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Kanal TV

Briefe von Herr Hürzeler:

Tadahhh, für alle die es verpasst haben, wir waren vor der Kamera, das Schiff, Herr und Frau Käptain und die Crew, live per Internetstream. Okay, die Auflösung war scheisse aber wer will schon genau hinschauen beim Kanal TV? Aufjedenfall war es grosses Kino, Herr Hürzeler als Käptain und Juliane als Zugpferd für zwei weitere Segelschiffe. Aber vor dem Film-Review zum “Making of”.

Das ganze entwickelte sich aus einer simplen Idee. Die Menschheit suchte seit Anfang der globalen Schifffahrt nach einer guten Abkürzung um das berüchtigte Kap Horn. Vor etwas mehr als hundert Jahren wurde sie in Form eines gigantischen Stausees und riesigen Betonschleusen in Panama von Menschenhand geschaffen. Da Herr Hürzeler Abkürzungen schon früher beim Skifahren toll fand, wollten wir uns diese nicht mehr so geheime Abkürzung anschauen. Die Ähnlichkeit zum Skifahren ist sowieso verblüffend. Zuerst steht man für das Ticket an, je nachdem an welcher Talstation man ist in Colón oder Balboa. Wenn das Schiff vermessen wurde und das Ticket in Bar bezahlt wurde (wer sich über die Preise für das Skifahren in der Schweiz beklagt soll mal ein Ticket für den Panamakanal lösen!) dann wird einem gesagt wann es per Schleuse bergaufwärts geht. Für die Kanalbehörden ist Zeit Geld also muss alles rund laufen. Hierfür wird jedem Segelboot ein Advisor zur Verfügung gestellt, der nützliche Tipps gibt und das Funken mit den Behörden übernimmt während der Kanaldurchfahrt. Zusätzlich zum Käptain und dem Advisor müssen mind. 4 Linehandler an Bord sein, die wie der Name sagt für die Leinen zuständig sind. Da der Kanal für fast 100 Jahre (bis 1999) in amerikanischer Hand war ist alles genaustens geregelt, wie lange und dick die Leinen sein müssen und wann man wo vor welcher Schleuse warten muss, die Schweizer könnten es nicht besser organisieren.

Klappe die Erste

Nach dem Besuch, ist vor dem Besuch. Malden und Annelies sind gerade erst in den Flieger gestiegen, da ist die Juliane schon wieder unterwegs mit Ziel Colón wo wir eine Woche später Eric und Tracey aus Australien erwarten, um gemeinsam durch den Panamakanal zu fahren. In dieser Woche bleibt Zeit um in Panama auf Ersatzteiljagd zu gehen und in Colón die grossen Supermärkte zu besichtigen. Sowieso ist Colón eher nicht die Stadt, in der man ins Museum geht. Die Stadt hat einen schlechten Ruf und in unseren Taxi und Busfahrten sehen wir wieso, die meisten Häuser sind kurz vor dem Zerfall und ein Grossteil der Bevölkerung lebt in schäbigen Verhältnissen. Im Internet und im Reiseführer wird davon abgeraten in der Stadt zu Fuss unterwegs zu sein und nur offizielle Taxis zu benutzen, was wir brav befolgen. Natürlich müssen wir ein paar offizielle Termine wahrnehmen und im Büro des “Harbourmasters” in Colón wünscht man sich eine Peitsche um die nervtötende Ineffizienz todzuschlagen. Nachdem wir alle nötigen Papiere hatten durften wir mit fast 2000$ in Bar zur City Bank. Für Leute die nicht so nervenstark sind wie Herr Hürzeler, keine lustige Aufgabe. Glücklicherwiese sind die Gangster schlecht informiert darüber, dass da täglich Segler mit viel Bargeld reinmaschieren. So konnten wir unbehelligt unsere Gebühren zahlen und uns wurde am gleichen Tag unser Termin für die Kanaldurchfahrt bestätigt. Zwei Tage vor der Kanaldurchfaht kamen Eric und Tracey an Bord somit hatten wir 3 Linehandler, für den Kanal braucht es aber mind. 4. Die nötigen Hände fanden wir bereits zuvor in einer Anonnce in einer Bar in Portobelo. Ein Schweizerpaar, Melanie und Christoph, wollte durch den Kanal und boten ihre Hände feil. Bevor wir loskonnten, mussten wir noch die gemieteten Panamakanal-Konformen-Leinen abholen, Essen vorbereiten und das Schiff auf Vordermann bringen. Das die Starterbatterie des Motors am Abend vor der Abfahrt ihren Dienst verweigerte machte die Situation nicht weniger stressig. Etwas nervös aber guten Mutes machten wir uns am Samstagmittag zu sechst auf den Weg, unseren Kanal Advisor abzuholen und zu den Gatun Schleusen zu motoren.

Noch ein Nachtrag zum australischen Besuch. Wer Herr Hürzeler kennt der weiss, Bundaberg Rum wird verehrt wie der FCZ und Mayonnaise und sie hatten beides im Gepäck. Der Rum hat dann später auch geholfen das Resultat einer katastrophalen Saison zu verkraften. Die Thomy Mayonnaise wurde gleich zu Kartoffelsalat verarbeitet.

Klappe die zweite

Film ab. Kurz vor der Schleuse gehen wir längseits an eine 36 Meter lange amerikanische Superyacht. Vor und Achterleine sowie Springleinen über kreuz. Auf der riesigen Segelyacht herrscht Betrieb und der Kapitän ist ziemlich gereizt (hatte wohl Angst um die paar Milliönchen, die das Schiff an Wert hat). Als wir festgemacht waren, war für uns der Job für die ersten 3 Schleusen schon fast vorbei. Wir mussten nur noch die Wurfleinen übergeben und der Rest handhabte die Crew der Superyacht. Wir konnten das Spektakel nur noch geniessen. Das Wasser sprudelte unter uns und es ging aufwärts, die Schleusentore mächtig wie die Türme von Gondor. Der Käptain unseres “Mutterschiffes” korrigierte mit dem Bugstrahlruder fleissig die Position damit wir (auf der Backbordseite war auch noch ein Katamaran) schön in der Mitte blieben. Er tat dies solange, bis das Bugstrahlruder den Geist aufgab. Ohne klappte es aber fast besser als mit und wir kamen unbeschadet durch die ersten drei Schleusen. Da es unsere erste Schleusenfahrt überhaupt war, waren wir so aufgeregt, dass wir gar keine Zeit hatten zu realisieren dass wir ja eigentlich vor der Kamera standen und unsere Aufnahmen weltweit per Webcam übertragen wurden.

Kurz vor dem Eindunkeln fiel der Anker im Gatun Lake und der Kanal Advisor wurde von einen Tug-Boot abgeholt. Danach schwimmen, essen, trinken und versuchen in der windstillen und unglaublich heissen Nacht Schlaf zu finden (was den meisten eher schlecht als recht gelang).

Klappe die dritte

Kurz nach sieben kam ein neuer Advisor an Bord und sogleich gings los. Der Kaffee war erst halb ausgetrunken, aber die Müdigkeit war schnell abgeschüttelt nachdem die Ankerwinsch “faxen” machte und die letzten Meter Ankerkette von Hand hinaufgezogen werden mussten. Die nächsten fünf Stunden motorten wir durch den schönen Gatun Lake und an uns fuhren regelmässig PanaMax Tanker vorbei. Diese Schiffe sind genau für die Grösse des Panamakanals gebaut und in der Breite haben sie in den Schleusen auf beiden Seiten nur 60 cm “spatzig”. Unglaublich. Kurz vor dem Eintreffen bei den Miraflores Schleusen gab es Spagetthi Bolognese und der Advisor war happy. Bei den Miraflores Schleusen gehts wieder abwärts Richtung Pazifik und wir mussten ca. eine Stunde warten (wie beim Sessellift). Wir wurden informiert, dass diesmal unsere Juliane in der Mitte ist und zwei etwa ein Meter kleinere Segelboote längseits kommen. Das hiess für uns wiederum, dass wir keine Leinen handhaben mussten, da dies die Boote am Rand für uns tun würden. Dafür war Herr Hürzeler etwas nervös weil er “in charge” war und die anderen zwei Boote manövrieren und die Kommandos an die Skipper geben musste. Zum Glück hatten wir die Wartezeit so das der Käpitän und Juliane Zeit hatten zu üben wie es sich manövriert mit einem Anhängsel rechts und links. Die Webcams kamen in Sicht, das erste Schleusentor öffnete sich und wir sprudelten langsam dem Pazifik entgegen. Nach der dritten Schleuse war es soweit “welcome to the Pacific” und wie! Kaum haben wir uns von unseren Schleusennachbarn losgemacht, riefen die Franzosen neben uns “Crocodile” und da schwam ein ziemlich grosses Salzwasser Krokodil am nahen Ufer entlang. Wahrscheinlich wurde es angelockt von den jungen Hirschen die am Ufer entlang rannten. Es war wirklich wie im Zoo. Somit stiessen wir alle mit einem Bier auf den Pazifik an, was für ein Empfang!

Abspann

Und jetzt liegen wir bereits seit einenhalb Wochen in Panama City vor Anker. Es wird gewerkelt und eingekauft. Wir bunkern Essen für mehrere Monate, alles was langhaltbar ist wird in riesigen Mengen gekauft, da die Preise in der Südsee deutlich höher sind als in Panama. Das Dinghydock hier ist so toll es hätte einen eigenen Brief verdient, aber kurz zusammengefasst “noch nie war an Land kommen so abenteuerlich, lustig, nass und gefährlich wie hier in Panama”.
Am Wochenende wollen wir los, Eric und Tracey kommen nochmals an Bord (sie waren auf Panama Erkundungstour hoch bis an die Grenze zu Costa Rica) und wir segeln für zwei, drei Tage zu den Las Perlas Inseln, die nur 30 Seemeilen von der Küste von Panama entfernt sind. Eric und Tracey werden mit der Fähre zurückfahren und für uns wird danach die lange Segelreise zu den Marquesas Inseln losgehen. Es ist die längste Distanz die wir bis jetzt vor uns hatten mit ca. 3700 Seemeilen, wir werden mindestens 30 Tage unterwegs sein. Ob ihr es glaubt oder nicht, wir freuen uns darauf 😉
Also macht euch keine Sorgen wenn es bis im Juli keine Blogeinträge mehr gibt und wir nicht auf Marinetraffic zusehen sind, wir sind nur am segeln, motoren, kochen, lesen, fischen und freuen uns darüber zu berichten, wenn wir in Französisch Polynesien angekommen sind.
Es grüsst aus Pi-Pa-Panama der Kapitän,
Herr Hürzeler

Leben in der Karibik

Nun sind wir also seit knapp einem Monat in der berühmten Karibik und es wird wieder mal Zeit für einen neuen Blogeintrag.

Beginnen wir mit unserer Ankunft auf Martinique. Die ersten eineinhalb Wochen lagen wir in der grossen Bucht vor Saint Anne neben Le Marin. Erster Eindruck: Hunderte und nochmals hunderte Segelboote vor Anker, das machte uns erst einmal baff. Es ist zwar bekannt, dass die Karibik als eines der beliebtesten Segelgebiete von sehr vielen Sgegelschiffen befahren wird, ganz so krass haben wir es dann aber doch nicht erwartet. Da Le Marin eine grössten Marinas in der Karibik und mit ihr jenste Geschäfte für Bootsartikel beherbergt, ist dieses Städtchen natürlich Anziehungspunkt für alle Yachten, die Zubehör, Reparaturen etc benötigen. Auch wir verbrachten die ersten Tage damit, die diversen Shipchandlers abzuklappern und die wichtigsten Besorgungen zu erledigen. Hierzu gehörten erst mal neue Batterien, da unsere alten ja bekannterweise nicht mehr viel taugten. Während der langen Dinghyfahrten von Saint Anne nach Le Marin gab dann auch unser bereits arg angeschlagenes Dinghy langsam aber sicher den Geist auf und liess immer mehr Wasser einsickern. Nach kurzem, frustriertem Besprechen war klar, dass wir nicht umhin kommen, uns ein neues Dinghy zu kaufen, was natürlich überhaupt nicht in unser eh schon überstrapaziertes Budget passte. Ja nu, gesagt, gekauft, Bier trinken, Freude am neuen Dinghy und schon kann das Budget etwas verdrängt werden.

Durch all die Besorgungen, die langen Dinghyfahrten sowie die beiden Ortschaften, die praktisch nur aus Seglern und anderen Touristen bestanden, fühlten wir uns im angeblichen Paradies jedoch irgendwie noch nicht so paradiesisch…ein kleiner „Nach-der-Atlantiküberquerung-Koller“ hat sich da wohl auch noch dazugesellt. Dadurch waren die ersten Tage auf Martinique zwar schön, aber irgendwie doch auch nicht ganz so zufriedenstellend. Zwischendurch konnte ich Herrn Hürzeler aber doch zu einem kleinen Ausflug in den Regenwald entlang der Küste überreden. Auch die Entdeckung, dass es im Supermarket 3-Liter Rum aus dem Sack gibt, zählte zu den ersten Highlights hier, da Alkohol, wie auch alle Esswaren im Supermarket, hier wieder sehr teuer ist. Nach unseren günstigen Einkäufen in Italien, Spanien und auf den Kap Verden, war auch das sehr hohe Preisniveau ein kleiner Dämpfer, auch wenn uns vorher schon bewusst war, dass die Karibik eher teuer ist. 6 Euro für ein grosses Bier in der Bar haben wir seit wir aus der Schweiz abgereist sind somit nie mehr bezahlt. Also gibts nun gemäss Sparplan nur noch Rum aus dem Sack:)

Nachdem dann auch das Hydrauliköl für unsere Steueranlage aufgefüllt wurde (da kein Reserveöl mehr im Hydrauliktank war, konnte unser Steuerrad auf den letzten Metern bevor wir nach der Atlantiküberquerung den Anker runtergelassen haben, nicht mehr bedient werden) fuhren wir nach eineinhalb Wochen weiter nach Fort-de-France, der Hauptstadt von Martinique. Hier gefiel es uns bereits einiges besser, viel weniger Schiffe in der Bucht, Ankerplatz etwa 200 Meter vom Land entfernt und eine Stadt, die lebte und nicht bloss aus Touristen bestand. Am Samstag, 12. Februar 2016 kam dann Sandra zu Besuch. Wir holten sie am Flughafen ab, was mit einem abenteuerlichen Ausflug verbunden war. Da um 18:00 keine Sammeltaxis mehr fuhren, und wir keine Lust hatten, 30 Euro für das Taxi auszugeben, beschlossen wir, mit dem Bus zum Flughafen zu fahren. Der Haken daran war bloss, dass es keinen Bus gab, der direkt zum Flughafen fuhr. Also nahmen wir denjenigen Bus, der am nächsten zum Flughafen hinfuhr und wollten von dort dann noch einen kleinen „Spaziergang“ zum Flughafen machen. Was zuerst noch ganz gut funktionierte, wurde mehr und mehr zu einem (vor allem für mich) nervenaufreibenden Spiessrutenlauf auf unbeleuchteten, stark befahrenen Landstrassen ohne Trottoir. Ich habe Blut geschwitzt! Nach einer Weile gab es dann gottundallahseidank einen Feldweg neben der Strasse und nachdem wir uns noch kurz verlaufen haben, schafften wir es dann doch noch rechtzeitig zum Flughafen, wo wir sogar noch ein Beruhigungsbier trinken konnten, bevor Sandra herauskam.

Mit ihr haben wir dann die nächsten zwei Tage Fort-de-France erkundet und sie ins Bootsleben eingeführt, was super funktionierte. Sandra konnte sogar beim ersten Versuch den Motor unseres Dinghys anwerfen, was ich bis heute nicht schaffe. Von Fort-de-France gab es dann Sandras Segelpremiere nach Anse à l’âne auf der anderen Seite der Bucht, wo wir auf die ersten 3 Seemeilen von Sandra anstossen konnten. Hier gab es einen kleinen verlassenen Strand, einen etwas grösseren, nicht so verlassenen Strand sowie einige Strandbars, wo das Bier auch nicht mehr so teuer war. Leider stieg hier unser Relaisschalter der Ankerwinsch aus, und Sandra durfte schon mal hautnah miterleben, wies im Seglerleben so zu und her geht: Ausflug mit der Fähre nach Fort-de-France, Shipchandlers abklappern, neues Teil kaufen, zurück zum Boot, merken, dass das neue Teil nicht das Richtige ist und man das richtige in Fort-de-France nicht erhält, Ausflug mit dem Sammeltaxi nach Le Marin (schon wieder hier!), Shipchandlers abklappern, bei allen ist das Teil ausverkauft, bis Andi dann einen Gedankenblitz hat, ein anderes, fast gleiches Teil gekauft wird was dann auch tatsächlich funktioniert.

Nun können wir also weiter nach Les Anses d’Arlets, wo es uns auf Martinique am Besten gefallen hat. Kleine Bucht, wunderschönes Wasser, wunderschöner Strand, und immer wieder Schildkröten, die vorbeischwimmen und ihren Kopf zum Atmen aus dem Wasser heben. Das haben wir nun wirklich nicht erwartet. Leider sind die Schildkkröten jeweils zu schnell, als dass man sie auf Fotos festhalten könnte. Hier haben wir dann auch noch unser erstes Strand-BBQ mit viel zu vielen Würsten veranstaltet. Auch zum Schnorcheln eignete sich diese Bucht super und es gab viele Fische zu bestaunen.

Von diesem Paradies aus gings dann weiter nach St. Lucia, eine Insel unter Martinique. Mit perfekten Segelbedingungen düsten wir durch den Atlantik, der uns sehr wohl gesonnen war und Sandra von grossen Wellen verschonte. Nach einem schönen Segeltag setzten wir den Anker in der Rodney Bay, die entgegen meiner Vorurteile sehr schön ist. Der Captain ging einklarieren, Sänd und ich assen erst mal etwas und tranken ein Bier. Danach gingen wir alle an Land und entschieden uns (zum Glück) mal Richtung Fischerdorf neben der Rodney Bay zu gehen. Dies entpuppte sich als Glückstreffer, praktisch nur Einheimische, verhätnismässig günstiges Bier, gute Musik, nette Leute und zum Abschluss noch ein fantastisches Chicken vom Grill. So haben wir uns die Karibik vorgestellt und auch Andi ist endlich zufrieden mit „der Karibik“. Nach zwei Tagen in Rodney Bay segelten wir dann 10 Seemeilen weiter südlich in die Marigot Bay, die zwar etwas überfüllt ist aber wunderschön. Hier ankern wir momentan mit ein paar weiteren Booten in der Einfahrt zur Bucht, wo es nicht ganz so überloffen ist. Hier haben wir uns gestern auch seit langem mal wieder herausgeputzt (Andi hatte sogar richtige Hosen an) und in der Happy Hour für meinen Geburtstag vorgetrunken. Heute gibts deshalb auch nicht mehr allzu viel Party…wir sind ja nicht mehr die Jüngsten. Am Sonntag muss Sandra uns nach zwei Wochen in der Karibik leider bereits wieder verlassen, wir werden sie in Castries (oder Castrisch, wie Andi sagt) auf die Fähre nach Martinique bringen. Mit etwas Glück gibts vielleicht ja noch einen Gastbeitrag von ihr.

Nach Sandras Abreise werden wir wohl noch zwei drei Tage auf St. Lucia bleiben, Wasser und etwas Diesel tanken, etwas Proviant einkaufen, Juliane ready machen und dann gehts ab ins knapp 500 Seemeilen entfernte Curaçao, wo am 12. März Nina und Marius zu Besuch kommen.

Blaue Wüste

Briefe von Herrn Hürzeler:

Bonjour, ça va? Da segelt Mann und Frau von Afrika in die Karibik und landet trotzdem wieder bei den Franzaken, merde. Nein, so schlimm ist es nicht, im Gegenteil, vive la France und ihr Essen! Aber Moment, Herr Hürzeler hat mal wieder den roten Faden nicht eingefädelt, Blaue Wüste, Atlantiküberquerung, Bergfest, Segelriss und Karneval. Das muss alles in den Brief aber in der richtigen Reihenfolge und eben wie im Schulaufsatz gelernt, mit dem roten Faden (grundsätzlich würde ein “blauer” Faden in den meisten Geschichten besser passen).
Das alte Jahr ging also zu Ende und das neue Jahr kam. Für uns bedeutete das langsam aber sicher weiter Richtung Westen. Für die Kapverdianer heisst das ab Januar bis zum Karneval im Februar, jeden Sonntag “Mendinga”, der Karneval vor dem richtigen Karneval oder so ähnlich. Natürlich konnten wir uns das nicht entgehen lassen und wenn auch leicht verkatert, gingen wir motiviert auf die Suche. Wir kamen nicht weit und traffen unsere CH-Bekannten, die auf ihrer Hochzeitsreise sind mit Ihrem Segelboot “Iris” Ziel: Karibik. Auch sie waren angeschlagen und frustiert wegen Bauarbeiten am Boot, also Bier kaufen und Mendinga suchen. Beim Marktplatz fanden wir dann Anschluss und tanzten (so gut es ging) mit durch die Stadt. Das ganze endete irgendwo an einer guten “Hood”-Party. Nati und Herr Hürzeler blieben bis die Musik ausging und konnten einmal mehr auf eine Security-Eskorte zählen für den Heimmarsch, da wir sozusagen durch die Langstrasse von Mindelo mussten und sich alle wahnsinnige Sorgen um uns machten. Nach dem Karneval war dann aber defintiv Schluss mit Alkohol und wir arbeiteten unsere to-dos ab, damit wir ASAP (äs suun äs possibäl) lossegeln konnten sobald der Wind stimmt. Wir waren dann auch sehr fleissig und kamen ordentlich voran, die Motivation war so gross, dass wir uns dann doch noch ein Feierabendbier verdienten. Natürlich blieb es nicht bei einem Bier, der ganze Segelertreff verirrte sich zu unserem Feierabendbier und es war ein bunter Mix und eine lustige Nacht (Dank an die Kroaten und Serben für das Privatkonzert).
Die letzten Vorbereitungen wurden getroffen, Herr Hürzeler hatte noch die Möglichkeit seine Tauchausrüstung zu testen, weil in der Ankerkette ein halber Schrottplatz hing. Voll beladen und getankt ging es dann aber am Samstag, 16. Januar los. Wunderbarer Wind und Sonne und nach nur drei Stunden unterwegs ein lauter Fluch des Käpitäns, bis er klar verständlich gemacht hatte was los war wurde es noch schlimmer. Aus einem kleinen Loch im Leichtwindsegel (wo und warum dieses Loch auftauchte ist noch Teil einer laufenden Ermittlung und kann aus taktischen Gründen nicht weiter kommentiert werden) wurde ein ganz grosser Riss von rechts nach links oder links nach rechts, aufjedenfall war das Segel futsch und die Stimmung in der Bilge. Kein Alkohl, keine Drogen, kein Boxsack, kein Handyempfang und eben kein Vorwindsegel mehr. Für alle nicht Segler, die sich jetzt denken ja klar man segelt ja auch nicht nur mit einem Segel los über den Atlantik was soll das Theater, ja das ist so, aber für das Segel bei Schwachwind vor dem Wind (also der Wind kommt von hinten und schiebt einen vorwärts) hat die Juliane leider nicht wirklich eine Alternative bzw. keine Gute, da Herr Hürzeler in Kroatien keinen Spinnakerbaum mehr montiert hat. Nochmals so ein Seglerausdruck “Genua”, genau wie die Hafenstadt in Italien, das musste uns nun über den Teich bringen und bei sehr wenig Wind müsste halt das “eiserne Segel” mithelfen.
Rückblickend kann man sagen funktionierte es recht gut. Wir hatten sonst noch ein paar Probleme mit der Windsteuerung, und dass unsere Batterien hinüber waren wussten wir schon in den Kap Verden, aber war alles halb so tragisch, kostete uns etwas mehr Diesel da der elektrische Steuermann steuern musste. Viel wichtiger war, dass wir ordentlich durchgeschaukelt wurden und immer was Leckeres zu essen hatten. Herr Hürzeler bekam Fischverbot, die Dinger halten nicht ewig im Kühlschrank und irgendwann kann und will man kein Fisch mehr essen auch wenn er super gut schmeckt.
Die Reise dauert also an und wir wussten Dank unserem smarten iPad immer wie weit wir schon gefahren sind und wie weit wir ca. noch fahren müssen um wieder festen Boden unter die Füsse und kaltes Bier in die Hände zu kriegen. Wenn man also in der Mitte der Reise über den Atlantik ist nennt man dass “Bergfest” und das darf man feiern (sogar mit Alkohol). Nati durfte eines ihrer Abschiedsgeschänkli aufmachen, die Sie mit klaren Anweisungen von ihren “best friends” erhalten hatte. Es war ein Buch über den “Darm mit Charme” (ich weiss “strange”, Herr Hürzeler hats nicht verstanden, Nathalie war begeistert). Das brettern über diese Wasserwüste war eigentlich nicht wirklich anstrengend, aber das Schaukeln (Juliane ist Weltmeisterin darin) und Schwanken mit unregelmässigem Schlaf nervt irgendwann. Dann ist man mal wieder so richtig schön genervt schaut auf die Blaue Wüste, hört vielleicht ein bisschen Bob Dylan oder Herr Hürzelers Party-Playlist und tadahh wieder nicht genervt und so wiederholt sich das ganze bis in die Karibik. Aufregend oder :)?
Nach 16 Tagen 9 Stunden 40 Minuten sind wir am Montag 1. Februar am Abend in Le Marin in Martinique eingetroffen. Der Anker ging auf Sand, das Dinghy wurde aufgepumpt und wir rauschten los zwischen den hunderten von Jachten durch, die hier vor Anker liegen, Ziel: Willkommens-Bier. Unterdessen haben wir einklariert und uns mit frischen Früchten, Gemüse und Fleisch eingedeckt. Nach fast 2 1/2 regenlosen Monaten war der erste tropische Regen eine richtig schöne Begrüssung der Karibik, Juliane hat die Süsswasserdusche dankend angenommen.
In den nächsten Tagen besorgen wir neue Batterien und kümmern uns um die Verbesserung unserer Windsteuerung. Etwas Strand und Kokonuss-Weitwurf steht auch auf dem Programm und natürlich wird Juliane rausgeputzt für Sandra, die in zwei Wochen zu Besuch kommt. Nebenbei versuchen wir nicht komplett pleite zu gehen, nicht nur die Römer spinnen auch die Franzosen haben einen Flick ab wenn man hier die Preise anschaut.
So ich habe fertig. Nein, one more thing! Wir haben heute tatsächlich einen Kebab gegessen, der war zwar mehr wie ein Gyros aber nach 5 Monaten ohne Kebabstand weit und breit war es ein Höhepunkt. Wenn Ihr also das selbe Feeling wie wir haben wollt und nicht wie Sandra ein teures Flugticket kauft, hier Herr Hürzeler’s Rat: “geht mit einem Kebab in die Masoala-Halle”, that’s Martinique (zumindest unseres Heute).
Aus Martinique grüsst der Käptain,
Herr Hürzeler

 

The final countdown

Sooo, die letzten Arbeiten sind bald erledigt und Proviant für die nächsten Wochen ist gekauft. Nach einer weiteren schönen Woche in Mindelo kanns nun endlich losgehen… ab über den Atlantik! Morgen Freitag heisst es Ausklarieren, ein letztes Mal Frischwaren einkaufen, Juliane startklar machen, Wasser und Diesel tanken und los gehts. Je nachdem, wie schnell wir Morgen alles erledigt haben, fahren wir am Freitagabend oder Samstagmorgen los, Ziel Martinique, juhuu! Wenn alles gut läuft, sollten wir in drei Wochen in Martinique anlegen und können dann (hoffentlich) Croissants und Pain au Chocolat geniessen 🙂 Bis dahin sind wir mal weg vom Fenster. Da wir ausserhalb der Funkdistanz sind und unser Satellitententelefon nicht mehr will gibts die nächsten 3 Wochen keine Blogeinträge und wir verschwinden von Marinetraffic. Euch allen eine gute (blogfreie) Zeit und Schiff ahoi!

Mindelo – Santa Luzia – Sao Nicolau

Neues Jahr, neuer Bericht…

Nachdem Herr Hürzeler bereits über unsere ersten Tage in Mindelo informiert hat, bin ich nun wieder an der Reihe.

Am 21. Dezember 2015 sind Esthi (Mami) und Silvia in Mindelo gelandet, im Gepäck viele Schweizer Leckereien wie Zweifel Paprika Chips (Juhu!!), Gruyère, Schoggi (Vielen Dank an Madlen!), Thomy Mayonese, Schoggi und sogar ein Pack Luxemburgerli hats von Silvia gegeben. Nach ein paar Tagen in Mindelo sind wir dann am 26. Dezember 2015 aufgebrochen, um noch ein paar weitere Kap Verdische Inseln zu besichtigen. Der erste Tagestrip ging nach Santa Luzia, einer komplett unbewohnten Insel mit kilometerlangem Sandstrand. Silvia und Esthi haben sich während ihrer ersten Stunden auf dem offenen Meer gut gehalten und hatten sogar das Glück, bereits nach ein paar Stunden Dutzende von Delfinen zu sehen. Immer wieder schön. Während der ersten Nacht in Santa Luzia war noch ein zweites Segelschiff in der Bucht, ab dem nächsten Morgen hatten wir dieses Paradies dann komplett für uns allein. Einfach herrlich! Nach zwei Übernachtungen gings dann weiter nach Sao Nicolau.

Erster Anlegepunkt war das kleine Dorf Preguica, hübsch in den Hügel gebaut. Dadurch, dass dieses Dorf jedoch in einer grossen, ungeschützten Bucht liegt und dies entsprechenden Schwell zur Folge hatte, war die Nacht jedoch ziemlich schwankend, was für einmal nicht am Alkoholkonsum lag (Wükli nöd!). Nach einer Nacht mit wenig und schlechtem Schlaf für alle, entschieden wir uns dann am nächsten Morgen, aufzubrechen ins etwa 15 Seemeilen entfernte Tarrafal. Die Überfahrt verlief problemlos, super Wind aus der richtigen Richtung und die Juliane lief zeitweise konstant über 8 Knoten, was für eine wunderbare Abschlussfahrt für Silvia und Esthi.

In Tarrafal, einer lebendigen Hafenstadt mit fast schon karibischem Touch, lagen wir dann zuerst auch ziemlich ruhig und Esthi und Silvia genossen das schöne Wetter noch mit einem letzten Schwumm. Gegen Abend begann es dann jedoch immer kräftiger zu Winden, Tarrafal ist bekannt für seine aus dem Nichts auftretenden Fallwinde aus den Bergen. Gegen 23 Uhr hatten wir dann bereits Böen zwischen 30 und 40 Knoten und unser Dinghy, hinten am Boot angebunden, begann schon fast zu fliegen. Da es uns jedoch zu so später Stunde zu umständlich war, Motor und Dinghy aufs Boot zu nehmen, begnügten wir uns damit, Paddel und Tank aus dem Dinghy zu nehmen und dieses etwas besser anzubinden. Und wie so oft an Bord, Faulheit wird bestraft! Nur einige Minuten später hat es unser Dinghy gekehrt, dieses lag nun kopfüber auf dem Wasser, der Motor entsprechend unter Wasser. Nun mussten wir also doch noch so schnell wie möglich alles aufs Boot hieven und festbinden. Auch der Rest der Nacht verlief nicht viel ruhiger. Durchgehend starke Windböen und mit ihnen die Angst, ob unser Anker auch wirklich hält (und wie der hält!), hielten uns für einen grossen Teil der Nacht wach. Entsprechend müde ruderten (der Motor wollte noch nicht nach dem abendlichen Bad…inzwischen läuft er aber wieder tiptop, danke Andi!) wir Esthi und Silvia am nächsten Tag mit dem Dinghy an Land und brachten sie zum Aluger in Richtung Hauptstadt der Insel, Ribeira Brava, da sie am nächsten Tag nach Sal flogen.

Wieder zurück an Bord (gerudert), beschlossen wir, dass wir nun etwas Ruhe und Erholung von unserem anstrengenden Leben benötigen und noch ein paar Tage in Tarrafal vor Anker bleiben 🙂 Die restlichen Nächte verliefen dann zum Glück auch einiges ruhiger. Hier verbrachten wir nun auch Silvester und bestaunten zusammen mit den 3500 Einwohnern das überraschend grosse und schöne Silvesterfeuerwerk und dachten daran, dass wir vor einem Jahr noch im eiskalten Kroatien gefeiert haben. Am Samstag machten dann auch wir einen Ausflug in die Hauptstadt, vor allem die einstündige Fahrt mit dem Aluger war wunderschön. Je weiter wir ins Landesinnere kamen, desto grüner wurde die Insel.

Nun heisst es am Sonntag dann mal wieder ab an die Arbeit und ein paar Dinge am Boot erledigen, bevor wir dann voraussichtlich am Montagabend zurück nach Mindelo fahren werden. Dort werden dann die letzten Vorbereitungen zur Atlantiküberquerung getroffen, auf die wir uns bereits jetzt schon riesig freuen.

Mindelo

Briefe von Herr Hürzeler:

Bon dia, Capo Verde. Heureka, wir sind in Mindelo angekommen! Afrika für Anfänger wie es so schön heisst, passt perfekt für uns. Jetzt aber von vorne, es gab ja kein Update mehr seit Lanzarote.

Die Juliane-Crew war ja mit Verstärkung von Hans unterwegs von La Linea über Lanzarote zu den Kapverdischen Inseln. Da unser Windgenerator in Brindisi schlapp gemacht hat und wir den Strom dringend brauchen, wollten wir möglichst schnell Ersatz besorgen. Leider hat das auf dem spanischen Festland nicht mehr geklappt, die nächste Möglichkeit war Lanzarote. Als wir in Playa Blanca angekommen sind und uns ins Email eingeloggt haben war schnell klar, der Windgenerator ist nicht unterwegs zu uns. Damn! Die Kommunikationspanne lag klar bei den Schweizern (genauer bei Herrn Hürzeler), der verlangte das der Windgenerator bis zum Datum XY einzutreffen habe worauf der schlaue Portugiese entschieden hat den Generator nicht zu verschicken, da er ja keine Verantwortung für TNT übernehmen kann. Also TNT, UPS und DHL checken wer verschickt wie schnell und was kostet der Spass. In die Kapverden verschicken hätte ein Vermögen gekostet, also hiess es abwarten in Lanzarote.

Wir waren mitten im Touri-Paradies, was etwas abstossend war. Zum Glück hatten wir unser Boot dabei, das genügend Arbeit bietet um ein paar Wochen zu überbrücken und so ging die Zeit bis der Generator kam schnell vorbei. Wir gingen nach Arreciffe, um Ersatzteile zu besorgen. Unser Batterie-Splitter musste ersetzt werden, die Ruderdichtung mussten wir demontieren und neben bei hat Nathalie das Bord-WC komplett auseinander gebaut (Yeah!) und in Essig eingelegt. Am Schluss hatten wir sogar noch etwas Zeit um Farbe ans Boot zu pinseln.

Als der Generator eingetroffen und montiert war hiess es endlich Leinen Los! Beim Ablegemanöver haben wir uns noch einen Kratz am Bug eingeholt, was aber die Freude über die Abreise nur kurzfristig trüben konnte. Bei viel Wind nahmen wir Kurs auf die Kapverdischen Inseln.

Beim ersten Versuch etwas warmes auf die Teller zu kriegen kam die Ernüchterung. Unser Dieselherd “seicht” Diesel, das war nicht ganz neu, aber wurde eigentlich fachmännisch behoben von Herrn Hürzeler in Lanzarote (leider hat der Fachmann nicht gut genug getestet).  Was nun; sieben bis zehn Tage kaltes Essen und keinen Kaffee oder irgendwo im Schutz der Inseln anhalten und die Misere genauer anschauen. Wir entscheiden uns für letzteres und nahmen Kurs auf Las Palmas. Am Abend nahm der Wind und Seegang dann stetig ab, so dass der Fachmann abermals den Herd auseinander schraubte. Mit etwas Logik und Glück des Verzweifelten war schnell klar, dass es nicht die Pumpe sondern lediglich die Verschraubung fehlerhaft war. Herd testen, läuft, dicht, warmer Kaffee, also abermals Kurswechsel Kap Verden.

Die nächsten Tage verliefen gemächlich, anfangs mit wenig Wind, so dass das eiserne Segel mithelfen musste. Nach einem Tag kam dann aber perfekter Segelwind aus Ost. Bei durchschnittlich 10-15 Knoten Wind segelte Juliane gemütlich im gutmütigen Atlantik.

Wenig Delfine zu Besuch dafür Kalamares und MahiMahi an der Angel. Die Zeit verging und am 6. Dezember gab es “Gritibänzä”, die Nati auf ihrer Nachtwache gezaubert hat. Die Sicht wurde immer schlechter, der Wüstensand von der West-Sahara legt bei Ost-Wind einen Schleier über das Meer. Als Ustermer (Herr Hürzeler aus Wermatswil) hatten wir ein müdes Lächeln für das bisschen Nebel solange die Sonne schien und T-Shirt Wetter herrschte.

Am frühen Morgen des elften Dezembers kam im Sandnebel Mindelo in Sicht. Nach zwei Tagen unterwegs mit Parasailor (unser Leichtwindsegel in Züri blau-weiss) starteten wir den Motor für die letzten Stunden um unsere Batterien nochmals voll zu laden. Danach hiess es Anker auf Sand einfahren. Herr Hürzeler ging mit dem Dinghy einklarieren. Dummerweise hat er seine Sandalen an Bord vergessen, so dass er unterwegs neben Marihuana auch diverse Angebote bekam, Schuhe zu kaufen. Erfolgreich einklariert, haben wir Hans ausquartiert in sein Haus in Mindelo.

In den nächsten Tagen hiess es Mindelo erkunden und Schiff aufräumen. Am letzten Sonntag hat Hans dann ein Abschiedsfest im Haus organisiert, wo Herr Hürzeler seine kapverdianische Verwandtschaft kennenlernte. Das Kennenlernen musste natürlich mit viel Punsch und Grog gefeiert werden. Spät am Abend wurden uns dann auch noch zwei Leibwächter aufgedrängt, da der Heimweg zu Fuss in der Nacht für Bleichgesichter viel zu gefährlich wäre und Herr Hürzeler sich geweigert hatte ein Taxi zunehmen. Die Logik, dass die Leute auf den Kap Verden zu wenig Geld hätten für Pistolen unterlag dem Argument, dass auch ein Messer tödlich sein kann. Wir sind auf jedenfall wohlbehalten heimgekommen und hatten unterwegs noch die Möglichkeit unsere Leibwächter auf ein, zwei Biere einzuladen.

Am Montag machten wir zusammen mit Hans und seinem Mietauto noch eine Rundreise um Sao Vicente. Die Insel ist staubtrocken, das Grundwasser, das vorhanden war, wurde solange ausgepumpt bis es sich mit dem Meerwasser mischte, so dass nur noch wenige einzelne Oasen in der Inselmitte vorhanden sind. Die Schönheit der Inseln ist schwierig zu beschreiben, der Rat von Herr Hürzeler: “am besten selber auschecken man kommt auch per Flieger hin muss nicht gleich ein Segelboot kaufen”.

In den nächsten Tagen heisst es für uns Arbeiten am Boot, Ölwechsel, neue Fugen im Cockpit, bisschen Elektroverkabelung, Verbesserung der Windsteuerung und Boot aufräumen, damit wir bereit sind für unseren nächsten Besuch. Esther (Natis Mutter) und Silvia kommen zu Besuch! Zusammen wollen wir die anderen Kapverdischen Inseln erkunden…

Von dem wunderbaren Gemüsemarkt, der Wassertemperatur und unserer Aussicht verschone ich jetzt mal alle nicht Bootsreisende.

Aus Mindelo grüsst der Kapitän,

Herr Hürzeler

 

Buenos DÌas Lanzarote

Als erstes: Ich entschuldige mich bei allen, denen ich gesagt habe, ich sei auf Fuerteventura…stimmt nicht! Ich kanns mir aber einfach nicht merken und behaupte immer wieder aufs Neue, ich sei auf Fuerteventura. Naja, ich werde halt auch immer blonder.

Wir sind also auf Lanzarote und haben hier am Samstag, 21. November 2015, in der Marina Rubicon angelegt. Unsere erste Überfahrt auf dem Atlantik haben wir ohne Probleme hinter uns gebracht. In der Strasse von Gibraltar hatten wir die ersten Stunden zwar ziemlichen Gegenstrom von bis zu 3 Knoten, da muss wohl bei unserer Berechnung was falsch gelaufen sein :). Danach hat uns der Atlantik aber als spiegelglatter, ruhiger Ozean begrüsst. Am ersten Tag hatten wir sogar noch die Ehre, über 50 Delfine anzutreffen, die alle gleichzeitig in einer Linie vor unserem Schiff gesprungen sind. Da wir in La Linea aber leider vergessen haben, unsere Fotokamera aufzuladen, gibt es hiervon jedoch, wie auch vom Rest der Überfahrt, leider keine Bilder. Die restliche Überfahrt verlief dann ziemlich ruhig, meist segelten wir mit kleiner Unterstützung vom Motor, um die gewünschte Geschwindigkeit halten zu können.

Die Marina Rubicon, um die ein ganzes Touristendorf gebaut wurde, wie auch das Dorf Playa Blanca gleich nebenan sind praktisch ausschliesslich von Touristen besiedelt, aber auch daran gewöhnt man sich nach ein paar  Tagen. Das bisherige Highlight war der Znacht beim Chinesen, all you can eat, Buffet mit super Auswahl, 9.50 Euro. Unseren Bäuchen gings nachher dementsprechend gut.

Nun sind wir noch hier bis mindestens Freitag, dann sollte unser Austausch-Windgenerator geliefert werden. Je nachdem wie schnell oder langsam dieser durch den Zoll kommt, wirds dann halt auch Montag. Danach gehts weiter in Richtung Kap Verde, wo wir sicher bis nach Weihnachten bleiben wollen und ich Besuch vom Mami bekomme (Juhu!).