Über den Indischen Ozean und durch den Golf von Aden

Am Sonntag, 24. März 2019, war es endlich so weit und wir verliessen Kochi mit dem Ziel Djibouti.

Vor uns lagen etwas mehr als 2000 Seemeilen über den Indischen Ozean und durch den Golf von Aden (ja, dieser berüchtigte Golf zwischen dem Jemen und Somalia). Dieser Teil des Indischen Ozeans ist allgemein bekannt für seine leichten Winde, und da wir eher spät in der Nord-Ost-Wind Saison waren, gab es in der Windprognose eigentlich nur wenig zu sehen: sehr leichter oder gar keinen Wind.

Wir bunkerten deshalb zusätzlich zu den 1000 Litern Diesel in unseren Tanks noch 240 Liter extra Diesel in Kanistern, um etwas mehr Motoren zu können. Das Ziel war, bei der Einfahrt in den Sicherheitskorridor im Golf von Aden noch mindestens so viel Diesel zu haben, um falls notwendig bis Djibouti durchmotoren zu können.

Die ersten zwei Wochen der Überfahrt waren dann auch geprägt von niedrigtourigem Motoren, Leichtwindsegeln und ab und zu etwas Driften in der Flaute. Wir kamen aber dennoch nicht allzu schlecht voran, wenn auch langsam, und unsere Dieselrechnung schien aufzugehen. Das schöne an so ruhigen Bedingungen ist, dass das Leben an Bord sehr angenehm ist und Tätigkeiten wie Kochen einiges leichter zu bewältigen sind als bei 20 Knoten Wind. So verbrachten wir die Tage mit Lesen, Kochen, Essen, Fischen (nicht sehr erfolgreich) und ab und zu den zu Besuch kommenden Delfinen zuzuschauen.

Der Indische Ozean – Ein Spiegel
Posieren für den Sonnenuntergang

Das Fischen war zwei Wochen lang eine grosse Enttäuschung. Es biss einfach nichts an. So eine lange Durststrecke hatten wir noch nie. Vor allem Albi, dem wir von unserer guten Fischfangquote vorgeschwärmt haben, wurde langsam etwas ungeduldig. Nach zwei Wochen dann endlich die Erlösung, ein kleiner MahiMahi war am Haken. Und am Nachmittag gleich noch einer. Endlich haben wir mal wieder unseren Lieblingsfisch auf dem Teller!

Am Abend des 15. Tages, noch etwa 300 Seemeilen vom Golf von Aden entfernt, erhielten wir auf unserem Satellitentelefon die Nachricht, dass das Segelschiff SV Sisiutl, das wir aus Indien kannten, etwa 50 Seemeilen von uns entfernt mit Motorschaden in der Flaute trieb. Wir änderten daraufhin unseren Kurs und steuerten über Nacht auf SV Sisiutl zu. Nach einem Augenschein vor Ort war klar, dass der Motor unterwegs nicht mehr zum Laufen zu bringen war. Wir bunkerten deshalb den noch vorhandenen Diesel von SV Sisiutl und schleppten sie für die nächsten 300 Seemeilen in Richtung Norden. Der Wetterbericht sagte ab dann wieder etwas Wind voraus. Unsere Wege trennten sich und SV Sisiutl segelte ins nun noch 150 Seemeilen entfernte Salalah im Oman, um einen Service am Motor durchzuführen.

Mit SV Sisiutl im Schlepptau

Wir befanden uns nun etwa 100 Meilen vor dem Eingang in den Sicherheitskorridor, und begegneten nördlich von Sokotra den ersten Kriegsschiffen. Uns wurde gleich grosses Kino geboten, ein Flugzeugträger mit etwa 20 Kampfjets und einigen Helikoptern an Bord war in der Nähe, zudem noch zwei weitere Zerstörer. Nur die Menschen mit den Fahnen in der Hand in der Mitte des Flugzeugträgers fehlten, um das Bild komplett zu machen. Für unser Sicherheitsgefühl half es natürlich auch, dass die Koalition der Streitkräfte tatsächlich mit schwerem Geschütz anwesend war. Kein somalischer Pirat hätte eine Chance gegen diesen Auflauf an Kriegsmaschinerie.

Flugzeugträger in der Nähe

Auch in den folgenden Tagen wurden wir täglich von einem Flugzeug der Streitkräfte überflogen und per Funk darüber informiert, welches Kriegsschiff gerade in der Nähe ist. Nach einem weiteren Tag motorsegeln mit unangenehmen Schwell hatten wir dann endlich wieder guten achterlichen Wind, sodass wir die letzten vier Tage mit perfekten Bedingungen nach Djibouti segeln konnten. Wir waren froh um den guten Wind und dass wir somit auch mit guter Geschwindigkeit durch den Golf vorankamen. Erleichtert fuhren wir dann in den Hafen von Djibouti ein, froh darüber, den Golf von Aden ohne eine einzige heikle Begegnung mit Fischerbooten (oder eben doch Piraten?) hinter uns gelassen zu haben.

Zum Abschluss gabs nochmals einen MahiMahi
Willkommensbier in Djibouti

Djibouti selbst ist eine spezielle Mischung. Ostafrika, die Armut ist gross und die Hälfte der Einwohner lebt in Slums. Gleichzeitig haben die Franzosen, Amerikaner, Japaner und Chinesen grosse Militärstützpunkte hier. So gibt es unweit der Slums ein neues Einkaufszentrum mit grossem französischen Supermarkt, leisten können sich diesen allerdings fast ausschliesslich die Militärangehörigen. Die Preise sind allgemein extrem hoch, da alles importiert werden muss, und man fragt sich teilweise, wie es die Einheimischen schaffen hier zu überleben. Nachdem wir das Boot wieder in Schuss gebracht haben nutzten wir nach sechs Tagen das nächste gute Wetterfenster, um ins Rote Meer und in den Sudan zu segeln. Albi fliegt direkt nach Ägypten, da ein Stopp im Sudan seinen Plänen, im Herbst in die USA zu reisen, einige Steine in den Weg gelegt hätten. Nach einem Besuch im Sudan ist es schwierig, noch ein Visum für die USA zu erhalten. Für die nächsten knapp 1000 Seemeilen sind wir somit wieder zu zweit unterwegs.

Der Hafen von Djibouti
Wäscheboot
Djibouti
Auf den Strassen von Djibouti

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