänger im Stadion waren. Ein Erlebnis war es allemal, auch wenn das fussballerische Niveau sehr bescheiden war. Zu unterscheiden, ob das Rufen der Fans gerade an die eigene oder gegen die andere Mannschaft gerichtet ist, war etwa so schwierig, wie das genaue Deuten des indischen Kopfschüttelns (mittlerweile sind wir sogar selbst ganz gut im Kopfwackeln).

Fussballspiel der Kerala Blasters

Ausgerüstet mit Blasters Trikots

Für die weitere Zeit in Kochi bis zur Ankunft von unserem neuen Crewmitglied Albi standen dann einige Bootsarbeiten an. Das Boot musste bereit gemacht werden für unsere letzte grosse Überfahrt über den Indischen Ozean und durchs Rote Meer. Neben den üblichen Aufgaben wie Diesel tanken, Gasflasche auffüllen, Proviant einkaufen und der Reinigung des Unterwasserschiffs liessen wir uns noch eine neue Notpinne anfertigen und beschäftigten uns einmal mehr mit unserer hydraulischen Steuerung.

Einkauf auf dem Markt

Auch Pasta ist aufgestockt

Nach einer Woche Bootsarbeit gönnten wir uns dann eine Auszeit und fuhren für zwei Tage nach Munnar, einem Städtchen in den Bergen, bekannt für seine riesigen Teeplantagen. Da die Luftqualität in Kochi sehr zu wünschen übrig lässt, unser Boot war bereits nach ein paar Tagen mit einem grauen Schleier überzogen, genossen wir die frische und auch kühlere Bergluft in Munnar umso mehr. Am ersten Nachmittag buchten wir eine vierstündige Wanderung durch die Hügel und die Teeplantagen. Leider war es nicht erlaubt, sich ohne Guide durch die Plantagen zu bewegen, und so mussten wir immer einen offiziellen Guide dabei haben. Durch ihn erhielten wir aber auch gleich viele spannende Informationen zur Entstehung von Munnar und der Plantagenarbeit. Es tat gut, sich mal wieder richtig zu bewegen und die Beine länger als 10 Minuten zu benutzen. Nach einem weiteren Ausflug und viel viel gutem Essen fuhren wir per Bus wieder zurück nach Kochi. Die Rückfahrt mit dem Bus war einiges angenehmer als die Hinfahrt per Uber, und überholen kann der Busfahrer mindestens genauso gut. Die vierstündige Busfahrt kostete uns zudem ganze 1.50 CHF pro Person.

Teeplantagen

Morgenspaziergang

100 Jahre alte Brücke.. sie hielt!

Preislich spielt Indien allgemein nochmals in einer ganz anderen Liga als andere südostasiatische Länder, die wir besucht haben. Für einen Franken gibt es ein fantastisches Mittagsmenu, für zwei bis drei Franken ist der Tisch gefüllt mit allerlei Köstlichkeiten. Wir waren praktisch permanent überessen. Wir hörten komplett auf, selbst zu kochen, da es sich bei diesen Preisen schlicht nicht mehr lohnte. Zudem ist das Indische Essen fantastisch und man kann sich wochenlang durch die Speisekarten essen und Neues entdecken.

Mitte März landete dann Albi, unser Freund aus Australien, in Kochi. Er begleitet uns auf der Passage über den Indischen Ozean und durchs Rote Meer und bleibt voraussichtlich bis zum Ende unserer Reise an Bord. Für uns heisst das, neben der guten Unterhaltung natürlich, es gibt mehr Schlaf, wenn wir unterwegs sind!

Langkawi Phuket retour

Nach einigen entspannten Tagen in Ko Lipe mussten wir weiter nach Phuket, um offiziell in Thailand einzuklarieren. Die Einreiseformalitäten liefen reibungslos ab, hier ein paar Kopien abliefern, dort einige Bhaat bezahlen, und schon waren wir und das Schiff offiziell in Thailand angekommen. Danach gönnten wir uns einen ersten Teller gutes Thai-Essen in der Bullship Bar (von da an unser Stammrestaurat in Phuket) und das obligatorische Willkommens-Bier.

Unsere Pläne für Phuket bestanden hauptsächlich aus Bootsarbeiten. Zum ersten Mal seit Australien war wieder alles, was das Bootsherz begehrt, erhältlich, wenn auch eine Stunde Scooterfahrt im chaotischen Verkehr von Phuket entfernt. Wir ersetzten alle Fugen unseres Teakdecks, liessen eine neue Plexiglasscheibe in die Luke der Vorkoje einkleben und befassten uns einmal mehr mit unserer hydraulischen Steuerung.

Dachluke neu einkleben

Neue Fugen im Teakdeck

Und fertig!

Nach drei Wochen waren wir endlich wieder startklar, um die schönen Seiten des Seglerlebens zu geniessen und verliessen Phuket so schnell wie möglich wieder. Abgesehen von den guten Einkaufsmöglichkeiten für Bootszubehör und die Bordküche hatte Phuket für uns nicht viel zu bieten, überfüllte Strassen, überfüllte Strände, unklares Wasser mit reichlich Quallen und täglich tausende von Bussen und Booten voller Touristen.

Wir gingen zurück nach Ko Lipe, wo wir unsere Freunde Silvan, Jaruwan und Samuel in ihren Thailandferien trafen. Mit ihnen verbrachten wir die Zeit in Ko Lipe, nahmen sie auf einen kleinen Bootsausflug zwischen den Inseln mit und genossen das klare Wasser, das Essen und das Nachtleben. Nach einer Woche war es dann an der Zeit, Thailand auf Wiedersehen zu sagen und zurück nach Langkawi zu segeln, wo wir nochmals frisches Obst und Gemüse einkauften, unsere Wassertanks füllten und das Boot startklar für die Überfahrt nach Kochi, Indien machten.

Auf nach Indien!

Nach all den kürzeren Passagen durch die Gewässer von Indonesien, Malaysia und Thailand mit all ihren Fischerbooten, genossen wir es, mal wieder eine längere Überfahrt zu machen und weit auf dem offenen Meer zu sein. Wir teilten das Meer teilweise zwar mit vielen Cargoschiffen, da wir uns entlang der Berufsschifffahrtsroute bewegten, aber im Vergleich zu den teils hunderten von Fischerbooten in Küstennähe ist das Entspannung pur. Dank AIS System sehen uns die Cargoschiffe und weichen meist aus, ohne dass wir uns auch nur per Funk melden müssten.

Catch of the day: Sailfish

Für die ersten Tage hatten wir ziemlich leichten Wind und liessen deshalb den Motor noch ab und zu mitlaufen. Danach gabs dann super Wind und wir kamen mit unserem Blister so schnell wie selten voran. Nach 14 Tagen Überfahrt liefen wir somit bereits in den Hafen von Kochi ein. Hello India!

Einfahrt Kochi