Category Archives: Cabo Verde

The final countdown

Sooo, die letzten Arbeiten sind bald erledigt und Proviant für die nächsten Wochen ist gekauft. Nach einer weiteren schönen Woche in Mindelo kanns nun endlich losgehen… ab über den Atlantik! Morgen Freitag heisst es Ausklarieren, ein letztes Mal Frischwaren einkaufen, Juliane startklar machen, Wasser und Diesel tanken und los gehts. Je nachdem, wie schnell wir Morgen alles erledigt haben, fahren wir am Freitagabend oder Samstagmorgen los, Ziel Martinique, juhuu! Wenn alles gut läuft, sollten wir in drei Wochen in Martinique anlegen und können dann (hoffentlich) Croissants und Pain au Chocolat geniessen 🙂 Bis dahin sind wir mal weg vom Fenster. Da wir ausserhalb der Funkdistanz sind und unser Satellitententelefon nicht mehr will gibts die nächsten 3 Wochen keine Blogeinträge und wir verschwinden von Marinetraffic. Euch allen eine gute (blogfreie) Zeit und Schiff ahoi!

Mindelo – Santa Luzia – Sao Nicolau

Neues Jahr, neuer Bericht…

Nachdem Herr Hürzeler bereits über unsere ersten Tage in Mindelo informiert hat, bin ich nun wieder an der Reihe.

Am 21. Dezember 2015 sind Esthi (Mami) und Silvia in Mindelo gelandet, im Gepäck viele Schweizer Leckereien wie Zweifel Paprika Chips (Juhu!!), Gruyère, Schoggi (Vielen Dank an Madlen!), Thomy Mayonese, Schoggi und sogar ein Pack Luxemburgerli hats von Silvia gegeben. Nach ein paar Tagen in Mindelo sind wir dann am 26. Dezember 2015 aufgebrochen, um noch ein paar weitere Kap Verdische Inseln zu besichtigen. Der erste Tagestrip ging nach Santa Luzia, einer komplett unbewohnten Insel mit kilometerlangem Sandstrand. Silvia und Esthi haben sich während ihrer ersten Stunden auf dem offenen Meer gut gehalten und hatten sogar das Glück, bereits nach ein paar Stunden Dutzende von Delfinen zu sehen. Immer wieder schön. Während der ersten Nacht in Santa Luzia war noch ein zweites Segelschiff in der Bucht, ab dem nächsten Morgen hatten wir dieses Paradies dann komplett für uns allein. Einfach herrlich! Nach zwei Übernachtungen gings dann weiter nach Sao Nicolau.

Erster Anlegepunkt war das kleine Dorf Preguica, hübsch in den Hügel gebaut. Dadurch, dass dieses Dorf jedoch in einer grossen, ungeschützten Bucht liegt und dies entsprechenden Schwell zur Folge hatte, war die Nacht jedoch ziemlich schwankend, was für einmal nicht am Alkoholkonsum lag (Wükli nöd!). Nach einer Nacht mit wenig und schlechtem Schlaf für alle, entschieden wir uns dann am nächsten Morgen, aufzubrechen ins etwa 15 Seemeilen entfernte Tarrafal. Die Überfahrt verlief problemlos, super Wind aus der richtigen Richtung und die Juliane lief zeitweise konstant über 8 Knoten, was für eine wunderbare Abschlussfahrt für Silvia und Esthi.

In Tarrafal, einer lebendigen Hafenstadt mit fast schon karibischem Touch, lagen wir dann zuerst auch ziemlich ruhig und Esthi und Silvia genossen das schöne Wetter noch mit einem letzten Schwumm. Gegen Abend begann es dann jedoch immer kräftiger zu Winden, Tarrafal ist bekannt für seine aus dem Nichts auftretenden Fallwinde aus den Bergen. Gegen 23 Uhr hatten wir dann bereits Böen zwischen 30 und 40 Knoten und unser Dinghy, hinten am Boot angebunden, begann schon fast zu fliegen. Da es uns jedoch zu so später Stunde zu umständlich war, Motor und Dinghy aufs Boot zu nehmen, begnügten wir uns damit, Paddel und Tank aus dem Dinghy zu nehmen und dieses etwas besser anzubinden. Und wie so oft an Bord, Faulheit wird bestraft! Nur einige Minuten später hat es unser Dinghy gekehrt, dieses lag nun kopfüber auf dem Wasser, der Motor entsprechend unter Wasser. Nun mussten wir also doch noch so schnell wie möglich alles aufs Boot hieven und festbinden. Auch der Rest der Nacht verlief nicht viel ruhiger. Durchgehend starke Windböen und mit ihnen die Angst, ob unser Anker auch wirklich hält (und wie der hält!), hielten uns für einen grossen Teil der Nacht wach. Entsprechend müde ruderten (der Motor wollte noch nicht nach dem abendlichen Bad…inzwischen läuft er aber wieder tiptop, danke Andi!) wir Esthi und Silvia am nächsten Tag mit dem Dinghy an Land und brachten sie zum Aluger in Richtung Hauptstadt der Insel, Ribeira Brava, da sie am nächsten Tag nach Sal flogen.

Wieder zurück an Bord (gerudert), beschlossen wir, dass wir nun etwas Ruhe und Erholung von unserem anstrengenden Leben benötigen und noch ein paar Tage in Tarrafal vor Anker bleiben 🙂 Die restlichen Nächte verliefen dann zum Glück auch einiges ruhiger. Hier verbrachten wir nun auch Silvester und bestaunten zusammen mit den 3500 Einwohnern das überraschend grosse und schöne Silvesterfeuerwerk und dachten daran, dass wir vor einem Jahr noch im eiskalten Kroatien gefeiert haben. Am Samstag machten dann auch wir einen Ausflug in die Hauptstadt, vor allem die einstündige Fahrt mit dem Aluger war wunderschön. Je weiter wir ins Landesinnere kamen, desto grüner wurde die Insel.

Nun heisst es am Sonntag dann mal wieder ab an die Arbeit und ein paar Dinge am Boot erledigen, bevor wir dann voraussichtlich am Montagabend zurück nach Mindelo fahren werden. Dort werden dann die letzten Vorbereitungen zur Atlantiküberquerung getroffen, auf die wir uns bereits jetzt schon riesig freuen.

Mindelo

Briefe von Herr Hürzeler:

Bon dia, Capo Verde. Heureka, wir sind in Mindelo angekommen! Afrika für Anfänger wie es so schön heisst, passt perfekt für uns. Jetzt aber von vorne, es gab ja kein Update mehr seit Lanzarote.

Die Juliane-Crew war ja mit Verstärkung von Hans unterwegs von La Linea über Lanzarote zu den Kapverdischen Inseln. Da unser Windgenerator in Brindisi schlapp gemacht hat und wir den Strom dringend brauchen, wollten wir möglichst schnell Ersatz besorgen. Leider hat das auf dem spanischen Festland nicht mehr geklappt, die nächste Möglichkeit war Lanzarote. Als wir in Playa Blanca angekommen sind und uns ins Email eingeloggt haben war schnell klar, der Windgenerator ist nicht unterwegs zu uns. Damn! Die Kommunikationspanne lag klar bei den Schweizern (genauer bei Herrn Hürzeler), der verlangte das der Windgenerator bis zum Datum XY einzutreffen habe worauf der schlaue Portugiese entschieden hat den Generator nicht zu verschicken, da er ja keine Verantwortung für TNT übernehmen kann. Also TNT, UPS und DHL checken wer verschickt wie schnell und was kostet der Spass. In die Kapverden verschicken hätte ein Vermögen gekostet, also hiess es abwarten in Lanzarote.

Wir waren mitten im Touri-Paradies, was etwas abstossend war. Zum Glück hatten wir unser Boot dabei, das genügend Arbeit bietet um ein paar Wochen zu überbrücken und so ging die Zeit bis der Generator kam schnell vorbei. Wir gingen nach Arreciffe, um Ersatzteile zu besorgen. Unser Batterie-Splitter musste ersetzt werden, die Ruderdichtung mussten wir demontieren und neben bei hat Nathalie das Bord-WC komplett auseinander gebaut (Yeah!) und in Essig eingelegt. Am Schluss hatten wir sogar noch etwas Zeit um Farbe ans Boot zu pinseln.

Als der Generator eingetroffen und montiert war hiess es endlich Leinen Los! Beim Ablegemanöver haben wir uns noch einen Kratz am Bug eingeholt, was aber die Freude über die Abreise nur kurzfristig trüben konnte. Bei viel Wind nahmen wir Kurs auf die Kapverdischen Inseln.

Beim ersten Versuch etwas warmes auf die Teller zu kriegen kam die Ernüchterung. Unser Dieselherd “seicht” Diesel, das war nicht ganz neu, aber wurde eigentlich fachmännisch behoben von Herrn Hürzeler in Lanzarote (leider hat der Fachmann nicht gut genug getestet).  Was nun; sieben bis zehn Tage kaltes Essen und keinen Kaffee oder irgendwo im Schutz der Inseln anhalten und die Misere genauer anschauen. Wir entscheiden uns für letzteres und nahmen Kurs auf Las Palmas. Am Abend nahm der Wind und Seegang dann stetig ab, so dass der Fachmann abermals den Herd auseinander schraubte. Mit etwas Logik und Glück des Verzweifelten war schnell klar, dass es nicht die Pumpe sondern lediglich die Verschraubung fehlerhaft war. Herd testen, läuft, dicht, warmer Kaffee, also abermals Kurswechsel Kap Verden.

Die nächsten Tage verliefen gemächlich, anfangs mit wenig Wind, so dass das eiserne Segel mithelfen musste. Nach einem Tag kam dann aber perfekter Segelwind aus Ost. Bei durchschnittlich 10-15 Knoten Wind segelte Juliane gemütlich im gutmütigen Atlantik.

Wenig Delfine zu Besuch dafür Kalamares und MahiMahi an der Angel. Die Zeit verging und am 6. Dezember gab es “Gritibänzä”, die Nati auf ihrer Nachtwache gezaubert hat. Die Sicht wurde immer schlechter, der Wüstensand von der West-Sahara legt bei Ost-Wind einen Schleier über das Meer. Als Ustermer (Herr Hürzeler aus Wermatswil) hatten wir ein müdes Lächeln für das bisschen Nebel solange die Sonne schien und T-Shirt Wetter herrschte.

Am frühen Morgen des elften Dezembers kam im Sandnebel Mindelo in Sicht. Nach zwei Tagen unterwegs mit Parasailor (unser Leichtwindsegel in Züri blau-weiss) starteten wir den Motor für die letzten Stunden um unsere Batterien nochmals voll zu laden. Danach hiess es Anker auf Sand einfahren. Herr Hürzeler ging mit dem Dinghy einklarieren. Dummerweise hat er seine Sandalen an Bord vergessen, so dass er unterwegs neben Marihuana auch diverse Angebote bekam, Schuhe zu kaufen. Erfolgreich einklariert, haben wir Hans ausquartiert in sein Haus in Mindelo.

In den nächsten Tagen hiess es Mindelo erkunden und Schiff aufräumen. Am letzten Sonntag hat Hans dann ein Abschiedsfest im Haus organisiert, wo Herr Hürzeler seine kapverdianische Verwandtschaft kennenlernte. Das Kennenlernen musste natürlich mit viel Punsch und Grog gefeiert werden. Spät am Abend wurden uns dann auch noch zwei Leibwächter aufgedrängt, da der Heimweg zu Fuss in der Nacht für Bleichgesichter viel zu gefährlich wäre und Herr Hürzeler sich geweigert hatte ein Taxi zunehmen. Die Logik, dass die Leute auf den Kap Verden zu wenig Geld hätten für Pistolen unterlag dem Argument, dass auch ein Messer tödlich sein kann. Wir sind auf jedenfall wohlbehalten heimgekommen und hatten unterwegs noch die Möglichkeit unsere Leibwächter auf ein, zwei Biere einzuladen.

Am Montag machten wir zusammen mit Hans und seinem Mietauto noch eine Rundreise um Sao Vicente. Die Insel ist staubtrocken, das Grundwasser, das vorhanden war, wurde solange ausgepumpt bis es sich mit dem Meerwasser mischte, so dass nur noch wenige einzelne Oasen in der Inselmitte vorhanden sind. Die Schönheit der Inseln ist schwierig zu beschreiben, der Rat von Herr Hürzeler: “am besten selber auschecken man kommt auch per Flieger hin muss nicht gleich ein Segelboot kaufen”.

In den nächsten Tagen heisst es für uns Arbeiten am Boot, Ölwechsel, neue Fugen im Cockpit, bisschen Elektroverkabelung, Verbesserung der Windsteuerung und Boot aufräumen, damit wir bereit sind für unseren nächsten Besuch. Esther (Natis Mutter) und Silvia kommen zu Besuch! Zusammen wollen wir die anderen Kapverdischen Inseln erkunden…

Von dem wunderbaren Gemüsemarkt, der Wassertemperatur und unserer Aussicht verschone ich jetzt mal alle nicht Bootsreisende.

Aus Mindelo grüsst der Kapitän,

Herr Hürzeler