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Leben in der Karibik

Nun sind wir also seit knapp einem Monat in der berühmten Karibik und es wird wieder mal Zeit für einen neuen Blogeintrag.

Beginnen wir mit unserer Ankunft auf Martinique. Die ersten eineinhalb Wochen lagen wir in der grossen Bucht vor Saint Anne neben Le Marin. Erster Eindruck: Hunderte und nochmals hunderte Segelboote vor Anker, das machte uns erst einmal baff. Es ist zwar bekannt, dass die Karibik als eines der beliebtesten Segelgebiete von sehr vielen Sgegelschiffen befahren wird, ganz so krass haben wir es dann aber doch nicht erwartet. Da Le Marin eine grössten Marinas in der Karibik und mit ihr jenste Geschäfte für Bootsartikel beherbergt, ist dieses Städtchen natürlich Anziehungspunkt für alle Yachten, die Zubehör, Reparaturen etc benötigen. Auch wir verbrachten die ersten Tage damit, die diversen Shipchandlers abzuklappern und die wichtigsten Besorgungen zu erledigen. Hierzu gehörten erst mal neue Batterien, da unsere alten ja bekannterweise nicht mehr viel taugten. Während der langen Dinghyfahrten von Saint Anne nach Le Marin gab dann auch unser bereits arg angeschlagenes Dinghy langsam aber sicher den Geist auf und liess immer mehr Wasser einsickern. Nach kurzem, frustriertem Besprechen war klar, dass wir nicht umhin kommen, uns ein neues Dinghy zu kaufen, was natürlich überhaupt nicht in unser eh schon überstrapaziertes Budget passte. Ja nu, gesagt, gekauft, Bier trinken, Freude am neuen Dinghy und schon kann das Budget etwas verdrängt werden.

Durch all die Besorgungen, die langen Dinghyfahrten sowie die beiden Ortschaften, die praktisch nur aus Seglern und anderen Touristen bestanden, fühlten wir uns im angeblichen Paradies jedoch irgendwie noch nicht so paradiesisch…ein kleiner „Nach-der-Atlantiküberquerung-Koller“ hat sich da wohl auch noch dazugesellt. Dadurch waren die ersten Tage auf Martinique zwar schön, aber irgendwie doch auch nicht ganz so zufriedenstellend. Zwischendurch konnte ich Herrn Hürzeler aber doch zu einem kleinen Ausflug in den Regenwald entlang der Küste überreden. Auch die Entdeckung, dass es im Supermarket 3-Liter Rum aus dem Sack gibt, zählte zu den ersten Highlights hier, da Alkohol, wie auch alle Esswaren im Supermarket, hier wieder sehr teuer ist. Nach unseren günstigen Einkäufen in Italien, Spanien und auf den Kap Verden, war auch das sehr hohe Preisniveau ein kleiner Dämpfer, auch wenn uns vorher schon bewusst war, dass die Karibik eher teuer ist. 6 Euro für ein grosses Bier in der Bar haben wir seit wir aus der Schweiz abgereist sind somit nie mehr bezahlt. Also gibts nun gemäss Sparplan nur noch Rum aus dem Sack:)

Nachdem dann auch das Hydrauliköl für unsere Steueranlage aufgefüllt wurde (da kein Reserveöl mehr im Hydrauliktank war, konnte unser Steuerrad auf den letzten Metern bevor wir nach der Atlantiküberquerung den Anker runtergelassen haben, nicht mehr bedient werden) fuhren wir nach eineinhalb Wochen weiter nach Fort-de-France, der Hauptstadt von Martinique. Hier gefiel es uns bereits einiges besser, viel weniger Schiffe in der Bucht, Ankerplatz etwa 200 Meter vom Land entfernt und eine Stadt, die lebte und nicht bloss aus Touristen bestand. Am Samstag, 12. Februar 2016 kam dann Sandra zu Besuch. Wir holten sie am Flughafen ab, was mit einem abenteuerlichen Ausflug verbunden war. Da um 18:00 keine Sammeltaxis mehr fuhren, und wir keine Lust hatten, 30 Euro für das Taxi auszugeben, beschlossen wir, mit dem Bus zum Flughafen zu fahren. Der Haken daran war bloss, dass es keinen Bus gab, der direkt zum Flughafen fuhr. Also nahmen wir denjenigen Bus, der am nächsten zum Flughafen hinfuhr und wollten von dort dann noch einen kleinen „Spaziergang“ zum Flughafen machen. Was zuerst noch ganz gut funktionierte, wurde mehr und mehr zu einem (vor allem für mich) nervenaufreibenden Spiessrutenlauf auf unbeleuchteten, stark befahrenen Landstrassen ohne Trottoir. Ich habe Blut geschwitzt! Nach einer Weile gab es dann gottundallahseidank einen Feldweg neben der Strasse und nachdem wir uns noch kurz verlaufen haben, schafften wir es dann doch noch rechtzeitig zum Flughafen, wo wir sogar noch ein Beruhigungsbier trinken konnten, bevor Sandra herauskam.

Mit ihr haben wir dann die nächsten zwei Tage Fort-de-France erkundet und sie ins Bootsleben eingeführt, was super funktionierte. Sandra konnte sogar beim ersten Versuch den Motor unseres Dinghys anwerfen, was ich bis heute nicht schaffe. Von Fort-de-France gab es dann Sandras Segelpremiere nach Anse à l’âne auf der anderen Seite der Bucht, wo wir auf die ersten 3 Seemeilen von Sandra anstossen konnten. Hier gab es einen kleinen verlassenen Strand, einen etwas grösseren, nicht so verlassenen Strand sowie einige Strandbars, wo das Bier auch nicht mehr so teuer war. Leider stieg hier unser Relaisschalter der Ankerwinsch aus, und Sandra durfte schon mal hautnah miterleben, wies im Seglerleben so zu und her geht: Ausflug mit der Fähre nach Fort-de-France, Shipchandlers abklappern, neues Teil kaufen, zurück zum Boot, merken, dass das neue Teil nicht das Richtige ist und man das richtige in Fort-de-France nicht erhält, Ausflug mit dem Sammeltaxi nach Le Marin (schon wieder hier!), Shipchandlers abklappern, bei allen ist das Teil ausverkauft, bis Andi dann einen Gedankenblitz hat, ein anderes, fast gleiches Teil gekauft wird was dann auch tatsächlich funktioniert.

Nun können wir also weiter nach Les Anses d’Arlets, wo es uns auf Martinique am Besten gefallen hat. Kleine Bucht, wunderschönes Wasser, wunderschöner Strand, und immer wieder Schildkröten, die vorbeischwimmen und ihren Kopf zum Atmen aus dem Wasser heben. Das haben wir nun wirklich nicht erwartet. Leider sind die Schildkkröten jeweils zu schnell, als dass man sie auf Fotos festhalten könnte. Hier haben wir dann auch noch unser erstes Strand-BBQ mit viel zu vielen Würsten veranstaltet. Auch zum Schnorcheln eignete sich diese Bucht super und es gab viele Fische zu bestaunen.

Von diesem Paradies aus gings dann weiter nach St. Lucia, eine Insel unter Martinique. Mit perfekten Segelbedingungen düsten wir durch den Atlantik, der uns sehr wohl gesonnen war und Sandra von grossen Wellen verschonte. Nach einem schönen Segeltag setzten wir den Anker in der Rodney Bay, die entgegen meiner Vorurteile sehr schön ist. Der Captain ging einklarieren, Sänd und ich assen erst mal etwas und tranken ein Bier. Danach gingen wir alle an Land und entschieden uns (zum Glück) mal Richtung Fischerdorf neben der Rodney Bay zu gehen. Dies entpuppte sich als Glückstreffer, praktisch nur Einheimische, verhätnismässig günstiges Bier, gute Musik, nette Leute und zum Abschluss noch ein fantastisches Chicken vom Grill. So haben wir uns die Karibik vorgestellt und auch Andi ist endlich zufrieden mit „der Karibik“. Nach zwei Tagen in Rodney Bay segelten wir dann 10 Seemeilen weiter südlich in die Marigot Bay, die zwar etwas überfüllt ist aber wunderschön. Hier ankern wir momentan mit ein paar weiteren Booten in der Einfahrt zur Bucht, wo es nicht ganz so überloffen ist. Hier haben wir uns gestern auch seit langem mal wieder herausgeputzt (Andi hatte sogar richtige Hosen an) und in der Happy Hour für meinen Geburtstag vorgetrunken. Heute gibts deshalb auch nicht mehr allzu viel Party…wir sind ja nicht mehr die Jüngsten. Am Sonntag muss Sandra uns nach zwei Wochen in der Karibik leider bereits wieder verlassen, wir werden sie in Castries (oder Castrisch, wie Andi sagt) auf die Fähre nach Martinique bringen. Mit etwas Glück gibts vielleicht ja noch einen Gastbeitrag von ihr.

Nach Sandras Abreise werden wir wohl noch zwei drei Tage auf St. Lucia bleiben, Wasser und etwas Diesel tanken, etwas Proviant einkaufen, Juliane ready machen und dann gehts ab ins knapp 500 Seemeilen entfernte Curaçao, wo am 12. März Nina und Marius zu Besuch kommen.

Blaue Wüste

Briefe von Herrn Hürzeler:

Bonjour, ça va? Da segelt Mann und Frau von Afrika in die Karibik und landet trotzdem wieder bei den Franzaken, merde. Nein, so schlimm ist es nicht, im Gegenteil, vive la France und ihr Essen! Aber Moment, Herr Hürzeler hat mal wieder den roten Faden nicht eingefädelt, Blaue Wüste, Atlantiküberquerung, Bergfest, Segelriss und Karneval. Das muss alles in den Brief aber in der richtigen Reihenfolge und eben wie im Schulaufsatz gelernt, mit dem roten Faden (grundsätzlich würde ein “blauer” Faden in den meisten Geschichten besser passen).
Das alte Jahr ging also zu Ende und das neue Jahr kam. Für uns bedeutete das langsam aber sicher weiter Richtung Westen. Für die Kapverdianer heisst das ab Januar bis zum Karneval im Februar, jeden Sonntag “Mendinga”, der Karneval vor dem richtigen Karneval oder so ähnlich. Natürlich konnten wir uns das nicht entgehen lassen und wenn auch leicht verkatert, gingen wir motiviert auf die Suche. Wir kamen nicht weit und traffen unsere CH-Bekannten, die auf ihrer Hochzeitsreise sind mit Ihrem Segelboot “Iris” Ziel: Karibik. Auch sie waren angeschlagen und frustiert wegen Bauarbeiten am Boot, also Bier kaufen und Mendinga suchen. Beim Marktplatz fanden wir dann Anschluss und tanzten (so gut es ging) mit durch die Stadt. Das ganze endete irgendwo an einer guten “Hood”-Party. Nati und Herr Hürzeler blieben bis die Musik ausging und konnten einmal mehr auf eine Security-Eskorte zählen für den Heimmarsch, da wir sozusagen durch die Langstrasse von Mindelo mussten und sich alle wahnsinnige Sorgen um uns machten. Nach dem Karneval war dann aber defintiv Schluss mit Alkohol und wir arbeiteten unsere to-dos ab, damit wir ASAP (äs suun äs possibäl) lossegeln konnten sobald der Wind stimmt. Wir waren dann auch sehr fleissig und kamen ordentlich voran, die Motivation war so gross, dass wir uns dann doch noch ein Feierabendbier verdienten. Natürlich blieb es nicht bei einem Bier, der ganze Segelertreff verirrte sich zu unserem Feierabendbier und es war ein bunter Mix und eine lustige Nacht (Dank an die Kroaten und Serben für das Privatkonzert).
Die letzten Vorbereitungen wurden getroffen, Herr Hürzeler hatte noch die Möglichkeit seine Tauchausrüstung zu testen, weil in der Ankerkette ein halber Schrottplatz hing. Voll beladen und getankt ging es dann aber am Samstag, 16. Januar los. Wunderbarer Wind und Sonne und nach nur drei Stunden unterwegs ein lauter Fluch des Käpitäns, bis er klar verständlich gemacht hatte was los war wurde es noch schlimmer. Aus einem kleinen Loch im Leichtwindsegel (wo und warum dieses Loch auftauchte ist noch Teil einer laufenden Ermittlung und kann aus taktischen Gründen nicht weiter kommentiert werden) wurde ein ganz grosser Riss von rechts nach links oder links nach rechts, aufjedenfall war das Segel futsch und die Stimmung in der Bilge. Kein Alkohl, keine Drogen, kein Boxsack, kein Handyempfang und eben kein Vorwindsegel mehr. Für alle nicht Segler, die sich jetzt denken ja klar man segelt ja auch nicht nur mit einem Segel los über den Atlantik was soll das Theater, ja das ist so, aber für das Segel bei Schwachwind vor dem Wind (also der Wind kommt von hinten und schiebt einen vorwärts) hat die Juliane leider nicht wirklich eine Alternative bzw. keine Gute, da Herr Hürzeler in Kroatien keinen Spinnakerbaum mehr montiert hat. Nochmals so ein Seglerausdruck “Genua”, genau wie die Hafenstadt in Italien, das musste uns nun über den Teich bringen und bei sehr wenig Wind müsste halt das “eiserne Segel” mithelfen.
Rückblickend kann man sagen funktionierte es recht gut. Wir hatten sonst noch ein paar Probleme mit der Windsteuerung, und dass unsere Batterien hinüber waren wussten wir schon in den Kap Verden, aber war alles halb so tragisch, kostete uns etwas mehr Diesel da der elektrische Steuermann steuern musste. Viel wichtiger war, dass wir ordentlich durchgeschaukelt wurden und immer was Leckeres zu essen hatten. Herr Hürzeler bekam Fischverbot, die Dinger halten nicht ewig im Kühlschrank und irgendwann kann und will man kein Fisch mehr essen auch wenn er super gut schmeckt.
Die Reise dauert also an und wir wussten Dank unserem smarten iPad immer wie weit wir schon gefahren sind und wie weit wir ca. noch fahren müssen um wieder festen Boden unter die Füsse und kaltes Bier in die Hände zu kriegen. Wenn man also in der Mitte der Reise über den Atlantik ist nennt man dass “Bergfest” und das darf man feiern (sogar mit Alkohol). Nati durfte eines ihrer Abschiedsgeschänkli aufmachen, die Sie mit klaren Anweisungen von ihren “best friends” erhalten hatte. Es war ein Buch über den “Darm mit Charme” (ich weiss “strange”, Herr Hürzeler hats nicht verstanden, Nathalie war begeistert). Das brettern über diese Wasserwüste war eigentlich nicht wirklich anstrengend, aber das Schaukeln (Juliane ist Weltmeisterin darin) und Schwanken mit unregelmässigem Schlaf nervt irgendwann. Dann ist man mal wieder so richtig schön genervt schaut auf die Blaue Wüste, hört vielleicht ein bisschen Bob Dylan oder Herr Hürzelers Party-Playlist und tadahh wieder nicht genervt und so wiederholt sich das ganze bis in die Karibik. Aufregend oder :)?
Nach 16 Tagen 9 Stunden 40 Minuten sind wir am Montag 1. Februar am Abend in Le Marin in Martinique eingetroffen. Der Anker ging auf Sand, das Dinghy wurde aufgepumpt und wir rauschten los zwischen den hunderten von Jachten durch, die hier vor Anker liegen, Ziel: Willkommens-Bier. Unterdessen haben wir einklariert und uns mit frischen Früchten, Gemüse und Fleisch eingedeckt. Nach fast 2 1/2 regenlosen Monaten war der erste tropische Regen eine richtig schöne Begrüssung der Karibik, Juliane hat die Süsswasserdusche dankend angenommen.
In den nächsten Tagen besorgen wir neue Batterien und kümmern uns um die Verbesserung unserer Windsteuerung. Etwas Strand und Kokonuss-Weitwurf steht auch auf dem Programm und natürlich wird Juliane rausgeputzt für Sandra, die in zwei Wochen zu Besuch kommt. Nebenbei versuchen wir nicht komplett pleite zu gehen, nicht nur die Römer spinnen auch die Franzosen haben einen Flick ab wenn man hier die Preise anschaut.
So ich habe fertig. Nein, one more thing! Wir haben heute tatsächlich einen Kebab gegessen, der war zwar mehr wie ein Gyros aber nach 5 Monaten ohne Kebabstand weit und breit war es ein Höhepunkt. Wenn Ihr also das selbe Feeling wie wir haben wollt und nicht wie Sandra ein teures Flugticket kauft, hier Herr Hürzeler’s Rat: “geht mit einem Kebab in die Masoala-Halle”, that’s Martinique (zumindest unseres Heute).
Aus Martinique grüsst der Käptain,
Herr Hürzeler