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San Blas Islands oder Willkommen im Paradies

Die Überfahrt zu den San Blas Inseln verlief ohne weiteren Zwischenfälle, abgesehen davon, dass wir endlich wieder von Delfinen besucht wurden und Andi den ersten Thunfisch gefangen hat. Ansonsten genossen wir die Tage auf dem Meer, auch wenn ich zwischendurch aufgrund der sich mal wieder in Ekstase rollenden Juliane das erste Mal seit Sardinien zu einer Tablette Stugeron (gegen Seekrankheit) gegriffen habe und danach fast 24 Stunden durchgeschlafen habe. Es hat sich also erneut bewahrtheitet, dass Stugeron auch sehr gut als Schlafmittel eingesetzt werden könnte. Zumindest war nach dem langen Schlaf auch der flaue Magen kuriert.

Nach sechs Tagen auf hoher See erreichten wir die San Blas Inseln, oder Kuna Yala, wie die Einheimischen ihr Gebiet nennen. Wir ankerten vor El Provenir und obwohl der Himmel sehr bedeckt war stiess ich erste Laute des Entzückens aus. Ich ahnte da bereits, was sich in den folgenden Wochen bewahrheitete: Viel paradiesischer kann man sich das Paradies gar nicht vorstellen und jede besuchte Insel ist wieder schöner als es die vorherige bereits war. Aber der Reihe nach. In El Provenir mussten wir erst einmal offiziell in Panama und zusätzlich beim Congresso der Kunas einklarieren. Trotz der Sprachschwierigkeiten, die Kunas sprechen kein Englisch und wir nur sehr schlecht spanisch (inzwischen schlagen wir uns jedoch schon ziemlich gut durch), verläuft das Einklarieren problemlos, und auch die sonst teils weiten Wege zwischen Immigration und Zoll fallen weg, wir können im kleinen Haus jeweils ein Zimmer weiter gehen. Ein teurer Spass ist das ganze jedoch, zum Glück waren wir darauf bereits vorbereitet. 190 Dollar für die Bewilligung, die Gewässer Panams für ein Jahr zu befahren (kürzere Permits gibt es leider nicht mehr), 105 Dollar pro Person für das Visum sowie 20 Dollar pro Boot und nochmals pro Person als Gebühr, das Gebiet der Kuna Yalas für einen Monat befahren zu dürfen. Auch das Paradies hat also seinen Preis.

Die Kunas sind die indianischen Ureinwohner, die auf den San Blas Inseln und einem Abschnitt auf dem Festland leben, Kuna Yala genannt. Offiziell gehört das Gebiet zwar zu Panama, die Kunas sind jedoch weitgehend unabhängig. Jede bewohnte Insel hat ihre eigenen politischen Füherer, den Congresso. Auch sonst leben die Kunas weitgehend unabhängig, die meisten Inseln haben keinen oder nur sehr spärlich Strom, die Frauen kleiden sich in den traditionellen Molas, Ausländern ist es verboten, in Kuna Yala Land zu erwerben oder zu investieren. Mit diesen und anderen Massnahmen haben es die Kunas geschafft, ihre traditionelle Lebensweise mehr oder weinger aufrecht zu erhalten, auch wenn natürlich gewisse Einflüsse der moderneren Welt zu spüren sind. Sie haben es jedoch, zumindest bis jetzt, geschafft, die Schönheit und Unberührtheit Ihrer Inseln zu bewahren und diese nicht dem Massentourismus zu opfern. Soweit mein Exkurs, für weitere Informationen kann gerne Wikipedia konsultiert werden.

In den ersten Tagen blieben wir vor El Porvenir vor Anker, erkundeten die Insel, was einem Rundgang von zehn Minuten entspricht, und beschnorchelten ein erstes Mal die Gewässer. Am Sonntag erreichten dann Madlen und Annelies unser Boot, und gemeinsam mit ihnen erkundeten wir dann weitere Inseln. Von El Porvenir aus gings zu den Lemmon Cays, gefolgt von den eastern Lemmon Cays, den Cayos Holandese (wo wir dann auch unsere ersten Erfahrungen mit Auflaufen auf Sand machten) und den Coco Banderos. Das Navigieren erfordert teilweise volle Aufmerksamkeit, da die Inseln von Riffen umgeben sind und es oft nur enge Durchfahrtswege gibt. Es lohnt sich aber in jedem Falle, die Schönheit der Inseln und die Diversität der spannenden Unterwasserwelt mit Riffen und vielen Fischen begeistern uns alle immer wieder aufs neue. Die meisten der Inseln sind unbewohnt und es kommen nur ab und zu einige Fischer vorbei,um ihren Fang (sehr günstig) zu verkaufen. Somit kommt bei uns immer mal wieder frischer Fisch auf den Teller, einmal gab es gar eine Languste (meine Premiere!). Nach einer Woche einsamem Inselleben fuhren wir dann nach Nargana, eine bewohnte Insel deren Einwohner sich vom traditionellen Kuna-Leben abgewendet haben. Von hier aus unternahmen wir mit unserem Kuna-Guide Federico eine Tour durch den Rio Diablo und den angrenzenden Regenwald, am Abend wurden wir von Madlen und Annelies zum sehr feinen Znacht (und dazu noch sehr günstig, dafür mit anfänglich ohrenbetäubender Musik) in einem Kuna-Restaurant eingeladen. Nach diesem Abstecher in ein kleines bisschen Zivilisation verbrachten wir nochmals knapp eine Woche auf weiteren Inseln, wir besuchten noch die Green Island sowie die Insel Achudup der Naguargandup Cays. Die Bilder sprechen wohl am Besten für sich, diese wunderschöne Gegend lässt sich gar nicht richtig in Worte fassen.

Nach zwei Wochen Inselhopping verliessen wir die San Blas Inseln und somit das Gebiet der Kuna Yala und bewegten uns langsam die panamaische Küste hinauf. Nach einem kurzen Stop in der Turtle Cay Marina, um (gratis!) Wasser zu tanken und einige Minuten Wlan schnuppern zu dürfen, verbrachten wir die nächste Nacht vor der Isla Grande. Von dort aus ging es ins knapp eine Stunde entfernte Puerto Lindo, dann nach Puerto Belo, einst von Kolumbus entdeckt, wo wir uns nun befinden.

Morgen gehts dann weiter nach Colon, der Stadt auf der Atlantikseite des Panamakanals. Von dort aus verabschieden wir uns dann am Freitag von Madlen und Annelies und stürzen uns in den Papierkrieg, um einen Termin für die Durchfahrt des Panamakanals zu erhalten. Zudem müssen noch einige Bootsgeschäfte erledigt werden, unter anderem muss der Aussernborder in den Service (Ach ja, der läuft noch immer nicht…auf den San Blas Inseln war das Land zum Glück immer in guter Schwimmdistanz). Nun freuen wir uns aber erst einmal, nach einem Monat Abstinenz, wieder in der Zivilisation des Internets angekommen zu sein und auf die grossen Supermärkte in Colon!

 

Letzte Tage in Curaçao

Seit unsere Gäste von Bord gegangen sind (wir vermissen euch also schon ein Bisschen!), haben wir die liebe Juliane noch etwas gepflegt und bearbeitet. Das Cockpit wurde dreimal geschliffen und lackiert, dem noch immer nicht perfekt funktionierenden Ofen wertvolle Arbeitsstunden gewidmet, für unseren Motor gabs endlich neue Kühlflüssigkeit, die Ankerwinsch wurde repariert, Wäsche gewaschen, die Batterien mit neuem Wasser versorgt und zu guter letzt schlugen wir uns noch mit einer nicht mehr funktionierenden elektrischen und einer manuellen Bilgenpumpe rum. Zumindest die manuelle Pumpe läuft wieder.

Leider müssen wir noch immer ohne funktionierenden Dinghymotor auskommen. Ein Problem, das erst auf den San Blas Inseln mit Hilfe des neuen Vergasers gelöst werden wird…hoffentlich! Bis dahin rudern wir, oder vor allem Andi, fleissig an Land und zurück. So werden wir auch wieder etwas vom angesetzten Speck los 🙂

Morgen Dienstag werden wir uns nochmals mit frischem Gemüse, Obst und Fleisch (Haben wir das extrem billige venezoelanische Rindfleisch schon erwähnt?) verproviantieren und dann in Willemstad ausklarienen, damit wir am Mittwoch losfahren können in Richtung San Blas Inseln. Dort wird es dann vorerst nichts mehr von uns zu hören oder lesen geben, da es auf diesen nur von Ureinwohnern bewohnten Inseln praktisch kein Internet gibt, zumindest kein gut funktionierendes. Wir freuen uns sehr auf die über 350 Inseln vor der Küste Panamas und auch darüber, der doch sehr touristischen Karibik den Rücken, oder besser gesagt das Heck, kehren zu können. Zudem freuen wir uns auf den Besuch von Madlen (Andis Muetti) und Annelies auf den San Blas Inseln. Unterwegs werden wir hoffentlich auch unseren neu reparierten Parasailor testen können, der uns ja zu Beginn der Atlantiküberquerung zerrissen ist.

Das wärs soweit von uns, wir melden uns voraussichtlich erst Mitte Mai wieder aus Colon, wo wir auf unsere Durchfahrt durch den Panamakanal warten werden.

Liebe Grüsse und bis bald!

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Landratten an Bord

Ein Gastbeitrag von Nina Ruchti und Marius Gartmann

12.03.2016, Internationaler Flughafen, Curaçao

Und dann standen sie da. Etwas braungebrannter als wir sie im letzten Sommer in der Schweiz verabschiedet hatten, aber ansonsten immer noch die gleichen. Nur haben Andis Badehosen wahrscheinlich auch schon bessere Zeiten gesehen .

Nach einem erstaunlich kurzweiligen Flug via Düsseldorf nach Willemstad, was eher der Vorfreude auf die kommenden Tage als dem knorrigen Charme der ostdeutschen Stewardessen im Flieger geschuldet war, holten uns Nathi und Andi gutgelaunt am Flughafen ab. Beim anschliessenden Bustransfer zur in der Bucht Spanish Waters liegenden Juliane wurde uns auch gleich eine erste Lektion in karibischer Entschleunigung verpasst, dauerte doch die Fahrt in unterschiedlichen Modellen älterer Bauart etwa gleich lange wie die Strecke Zürich – Düsseldorf per Flieger ein paar Stunden zuvor. Nach einer kurzen Dinghyfahrt – es sollte eine der letzten ohne Zwischenfälle gewesen sein –  kamen wir unbeschadet aber doch recht müde an Bord der SY Juliane an. Es folgte ein Anstossen in der Runde, ein karibischer Sonnenuntergang wie aus dem Prospekt und eine erste, durch Reisemedikamente abgefederte, leicht schaukelnde Nacht.

Bordleben

Für ein erstes Ausrufezeichen in Sachen Gastfreundschaft sorgte die hübsch aufbereitete Kabine samt Bettmümpfeli in Form von Schnaps und Guetzli auf dem Kopfkissen. Da musste man sich ja gleich wohl fühlen! In diesem vielversprechenden Stil ging es dann auch weiter. In den drei Wochen wurde uns viel Leckeres aus der Bordküche serviert, von Spaghetti Carbonara bis Bami Goreng. Man merkt, dass der hohe Stellenwert des Essens bei Nathi und Andi auch auf ihrer Reise nicht verloren gegangen ist – dies sehr zu unserer Freude. Falls die Energie mal nicht reicht für kulinarische Anstrengungen in der engen und schnell heiss werdenden Kochnische der Juliane, kann man sich jederzeit an der reichen Auswahl an Chinanudelsnacks bedienen – dies sehr zur Freude von Marius, der darin ab und zu eine  willkommene Alternative zu ihm unliebsamen Menüs sah .

Und wenn die Aufmerksamkeit seitens der Gastgeber zwischendurch mal kurz nachliess, dann entweder weil Nathi sich am Abend zuvor intensiv dem Rotweinkanister zugewandt hatte und die darauffolgenden Tagen mit Ally McBeal in der Kabine verbrachte. Oder dann weil Bücherwurm Andi mal wieder in eine spannende Lektüre vertieft war. Die erstaunliche Bordbibliothek bot dann aber auch uns einiges an Unterhaltung. Nina hat in diesen Ferien so viel gelesen wie in den letzten Jahren insgesamt – was jetzt natürlich unterschiedlich interpretiert werden kann . Ansonsten lässt sich die Zeit an Bord gut in der karibischen Sonne verbringen, wobei diese für Schweizer Verhältnisse enorm stark ist bzw. wir für sie zu schwach .

Neben Kulinarik und Unterhaltung gehören zu den wesentlichen Bestandteilen des Bordlebens auch die WC-Gänge und das Duschen. Marius hat dann auch in der letzten Woche begriffen, dass man bei einem Gang auf das stille Örtchen tatsächlich 20 mal pumpen muss (exklusive abpumpen) damit sich das Geschäft nicht wieder auf den Rückweg macht . Was das Duschen anbelangt, so haben wir das irrtümlicherweise als einen zu wesentlichen Bestandteil des Bordlebens aufgefasst – wesentlicher als eigentlich gedacht gewesen wäre. Dies hat sich dann natürlich im in die Höhe schnellenden Wasserverbrauch seit unserer Ankunft manifestiert. Sorry noch mal an dieser Stelle, aber wir sind wohl eindeutig Süss- und keine Salzwasserfische .

Auf See

Für zwei Landratten, deren nautische Erfahrungen – von wenigen Ausnahmen abgesehen – sich auf Rundfahrten auf Schweizer Seen und einer von Stabilisatoren ausgeglichenen Kreuzfahrt beschränkte, schaukelte es doch recht beeindruckend, als sich die SY Juliane während der stürmischen und acht Stunden dauernden Fahrt entlang der Südküste Curaçaos  von Santa Cruz zurück nach Spanish Waters durch die mannshohen Wellen kämpfte. Auch die souveränen Anlegemanöver, das Navigieren mittels iPad und die Expertise von Nathi und Andi in allen Belangen des Segelns versetzte uns regelmässig ins Staunen. Wir haben alleine durchs Beobachten und Zuhören sehr viel gelernt. Ausserdem weiss Nina nun, dass sie es sich bei einem Segeltörn auch bei hohem Wellengang ohne Probleme in der Kabine gemütlich machen kann, während Marius sich doch eher auf Deck wohlfühlt: Nahe am Wind, mit Sicht auf das Wasser .

Landgänge

Nebst dem Bordleben wollten wir natürlich auch möglichst viel von der Insel sehen, was auf Curaçao eigentlich nur mit einem Auto möglich ist. Ausser man nimmt stundenlanges Warten auf den Bus oder kilometerweite Fussmärsche in Kauf. Mit beidem scheinen Nathi und Andi keine grösseren Probleme zu haben . Aber ihre Reise dauert ja auch ein wenig länger als unsere, weshalb sie sich weniger Sorgen um Zeitverlust machen müssen . Auf unsere Initiative hin haben wir dann aber doch kurzerhand das Nützliche mit dem Angenehmen verbunden und uns für drei Tage einen Mietwagen (und zwar nicht irgendeinen Mietwagen, sondern  auf Marius’ ausdrücklichen Wunsch hin einen Pick-up!) organisiert, um zuerst ein paar Besorgungen für das Schiff zu tätigen und danach das Eiland zu erkunden.

Besonders beeindruckt hat uns dabei die raue Westküste mit ihren faszinierenden Wasser- und Wellenspielen.

Aber die kleine Karibikinsel hat noch viel mehr zu bieten: pittoreske Fischerdörfchen, in denen die Zeit still zu stehen scheint, das pulsierende Willemstad mit seinen unterschiedlichen Vierteln sowie eine aufregende Flora und Fauna: Uns zeigten sich Flamingos, Einsiedlerkrebse, Wasserschildkröten und zahlreiche Leguane. Letzteres landet bei den Einheimischen auch auf dem Teller. Nina war so wagemutig und hat das “falsche Hühnchen“ bei einem unserer Landgänge in einem traditionellen Restaurant probiert. Fazit: Reichlich knochig und geschmacklich tatsächlich sehr nahe an Poulet. Weitere kulinarische Höhepunkte abseits der Bordküche waren die landestypischen Teigtaschen mit unterschiedlicher Füllung (Pastechi), die es an jeder Strassenecke zu kaufen gibt, Marius’ Geburtstagsessen in einem malerischen Restaurant in Willemstads angesagter Altstadt Pietermaai sowie natürlich der lokale Streetfood in der alten Markthalle, welche auf Ninas Wunsch hin gleich dreimal besucht wurde .

Nebst den Geburtstagen von Marius und Andi – der eine wurde in besagtem Restaurant gefeiert mit anschliessendem Rum und Reggaeton in einer leicht versifften aber charmanten Bar im Arbeiterviertel Otrobanda, der andere bei Bier und Strandgrillade in der menschenleeren Bucht Fuikbaai – stand ein Datum schon lange fix in unserer Ferienagenda; der 26. März. An diesem Samstag trafen im Ergilio Hato-Stadion die Fussballnationalmannschaften von Curaçao und der dominikanischen Republik aufeinander. Die 15’000 Zuschauer fassende Arena mit Laufbahn war relativ gut gefüllt und unserer Plätze auf der Haupttribüne boten uns besten Blick auf des Geschehen. Der mitreissende Match endete mit einem glücklichen aber insgesamt verdienten 2:1-Sieg für die Heimmannschaft, was natürlich kräftig gefeiert wurde. Auf Seiten der Gäste spielt der ehemalige FCZler und schweizerisch-dominikanische Doppelbürger Heinz Barmettler, der sich auf kurzen Zuruf hin nach Spielschluss noch zu einem kleinen Schwätzchen inklusive Erinnerungsfoto hinreissen liess. Curaçaos grösster Star, ihr Trainer und ehemaliger holländischer Superstar in Diensten von Barçelona und Co., Patrik Kluivert kriegten wir leider nicht mehr vor die Linse für ein Selfie. Da mussten sich Nathi und Nina mit einem namenlosen Inselkicker für einen Schnappschuss zufriedengeben, was aber ihrer Begeisterung für dessen “Bauchmuskeln am Rücken“, wie es Nathi – euphorisiert von Bier und Sieg – formulierte, keinen Abbruch tat .

Ups & Downs

Nachdem sich die Fahrt in die Piscadera Bay aufgrund des auszuwechselnden Motorenfilters  verzögert hatte und dementsprechend ohne uns stattfinden musste (dafür gibt es jetzt Fotos wie die Juliane an unserem Hotelstrand entlangsegelt), gab dann bekanntermassen der Aussenbordmotor des Dinghys seinen Geist auf. Vor allem Marius machte die anhaltende Unmotorisiertheit zu schaffen. Als positiver Nebeneffekt stellte sich jedoch heraus, dass wir uns erstaunlich viel sportlich betätigten. Auf jeden Fall mehr als geplant . Wir haben Strecken schwimmend zurückgelegt, von denen wir nicht einmal wussten, dass wir im Stande sind diese zu bewältigen. Und auch das Rudern im Dinghy klappte ziemlich gut. So sind wir beispielweise auch nach dem Fussballspiel unter Andis Schlachtgesängen im Nu zur Juliane zurückgelangt.

Mit Erstaunen stellten wir immer wieder fest, mit welch stoischer Ruhe sich Andi und Nathi solchen Herausforderungen im Segleralltag stellen oder sich zumindest nicht allzu viel anmerken lassen. Segeln ist definitiv ein Hobby, welches mit viel Leidenschaft und Energie betrieben werden muss. Wer weiss, vielleicht werden wir Juliane, Nathi und Andi an einem anderen Punkt ihrer Reise nochmals besuchen .

Bon Bini Curaçao

Schon wieder sind so schnell so viele Wochen vergangen, seit dem 6. März 2016 sind wir bereits in Curaçao. Die Überfaht von St. Lucia verlief problemlos, wenn auch mit etwas wenig Wind zu Beginn. Mit einigem Abstand zur venezoelanischen Küste (ein Gebiet, das Momentan aus Sicherheitsgründen zu meiden ist) segelten wir gen Westen und dann steil südwärts nach Curaçao. Den ersten Tag verbrachten wir auch hier, wie meistens, mit Besuchen auf dem Zollbüro, der Immigration und dem Hafenmaster, um uns offiziell in Curaçao anzumelden und die erforderliche Ankerbewilligung zu erhalten. Da Curaçao aufgrund seiner Nähe zur venezoelanischen und kolumbianischen Küste ein beliebter Zwischenstopp unter anderem für Kokainschmuggler ist, sind die Regelungen hier ziemlich strikt. Nur für die Bucht Spanish Waters erhält man eine dreimonatige Ankerbewilligung, für alle anderen Buchten wird lediglich eine Bewilligung für drei Tage erteilt, unter Angabe des exakten Datums, wann man dort sein möchte. Dies engt den freiheitlichen Gedanken vom Reisen mit dem Segelschiff natürlich etwas ein, doch bleibt einem nichts anderes übrig als sich damit zu arrangieren.

Bis Nina und Marius am Samstag, 12. März 2016, in Curaçao ankamen, wurde Juliane mal wieder etwas auf Vordermann gebracht. Das Cockpit wurde endlich mal wieder geschliffen und lackiert, das Schiff geputzt, Wäsche gewaschen und die Möglichkeiten abgeklärt, wo und wie wir unsere Aussenbordermotoren in den Service bringen konnten, da beide schon seit längerer Zeit Schwierigkeiten bereiteten.

Am Samstag gings ab an den Flughafen, um unsere Gäste aus der kalten Schweiz in der karibischen Wärme zu empfangen. Gemeinsam gings dann zurück zur Juliane und es wurde auf die Ankunft angestossen. Am Sonntag gabs dann erst mal einen Strandtag am bekannten Mambo Beach. Am Montag gingen wir nach Willemstad, Stadtbesichtigung, super Mittagessen in der Markthalle und die Ankerbewilligungen für die nächsten Tage einholen. Nachdem wir dann am Mittwochmorgen das Wasserboot bestellt haben (in Spanish Water kann per Funk das Wasserboot bestellt werden, welches dann am Ankerplatz vorbeikommt und die Wassertanks auffüllt) wollten wir aufbrechen zur Piscadera Bay, wo Marius und Nina für zwei Tage ein Hotel gebucht hatten. Motor an, Anker lichten, losfahren…sollte man meinen. Bei uns gings leider nur bis zur Hälfte des Ankerlichtens, danacht starb unser Motor. Alles halb so wild, Dieselfilter wechseln, nochmals probieren. Beim zweiten Versuch konnten wir doch etwa zweihundert Meter fahren, danach starb der Motor wieder. Als auch ein dritter Versuch keinen Erfolg brachte, war klar, dass wir am Mittwoch nicht mehr wegkommen. Da wir für einen der beiden Dieselfilter keinen Ersatz mehr an Bord hatten, mussten wir diesen erst noch besogren. Nina und Marius mussten somit auf dem Landweg ins Hotel, Andi und Ich machten uns auf die Suche nach dem richtigen Filter. So bekommen alle unsere Gäste einen Einblick ins Leben und Leiden mit einem Boot 🙂 Die Suche nach dem Filter war erst am Donnerstagmorgen erfolgreich, es reichte aber noch, um in die Piscadera Bay zu segeln und am Abend mit den Anderen den Geburtstag von Marius zu feiern. Am Tag darauf hiess es dann erholen sowie nochmals Verproviantieren, damit wir für die folgenden Tage in Santa Cruz genügend Essen und Bier an Bord hatten. Als Andi unsere Hotelgäste am Steg abholte, gab unser Aussenbordermotor noch seinen Geist auf…diesmal scheinbar für immer. Somit waren wir vorerst ohne Motor am Dinghy unterwegs, was heisst es wird gepaddelt.

Nach einem schönen Segeltörn ankerten wir in der Santa Cruz Bucht mit schönem Strand und guten Schnorchelspots. Aufgrund des starken Windes war es jedoch vorerst nicht möglich, mit dem Dinghy an Land zu paddeln, also wurde geschwommen, was erstaunlich gut funktionierte. Am Montag war es dann sogar möglich, mit dem Dinghy an Land zu paddeln und wir machten noch einen Spaziergang in die Nachbarsbucht, Playa Lagun. Am Dienstag gings zurück nach Spanish Waters, da wir am Mittwoch einen Termin für den Service unseres Aussenborder. Mit ziemlich starkem Gegenwind wurde es eine etwas mühsame Fahrt, Wind und Wellen gegenan und dementsprechend Bewegung auf der Juliane. Doch auch diese Fahrt war irgendwann vorbei und wir ankerten wieder sicher und ruhig in Spanish Waters.

Am Mittwoch hatten wir ein Auto gemietet, um unsere beiden Aussenborder sowie der zu Beginn der Atlantiküberquerung zerrissene Parasailor in fähige Hände zu übergeben. Beim einten Aussenborder hiess es, wir könnten ihn bereits nach zwei Stunden wieder abholen. Als alles erledigt war machten wir uns dann mit dem einten, vermeintlich wieder funktionierenden Aussenborder auf den Weg nach Hause. Dann die schöne Überraschung…Aussenborder läuft immer noch nicht. Somit durften wir mal wieder paddeln. Da der Vergaser ersetzt, und dieser erst noch bestellt werden muss, sind wir bis jetzt ohne Motor am Dinghy unterwegs. Diese Woche sollten wir den anderen Motor abholen können, und so Gott und Allah wollen, läuft dieser dann auch.

Seit heute sind wir in der Fuiik Baai, nur eineinhalb Seemeilen von SpanishWaters entfernt. Hier ankern wir sehr nahe am Strand und somit ist auch das An-Land-Kommen kein Problem. Es wimmelt hier zudem von Schildkröten, immer wieder taucht einer dieser süssen kleine Köpfe aus dem Wasser auf. Hier werden wir nun bis am Donnerstagmorgen bleiben und mit einer Strandgrillade in Andis Geburtstag hineinfeiern.

 

Leben in der Karibik

Nun sind wir also seit knapp einem Monat in der berühmten Karibik und es wird wieder mal Zeit für einen neuen Blogeintrag.

Beginnen wir mit unserer Ankunft auf Martinique. Die ersten eineinhalb Wochen lagen wir in der grossen Bucht vor Saint Anne neben Le Marin. Erster Eindruck: Hunderte und nochmals hunderte Segelboote vor Anker, das machte uns erst einmal baff. Es ist zwar bekannt, dass die Karibik als eines der beliebtesten Segelgebiete von sehr vielen Sgegelschiffen befahren wird, ganz so krass haben wir es dann aber doch nicht erwartet. Da Le Marin eine grössten Marinas in der Karibik und mit ihr jenste Geschäfte für Bootsartikel beherbergt, ist dieses Städtchen natürlich Anziehungspunkt für alle Yachten, die Zubehör, Reparaturen etc benötigen. Auch wir verbrachten die ersten Tage damit, die diversen Shipchandlers abzuklappern und die wichtigsten Besorgungen zu erledigen. Hierzu gehörten erst mal neue Batterien, da unsere alten ja bekannterweise nicht mehr viel taugten. Während der langen Dinghyfahrten von Saint Anne nach Le Marin gab dann auch unser bereits arg angeschlagenes Dinghy langsam aber sicher den Geist auf und liess immer mehr Wasser einsickern. Nach kurzem, frustriertem Besprechen war klar, dass wir nicht umhin kommen, uns ein neues Dinghy zu kaufen, was natürlich überhaupt nicht in unser eh schon überstrapaziertes Budget passte. Ja nu, gesagt, gekauft, Bier trinken, Freude am neuen Dinghy und schon kann das Budget etwas verdrängt werden.

Durch all die Besorgungen, die langen Dinghyfahrten sowie die beiden Ortschaften, die praktisch nur aus Seglern und anderen Touristen bestanden, fühlten wir uns im angeblichen Paradies jedoch irgendwie noch nicht so paradiesisch…ein kleiner „Nach-der-Atlantiküberquerung-Koller“ hat sich da wohl auch noch dazugesellt. Dadurch waren die ersten Tage auf Martinique zwar schön, aber irgendwie doch auch nicht ganz so zufriedenstellend. Zwischendurch konnte ich Herrn Hürzeler aber doch zu einem kleinen Ausflug in den Regenwald entlang der Küste überreden. Auch die Entdeckung, dass es im Supermarket 3-Liter Rum aus dem Sack gibt, zählte zu den ersten Highlights hier, da Alkohol, wie auch alle Esswaren im Supermarket, hier wieder sehr teuer ist. Nach unseren günstigen Einkäufen in Italien, Spanien und auf den Kap Verden, war auch das sehr hohe Preisniveau ein kleiner Dämpfer, auch wenn uns vorher schon bewusst war, dass die Karibik eher teuer ist. 6 Euro für ein grosses Bier in der Bar haben wir seit wir aus der Schweiz abgereist sind somit nie mehr bezahlt. Also gibts nun gemäss Sparplan nur noch Rum aus dem Sack:)

Nachdem dann auch das Hydrauliköl für unsere Steueranlage aufgefüllt wurde (da kein Reserveöl mehr im Hydrauliktank war, konnte unser Steuerrad auf den letzten Metern bevor wir nach der Atlantiküberquerung den Anker runtergelassen haben, nicht mehr bedient werden) fuhren wir nach eineinhalb Wochen weiter nach Fort-de-France, der Hauptstadt von Martinique. Hier gefiel es uns bereits einiges besser, viel weniger Schiffe in der Bucht, Ankerplatz etwa 200 Meter vom Land entfernt und eine Stadt, die lebte und nicht bloss aus Touristen bestand. Am Samstag, 12. Februar 2016 kam dann Sandra zu Besuch. Wir holten sie am Flughafen ab, was mit einem abenteuerlichen Ausflug verbunden war. Da um 18:00 keine Sammeltaxis mehr fuhren, und wir keine Lust hatten, 30 Euro für das Taxi auszugeben, beschlossen wir, mit dem Bus zum Flughafen zu fahren. Der Haken daran war bloss, dass es keinen Bus gab, der direkt zum Flughafen fuhr. Also nahmen wir denjenigen Bus, der am nächsten zum Flughafen hinfuhr und wollten von dort dann noch einen kleinen „Spaziergang“ zum Flughafen machen. Was zuerst noch ganz gut funktionierte, wurde mehr und mehr zu einem (vor allem für mich) nervenaufreibenden Spiessrutenlauf auf unbeleuchteten, stark befahrenen Landstrassen ohne Trottoir. Ich habe Blut geschwitzt! Nach einer Weile gab es dann gottundallahseidank einen Feldweg neben der Strasse und nachdem wir uns noch kurz verlaufen haben, schafften wir es dann doch noch rechtzeitig zum Flughafen, wo wir sogar noch ein Beruhigungsbier trinken konnten, bevor Sandra herauskam.

Mit ihr haben wir dann die nächsten zwei Tage Fort-de-France erkundet und sie ins Bootsleben eingeführt, was super funktionierte. Sandra konnte sogar beim ersten Versuch den Motor unseres Dinghys anwerfen, was ich bis heute nicht schaffe. Von Fort-de-France gab es dann Sandras Segelpremiere nach Anse à l’âne auf der anderen Seite der Bucht, wo wir auf die ersten 3 Seemeilen von Sandra anstossen konnten. Hier gab es einen kleinen verlassenen Strand, einen etwas grösseren, nicht so verlassenen Strand sowie einige Strandbars, wo das Bier auch nicht mehr so teuer war. Leider stieg hier unser Relaisschalter der Ankerwinsch aus, und Sandra durfte schon mal hautnah miterleben, wies im Seglerleben so zu und her geht: Ausflug mit der Fähre nach Fort-de-France, Shipchandlers abklappern, neues Teil kaufen, zurück zum Boot, merken, dass das neue Teil nicht das Richtige ist und man das richtige in Fort-de-France nicht erhält, Ausflug mit dem Sammeltaxi nach Le Marin (schon wieder hier!), Shipchandlers abklappern, bei allen ist das Teil ausverkauft, bis Andi dann einen Gedankenblitz hat, ein anderes, fast gleiches Teil gekauft wird was dann auch tatsächlich funktioniert.

Nun können wir also weiter nach Les Anses d’Arlets, wo es uns auf Martinique am Besten gefallen hat. Kleine Bucht, wunderschönes Wasser, wunderschöner Strand, und immer wieder Schildkröten, die vorbeischwimmen und ihren Kopf zum Atmen aus dem Wasser heben. Das haben wir nun wirklich nicht erwartet. Leider sind die Schildkkröten jeweils zu schnell, als dass man sie auf Fotos festhalten könnte. Hier haben wir dann auch noch unser erstes Strand-BBQ mit viel zu vielen Würsten veranstaltet. Auch zum Schnorcheln eignete sich diese Bucht super und es gab viele Fische zu bestaunen.

Von diesem Paradies aus gings dann weiter nach St. Lucia, eine Insel unter Martinique. Mit perfekten Segelbedingungen düsten wir durch den Atlantik, der uns sehr wohl gesonnen war und Sandra von grossen Wellen verschonte. Nach einem schönen Segeltag setzten wir den Anker in der Rodney Bay, die entgegen meiner Vorurteile sehr schön ist. Der Captain ging einklarieren, Sänd und ich assen erst mal etwas und tranken ein Bier. Danach gingen wir alle an Land und entschieden uns (zum Glück) mal Richtung Fischerdorf neben der Rodney Bay zu gehen. Dies entpuppte sich als Glückstreffer, praktisch nur Einheimische, verhätnismässig günstiges Bier, gute Musik, nette Leute und zum Abschluss noch ein fantastisches Chicken vom Grill. So haben wir uns die Karibik vorgestellt und auch Andi ist endlich zufrieden mit „der Karibik“. Nach zwei Tagen in Rodney Bay segelten wir dann 10 Seemeilen weiter südlich in die Marigot Bay, die zwar etwas überfüllt ist aber wunderschön. Hier ankern wir momentan mit ein paar weiteren Booten in der Einfahrt zur Bucht, wo es nicht ganz so überloffen ist. Hier haben wir uns gestern auch seit langem mal wieder herausgeputzt (Andi hatte sogar richtige Hosen an) und in der Happy Hour für meinen Geburtstag vorgetrunken. Heute gibts deshalb auch nicht mehr allzu viel Party…wir sind ja nicht mehr die Jüngsten. Am Sonntag muss Sandra uns nach zwei Wochen in der Karibik leider bereits wieder verlassen, wir werden sie in Castries (oder Castrisch, wie Andi sagt) auf die Fähre nach Martinique bringen. Mit etwas Glück gibts vielleicht ja noch einen Gastbeitrag von ihr.

Nach Sandras Abreise werden wir wohl noch zwei drei Tage auf St. Lucia bleiben, Wasser und etwas Diesel tanken, etwas Proviant einkaufen, Juliane ready machen und dann gehts ab ins knapp 500 Seemeilen entfernte Curaçao, wo am 12. März Nina und Marius zu Besuch kommen.