Kochi

Nach unserer Ankunft in Kochi mussten wir als erstes, wie überall, einklarieren. In gewissen Ländern ist dies eine Sache von einer Stunde, in anderen von zwei Tagen. Indien gehört definitiv zur zweiten Kategorie. Ging es bei der Immigration noch einigermassen schnell voran (es benötigte bloss fünf Mitarbeiter, um unsere Fingerabdrücke zu scannen), so wurde es beim Hafenmeister und den Zollbehörden schon komplizierter. Wir füllten stapelweise Papier aus, das voraussichtlich auf den Stapeln entlang der Bürowände landen und verschwinden wird. Um die Mittagszeit des zweiten Tages war dann alles erledigt und wir hatten die Erlaubnis, uns zum zweiten Ankerplatz und zur Marina zu verschiffen.

Juliane vor Anker in Kochi

Einer der ersten Punkte auf der To-do-Liste war wie immer das Organisieren von SIM-Karten, um zurück ins Internetland zu kommen. Die Karte war schnell besorgt, mit der Aktivierung haperte es dann allerdings etwas. Wir mussten nur noch drei weitere Male im Shop vorbei, bis alles wie gewünscht lief. Welcome to India!

Durch die paar Tuktuk-Fahrten zwischen Mobilshop und Marina waren wir jedoch gleich mittendrin im chaotischen Verkehr und Stadtleben Indiens. Uns gefiel es auf Anhieb. Es ist zwar laut, schmutzig, chaotisch, aber auch lebendig, echt und spannend. Nach den mit Touristen überfüllten Orten in Thailand und Malaysia war es zudem schön, mal wieder fast ausschliesslich unter Einheimischen zu sein. Anderen Touristen begegneten wir, ausser im historischen Stadtteil von Fort Kochi, praktisch nie.

Was man auf den Strassen so alles antrifft

Am Abend unseres dritten Tages in Kochi besuchten wir das letzte Saisonspiel der Kerala Blasters, dem lokalen Fussballteam. Vor ein paar Jahren noch waren die Fans der Kerala Blasters bekannt dafür, zu den lautesten der Welt zu gehören und das 60’000 Plätze fassende Stadion war regelmässig ausverkauft. Mit dem Rückgang der Leistungen der Mannschaft, sie befindet sich aktuell auf dem zweitletzten Rang, ging jedoch auch die Anzahl Zuschauer zurück, sodass an diesem Abend lediglich ein paar tausend Anhänger im Stadion waren. Ein Erlebnis war es allemal, auch wenn das fussballerische Niveau sehr bescheiden war. Zu unterscheiden, ob das Rufen der Fans gerade an die eigene oder gegen die andere Mannschaft gerichtet ist, war etwa so schwierig, wie das genaue Deuten des indischen Kopfschüttelns (mittlerweile sind wir sogar selbst ganz gut im Kopfwackeln).

Fussballspiel der Kerala Blasters

Ausgerüstet mit Blasters Trikots

Für die weitere Zeit in Kochi bis zur Ankunft von unserem neuen Crewmitglied Albi standen dann einige Bootsarbeiten an. Das Boot musste bereit gemacht werden für unsere letzte grosse Überfahrt über den Indischen Ozean und durchs Rote Meer. Neben den üblichen Aufgaben wie Diesel tanken, Gasflasche auffüllen, Proviant einkaufen und der Reinigung des Unterwasserschiffs liessen wir uns noch eine neue Notpinne anfertigen und beschäftigten uns einmal mehr mit unserer hydraulischen Steuerung.

Einkauf auf dem Markt

Auch Pasta ist aufgestockt

Nach einer Woche Bootsarbeit gönnten wir uns dann eine Auszeit und fuhren für zwei Tage nach Munnar, einem Städtchen in den Bergen, bekannt für seine riesigen Teeplantagen. Da die Luftqualität in Kochi sehr zu wünschen übrig lässt, unser Boot war bereits nach ein paar Tagen mit einem grauen Schleier überzogen, genossen wir die frische und auch kühlere Bergluft in Munnar umso mehr. Am ersten Nachmittag buchten wir eine vierstündige Wanderung durch die Hügel und die Teeplantagen. Leider war es nicht erlaubt, sich ohne Guide durch die Plantagen zu bewegen, und so mussten wir immer einen offiziellen Guide dabei haben. Durch ihn erhielten wir aber auch gleich viele spannende Informationen zur Entstehung von Munnar und der Plantagenarbeit. Es tat gut, sich mal wieder richtig zu bewegen und die Beine länger als 10 Minuten zu benutzen. Nach einem weiteren Ausflug und viel viel gutem Essen fuhren wir per Bus wieder zurück nach Kochi. Die Rückfahrt mit dem Bus war einiges angenehmer als die Hinfahrt per Uber, und überholen kann der Busfahrer mindestens genauso gut. Die vierstündige Busfahrt kostete uns zudem ganze 1.50 CHF pro Person.

Teeplantagen

Morgenspaziergang

100 Jahre alte Brücke.. sie hielt!

Preislich spielt Indien allgemein nochmals in einer ganz anderen Liga als andere südostasiatische Länder, die wir besucht haben. Für einen Franken gibt es ein fantastisches Mittagsmenu, für zwei bis drei Franken ist der Tisch gefüllt mit allerlei Köstlichkeiten. Wir waren praktisch permanent überessen. Wir hörten komplett auf, selbst zu kochen, da es sich bei diesen Preisen schlicht nicht mehr lohnte. Zudem ist das Indische Essen fantastisch und man kann sich wochenlang durch die Speisekarten essen und Neues entdecken.

Mitte März landete dann Albi, unser Freund aus Australien, in Kochi. Er begleitet uns auf der Passage über den Indischen Ozean und durchs Rote Meer und bleibt voraussichtlich bis zum Ende unserer Reise an Bord. Für uns heisst das, neben der guten Unterhaltung natürlich, es gibt mehr Schlaf, wenn wir unterwegs sind!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *