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Back to Boatlife

Nach langer Zeit gibt es wieder ein Lebenszeichen von uns. Seit unserer Ankunft in Australien im Mai waren wir hauptsächlich damit beschäftigt, unser Boot wieder seetüchtig zu machen. Geplant war das so natürlich nicht 🙂 Aber der Reihe nach.

Nach 7 Monaten in der (kalten) Schweiz freuten wir uns riesig, endich wieder an Bord unserer Juliane steigen zu können. So genossen wir die ersten Stunden und Tage in der Marina Bowen denn auch in vollen Zügen und freuten uns über das Schaukeln unter uns. Es gab auch ein Paar kleinere Arbeiten zu erledigen, ein guter Grundputz war nach 7 Monaten im australischen Sommer, also der heissen Regenzeit, dringend nötig. Aber abgesehen von etwas Schimmel, der sich da und dort angesetzt hat, schien es der Juliane gut zu gehen und wir freuten uns auf baldige neue Abenteuer.

Pile Moorings Bowen – Den Kaffee gibts nun wieder auf dem Meer

Nach zwei Wochen verliessen wir Bowen in Richtung Airlie Beach. Auch wenn wir die 40 Seemeilen hauptsächlich unter Motor zurücklegten, war es ein wunderbares Gefühl, endlich wieder in See zu stechen und wir beide genossen es, wieder auf dem Meer und unter dem Sternenhimmel des Pazifiks unterwegs zu sein.

Wir stechen wieder in See

In Airlie Beach verbrachten wir dann etwa eineinhalb Wochen, zwischendurch gab es noch einen Wochenend-Ausflug nach Cid-Harbour mit Rhea, Matt und Josh, die uns an Bord besuchten.

Juliane in Airlie Beach

In der zweiten Juniwoche ging es dann nach Mackay, wo wir unseren Termin fürs Haul-Out hatten. Ein neues Antifouling war angesagt, zudem wollten wir noch unseren neuen Gasherd/-ofen einbauen. Wir planten, die Zeit auf der Werft möglichst kurz zu halten, da der Preis für einen Bootsplatz auf dem Trockenen mit 90 AUD (70 CHF) pro Tag extrem teuer war. Zudem wollten wir auch möglichst schnell wieder zurück in Wasser und auf nach Indonesien.

Ready fürs Haul-Out

Und es geht hoch…

und höher

Waterblasting – Die Juliane wird gereinigt

Aber wie es halt so oft ist mit unseren geliebten Schiffen, machen diese uns oft einen Strich durch die Rechnung. Es stellte sich heraus, dass das Unterwasser wieder in einem ziemlich schlechten Zustand war und wir wohl oder übel möglichst den ganzen Rumpf auf den blanken Stahl hinabschleifen müssen. Zum Glück hat es sich nach zwei Tagen Schleifen ergeben, dass wir den grössten Teil des Unterwassers relativ günstig Sandstrahlen lassen konnten, was uns so einiges an Schleifarbeit erspart hat.

Zurück auf dem Stahl hat sich jedoch immer mehr gezeigt, dass der Rumpf an gewissen Orten in einem viel schlechteren Zustand war als erwartet. Was sich als kleine Rostflecken bemerkbar machte, wurde nach abschleifen und hämmern zu Löchern, die durch den Rumpf gingen. Bei den ersten Schweissversuchen zeigte sich dann noch, dass der Stahl auch an Stellen, die von Aussen tadellos aussahen, nicht mehr in gutem Zustand war. Um Klarheit über das Ausmass und den Zustand des Schiffes zu erhalten, liessen wir eine Ultraschall-Messung des gesamtem Rumpfes machen. Somit wussten wir, wo der Stahl noch wie dick ist und welche Stellen mit zusätzlichen Stahlplatten verstärkt werden mussten.

Eines unserer Löcher

Zahlen vom Survey

Aufgeschweisste Platte

Das Schweissen war teils eine nervenaufreibende Angelegenheit, da wir von Innen an viele Stellen aufgrund des Innenausbaus nicht richtig herankamen. Da der Stahl jedoch auch auf der Innenseite extrem heiss wird und die Farbe teils auch leicht zu brennen begann, versuchten wir so gut es ging mit Wasserspray und nassen T-Shirts die Innenseite abzukühlen. Wir waren jedoch ziemlich froh, als das ganze Schweissen vorbei war. Danach wurden alle Schweissnähte und die neuen Platten mit Spachtelmasse bearbeitet, um das ganze zusätzlich noch etwas zu schützen sowie für eine etwas gleichmässigere Form des Rumpfes.

Nach dem Spachteln – schon wieder fast wie neu

Nach wochenlanger Arbeit (geplant waren 2 Wochen auf dem Trockenen, es wurden deren 7) konnten wir dann endlich die Antifoul-Anstriche anbringen und zurück in Wasser. Durch diese ungeplante Verzögerung kamen wir langsam ziemlich unter Zeitdruck, da unser dreimonatiges Visa für Australien am 21. Ausgust ausläuft und wir bis zu unserem Ausklarierunghafen noch eine 7-tägige Überfahrt vor uns hatten. Es hiess also Gas geben. Zurück im Wasser blieben wir noch für etwas mehr als eine Woche in der Marina in Mackay und erledigten noch die letzten Arbeiten, die notwendig waren, um lossegeln zu können. Unter anderem wurde unser neuer Gas-Herd/-ofen eingebaut, was die Lebensqualität an Bord gleich wieder auf ein neues Level hebte.

Erster Antifoul-Anstrich – Die Juliane wird blau

Back to Black und ab in den Kran – Der Name wurde auch noch neu angeklebt (Marco, falls du das liest, wir haben an dich gedacht!)

Der neue Herd sitzt.

Am 10. August fuhren wir dann los, etwas über 800 Seemeilen die Ostküste hinauf zur Torres Strait, dem nördlichsten Punkt Australiens. Für 7 Tage segelten wir durch das Great Barrier Reef, welches sich über die gesamte Strecke entlangzieht. Noch selten waren wir so dankbar für äusserst exaktes Kartenmaterial und GPS, ohne diese wäre eine solche Non-Stop-Riffdurchfahrt schlicht nicht möglich. Nun sind wir seit zwei Tagen in der Torres Strait, wir ankern vor Horn Island, gleich gegenüber von Thursday Island. Das Klima ist wieder richtig tropisch mit knapp 30 Grad am Tag und etwa 24 Grad in der Nacht, was genau unserem Geschmack entspricht. Man merkt, dass der Äquator wieder näher kommt, wir befinden uns noch auf 10 Grad Süd. Auch das Leben läuft hier oben wieder etwas gemächlicher ab, und wir geniessen dieses Inselleben. Der einzige Wehrmutstropfen ist, dass aufgrund der vielen Salzwasserkrokodile, die es hier gibt, überall davon abgeraten wird, im Meer zu baden. Sobald wir in Indonesien sind, wird sich dies aber auch wieder ändern.

Eines der vielen Cargoschiffe, die uns begegneten

Sonnenuntergang vor Hinchinbrook Island

Endlich wieder frischer Fisch – Spanische Makrele

Blick auf Thursday Island

Am Dienstag, 21. August, brechen wir dann auf nach Indonesien. Wir kosten unser Visa also bis zum letzten Tag aus 🙂

Wir steuern als erstes die Stadt Tual auf den Kai-Inseln an. Von dort hangeln wir uns dann weiter durch einige der über 16’000 Inseln, die zu Indonesien gehören.

Haul out time

Wir melden uns zurück aus Neuseeland, ausnahmsweise steht die Juliane nun an Land. In den letzten Wochen haben wir noch einige Arbeiten erledigt, am Motor sowie am hydraulischen Steuersystem einen Service durchgeführt. Dazwischen gabs noch einen Ausflug auf die Insel Urupukapuka. Mit all diesen Ortsnamen hier fühlt man sich manchmal wie Pipi Langstrumpf.

Nun stehen wir seit eineinhalb Wochen auf dem Trockenen. Da unser Unterwasser in schlechterem Zustand als erwartet war, musste zuerst ein grosser Teil runtergeschliffen werden, bevor wir mit dem Aufbau der Farbe beginnen konnten. Nun ist aber alles erledigt und die Juliane strahlt schon fast wieder im alten Glanz. Am Mittwochmorgen geht’s zurück ins Wasser, bis dahin putzen wir unser liebes Schiff noch ein bisschen und geniessen die Vorzüge von fliessend Wasser und Strom an Land– wir können unsere elektrische Heizung laufen lassen 🙂

Mit dem nächsten guten Wetterfenster geht’s dann endlich zurück in die Tropen nach Vanuatu. Von dort werden wir dann hoffentlich auch wieder von spannenderem als Bootsarbeiten berichten können. Wir melden uns wieder aus den Tropen und wünschen bis dahin einen schönen Schweizer Frühling.

 

Make Juliane Great Again – Oder neuseeländische Härteprüfung

So, wir melden uns endlich mal wieder aus Neuseeland. Die Zeit seit unserer Ankunft verging wie im Fluge, und unerwartete „Bootsprojekte“ haben uns voll und ganz in Anspruch genommen. Aber der Reihe nach.

Nach ersten regnerischen Tagen in Neuseeland hat sich das Wetter doch meist gnädig mit uns gezeigt, die Sonne schien oft und schaffte es im Verlaufe des Tages auch meistens, die kühle Luft aus der Antarktis aufzuwärmen, sodass wir mehrheitlich doch wieder in T-Shirt und FlipFlops leben können. In der Nacht fallen die Temperaturen jedoch weiterhin auf 12 bis 15 Grad Celsius. Ja, wir wissen es, mit dem Schweizer Winter können wir nicht mithalten. Für uns fühlen sich diese Temperaturen jedoch immer noch ziemlich kalt an.

Bevor die grosse Arbeit am Boot begann, schafften wir es doch noch ein paar mal, die Umgebung auf den vielen Wanderwegen zu erkunden. Und dank unserem netten Bootsnachbar Patrick, dessen Auto wir jeweils ausleihen dürfen, haben wir auch schon einige Einkaufs- und Besichtigungstouren nach Whangarei (wo wir ein super Thai Restaurant entdeckt haben) und Kerikeri unternommen.

Kurz vor Weihnachten begannen wir dann so richtig an unserer Juliane zu arbeiten. Zuerst wurde der vordere Teil des Aufbaus neu gestrichen sowie alle Fenster neu eingeklebt – diese waren vorher nicht mehr dicht. Soweit alles gut. Nach Weihnachten wollten wir dann auch den hinteren Teil des Aufbaus neu Streichen. Da dieser jedoch noch mit alter einkomponenten Farbe gestrichen war, und wir auf zweikomponenten Farbe wechseln wollten, musste zuerst die ganze alte Farbe abgeschliffen werden. Als wir dann auf dem Holz waren, zeigte sich, dass einige Teile des Aufbaus komplett morsch waren, da über Jahre hinweg immer wieder Wasser hinein gelangte. Nach einer Weile wurde uns klar, dass wir wohl oder übel ganze Teile des Aufbaus austauschen müssen. Hierfür musste erst mal das morsche Holz raus, dann die Stahlverstrebungen darunter vom Rost befreit und gestrichen werden. Problematischer als erwartet stellte sich das finden von neuem Holz heraus, die grösste Holzfirma Neuseelands hatte dazu noch Weihnachtsferien bis in die zweite Januarwoche. Nachdem wir das Holz dann besorgen konnten, mussten anhand von Mustern die neuen Platten zugeschnitten und geleimt werden, hierfür hatten wir grossartige Hilfe von Pedro, von Beruf Bootsbauer und momentan auch auf Reisen in Neuseeland. Ohne seine Hilfe und Ratschläge wären wir teils komplett überfordert gewesen. Nachdem die neuen Platten dann noch mit Epoxy eingestrichen worden sind, konnten wir diese, nach einen Monat mit Löchern im Boot, endlich wieder einkleben und –schrauben. Nach und nach machte das Boot nun wieder Fortschritte, der Aufbau wurde gestrichen, und seit ein paar Tagen sind endlich auch wieder die letzten beiden Fenster drin. Wir sind soweit wieder dicht! Was hier nun so kurz zusammengefasst und beschrieben wird, war unsere bisher grösste Härteprüfung. Was als Projekt von einer Woche begann, endete mit über eineinhalb Monaten Arbeit, Schweiss und teils auch Tränen. Zum ersten mal kamen wir beide zwischendurch an einen Punkt, an dem wir das Boot am liebsten verlassen hätten. Zum Glück hielten diese Momente nie lange an und wir wechselten uns meist ab mit unseren Krisen, sodass wir uns gegenseitig wieder aufbauen konnten. Jetzt ist die Welt wieder in Ordnung und es stehen nur noch ein paar kleinere Detailarbeiten an und dann ist das Projekt Aufbau endlich abgeschlossen. Es lebt sich aber schon jetzt wieder viel viel besser an Bord, man lernt es zu schätzten, wenn keine Löcher im Boot sind.

Vor zwei Wochen machten wir einen kleinen Arbeitspause- Ausflug mit dem Boot zur Roberton Island, eine von vielen Inseln in der Bay of Islands. Zum ersten mal seit wir Ende November in Opua den Anker eingefahren haben, wurde unsere liebe Juliane wieder bewegt. Sie genoss es sichtlich, wir natürlich auch! Es tat gut, mal etwas anderes zu sehen, und ich wagte mich sogar in Wasser. Dieses war allerdings immer noch ziemlich kühl, sodass ich es kaum länger als einige Sekunden aushielt. Aber immerhin, mein erstes Bad im Meer, seit wir in Neuseeland sind.

Nun werden wir die Juliane wieder segelfertig machen und hoffen, in den nächsten Wochen etwas ausgiebiger in der Bay of Islands umhersegeln zu können. Abgesehen davon, steht weiterhin noch einiges an Arbeit an. Wir möchten das Boot, wenn wir Anfangs Mai nach Vanuatu aufbrechen, in einem möglichst guten Zustand haben, sodass wir dann, hoffentlich, nicht mehr allzu viel Arbeit haben, bis wir im nächsten Sommer bereits wieder im Mittelmeer sein werden. Jetzt freuen wir uns aber erst mal, im Mai wieder zurück in die Tropen zu gehen.

 

 

Letzte Tage in Curaçao

Seit unsere Gäste von Bord gegangen sind (wir vermissen euch also schon ein Bisschen!), haben wir die liebe Juliane noch etwas gepflegt und bearbeitet. Das Cockpit wurde dreimal geschliffen und lackiert, dem noch immer nicht perfekt funktionierenden Ofen wertvolle Arbeitsstunden gewidmet, für unseren Motor gabs endlich neue Kühlflüssigkeit, die Ankerwinsch wurde repariert, Wäsche gewaschen, die Batterien mit neuem Wasser versorgt und zu guter letzt schlugen wir uns noch mit einer nicht mehr funktionierenden elektrischen und einer manuellen Bilgenpumpe rum. Zumindest die manuelle Pumpe läuft wieder.

Leider müssen wir noch immer ohne funktionierenden Dinghymotor auskommen. Ein Problem, das erst auf den San Blas Inseln mit Hilfe des neuen Vergasers gelöst werden wird…hoffentlich! Bis dahin rudern wir, oder vor allem Andi, fleissig an Land und zurück. So werden wir auch wieder etwas vom angesetzten Speck los 🙂

Morgen Dienstag werden wir uns nochmals mit frischem Gemüse, Obst und Fleisch (Haben wir das extrem billige venezoelanische Rindfleisch schon erwähnt?) verproviantieren und dann in Willemstad ausklarienen, damit wir am Mittwoch losfahren können in Richtung San Blas Inseln. Dort wird es dann vorerst nichts mehr von uns zu hören oder lesen geben, da es auf diesen nur von Ureinwohnern bewohnten Inseln praktisch kein Internet gibt, zumindest kein gut funktionierendes. Wir freuen uns sehr auf die über 350 Inseln vor der Küste Panamas und auch darüber, der doch sehr touristischen Karibik den Rücken, oder besser gesagt das Heck, kehren zu können. Zudem freuen wir uns auf den Besuch von Madlen (Andis Muetti) und Annelies auf den San Blas Inseln. Unterwegs werden wir hoffentlich auch unseren neu reparierten Parasailor testen können, der uns ja zu Beginn der Atlantiküberquerung zerrissen ist.

Das wärs soweit von uns, wir melden uns voraussichtlich erst Mitte Mai wieder aus Colon, wo wir auf unsere Durchfahrt durch den Panamakanal warten werden.

Liebe Grüsse und bis bald!

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