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Haul out time

Wir melden uns zurück aus Neuseeland, ausnahmsweise steht die Juliane nun an Land. In den letzten Wochen haben wir noch einige Arbeiten erledigt, am Motor sowie am hydraulischen Steuersystem einen Service durchgeführt. Dazwischen gabs noch einen Ausflug auf die Insel Urupukapuka. Mit all diesen Ortsnamen hier fühlt man sich manchmal wie Pipi Langstrumpf.

Nun stehen wir seit eineinhalb Wochen auf dem Trockenen. Da unser Unterwasser in schlechterem Zustand als erwartet war, musste zuerst ein grosser Teil runtergeschliffen werden, bevor wir mit dem Aufbau der Farbe beginnen konnten. Nun ist aber alles erledigt und die Juliane strahlt schon fast wieder im alten Glanz. Am Mittwochmorgen geht’s zurück ins Wasser, bis dahin putzen wir unser liebes Schiff noch ein bisschen und geniessen die Vorzüge von fliessend Wasser und Strom an Land– wir können unsere elektrische Heizung laufen lassen 🙂

Mit dem nächsten guten Wetterfenster geht’s dann endlich zurück in die Tropen nach Vanuatu. Von dort werden wir dann hoffentlich auch wieder von spannenderem als Bootsarbeiten berichten können. Wir melden uns wieder aus den Tropen und wünschen bis dahin einen schönen Schweizer Frühling.

 

Make Juliane Great Again – Oder neuseeländische Härteprüfung

So, wir melden uns endlich mal wieder aus Neuseeland. Die Zeit seit unserer Ankunft verging wie im Fluge, und unerwartete „Bootsprojekte“ haben uns voll und ganz in Anspruch genommen. Aber der Reihe nach.

Nach ersten regnerischen Tagen in Neuseeland hat sich das Wetter doch meist gnädig mit uns gezeigt, die Sonne schien oft und schaffte es im Verlaufe des Tages auch meistens, die kühle Luft aus der Antarktis aufzuwärmen, sodass wir mehrheitlich doch wieder in T-Shirt und FlipFlops leben können. In der Nacht fallen die Temperaturen jedoch weiterhin auf 12 bis 15 Grad Celsius. Ja, wir wissen es, mit dem Schweizer Winter können wir nicht mithalten. Für uns fühlen sich diese Temperaturen jedoch immer noch ziemlich kalt an.

Bevor die grosse Arbeit am Boot begann, schafften wir es doch noch ein paar mal, die Umgebung auf den vielen Wanderwegen zu erkunden. Und dank unserem netten Bootsnachbar Patrick, dessen Auto wir jeweils ausleihen dürfen, haben wir auch schon einige Einkaufs- und Besichtigungstouren nach Whangarei (wo wir ein super Thai Restaurant entdeckt haben) und Kerikeri unternommen.

Kurz vor Weihnachten begannen wir dann so richtig an unserer Juliane zu arbeiten. Zuerst wurde der vordere Teil des Aufbaus neu gestrichen sowie alle Fenster neu eingeklebt – diese waren vorher nicht mehr dicht. Soweit alles gut. Nach Weihnachten wollten wir dann auch den hinteren Teil des Aufbaus neu Streichen. Da dieser jedoch noch mit alter einkomponenten Farbe gestrichen war, und wir auf zweikomponenten Farbe wechseln wollten, musste zuerst die ganze alte Farbe abgeschliffen werden. Als wir dann auf dem Holz waren, zeigte sich, dass einige Teile des Aufbaus komplett morsch waren, da über Jahre hinweg immer wieder Wasser hinein gelangte. Nach einer Weile wurde uns klar, dass wir wohl oder übel ganze Teile des Aufbaus austauschen müssen. Hierfür musste erst mal das morsche Holz raus, dann die Stahlverstrebungen darunter vom Rost befreit und gestrichen werden. Problematischer als erwartet stellte sich das finden von neuem Holz heraus, die grösste Holzfirma Neuseelands hatte dazu noch Weihnachtsferien bis in die zweite Januarwoche. Nachdem wir das Holz dann besorgen konnten, mussten anhand von Mustern die neuen Platten zugeschnitten und geleimt werden, hierfür hatten wir grossartige Hilfe von Pedro, von Beruf Bootsbauer und momentan auch auf Reisen in Neuseeland. Ohne seine Hilfe und Ratschläge wären wir teils komplett überfordert gewesen. Nachdem die neuen Platten dann noch mit Epoxy eingestrichen worden sind, konnten wir diese, nach einen Monat mit Löchern im Boot, endlich wieder einkleben und –schrauben. Nach und nach machte das Boot nun wieder Fortschritte, der Aufbau wurde gestrichen, und seit ein paar Tagen sind endlich auch wieder die letzten beiden Fenster drin. Wir sind soweit wieder dicht! Was hier nun so kurz zusammengefasst und beschrieben wird, war unsere bisher grösste Härteprüfung. Was als Projekt von einer Woche begann, endete mit über eineinhalb Monaten Arbeit, Schweiss und teils auch Tränen. Zum ersten mal kamen wir beide zwischendurch an einen Punkt, an dem wir das Boot am liebsten verlassen hätten. Zum Glück hielten diese Momente nie lange an und wir wechselten uns meist ab mit unseren Krisen, sodass wir uns gegenseitig wieder aufbauen konnten. Jetzt ist die Welt wieder in Ordnung und es stehen nur noch ein paar kleinere Detailarbeiten an und dann ist das Projekt Aufbau endlich abgeschlossen. Es lebt sich aber schon jetzt wieder viel viel besser an Bord, man lernt es zu schätzten, wenn keine Löcher im Boot sind.

Vor zwei Wochen machten wir einen kleinen Arbeitspause- Ausflug mit dem Boot zur Roberton Island, eine von vielen Inseln in der Bay of Islands. Zum ersten mal seit wir Ende November in Opua den Anker eingefahren haben, wurde unsere liebe Juliane wieder bewegt. Sie genoss es sichtlich, wir natürlich auch! Es tat gut, mal etwas anderes zu sehen, und ich wagte mich sogar in Wasser. Dieses war allerdings immer noch ziemlich kühl, sodass ich es kaum länger als einige Sekunden aushielt. Aber immerhin, mein erstes Bad im Meer, seit wir in Neuseeland sind.

Nun werden wir die Juliane wieder segelfertig machen und hoffen, in den nächsten Wochen etwas ausgiebiger in der Bay of Islands umhersegeln zu können. Abgesehen davon, steht weiterhin noch einiges an Arbeit an. Wir möchten das Boot, wenn wir Anfangs Mai nach Vanuatu aufbrechen, in einem möglichst guten Zustand haben, sodass wir dann, hoffentlich, nicht mehr allzu viel Arbeit haben, bis wir im nächsten Sommer bereits wieder im Mittelmeer sein werden. Jetzt freuen wir uns aber erst mal, im Mai wieder zurück in die Tropen zu gehen.

 

 

Von Tonga nach Neuseeland

Diesel tanken à la Tonga

Bevor wir uns auf den Weg nach Neuseeland machten, wollten wir in Tonga noch unseren Dieseltank mit dem günstigen Duty-Free Diesel auffüllen. Nachdem wir am Tag vor der geplanten Abfahrt alle Formalitäten hierfür erledigt hatten – wir mussten mal wieder 4 bis 5 Büros abklappern und Papiere und Stempel und sonstige Wichtigkeiten abholen – fuhren wir gegen 11 Uhr morgens an den Pier im Hafen. Da es in Nuku’alofa keine Bootstankstelle gibt, legt man einfach an einem Pier im Hafen an. Hierhin werden dann die Dieselfässer geliefert, für Bestellungen ab 1000 Liter kommt der Tankwagen persönlich vorbei. Wir benötigten 400 Liter, also 2 Fässer. Nachdem wir im Büro der Tankstelle die Fässer bestellt und bezahlt hatten, hiess es, die Fässer würden „now“ geliefert. Nun … Now in Tonga ist nicht gleich now. Zuerst müssen wir uns natürlich an der eigenen Nase nehmen, wir haben die Bestellung kurz vor 12 Uhr bezahlt, um 13 Uhr ist Mittagspause, das war natürlich etwas knapp um zwei Fässer ein paar hundert Meter mit dem Auto zu transportieren. Also haben wir mal bis Ende der Mittagspause um 14 Uhr gewartet, als danach noch immer niemand mit unseren Fässern auftauchte, fragten wir schüchtern nach, wann diese nun geliefert würden. Irgendwann kam dann auch tatsächlich ein Angestellter angefahren, stellte uns die Fässer neben das Boot und erklärte uns die Handpumpe, mit der wir den Diesel in den Tank pumpen mussten. Dies funktionierte erstaunlich gut, bis das Rohr innerhalb des ersten Fasses in zwei Teile brach, es war wohl nicht richtig ineinander geschraubt. Somit wurde das Dieseltanken vorerst unterbrochen. Nach einem weiteren Telefonat mit der Tankstelle und einer kurzen Wartezeit kam unser Lieferant wieder, welcher das Rohr fachmännisch aus dem Tank fischte und neu zusammen schraubte. Es war offensichtlich nicht das erste Mal, dass dies passierte. Wir pumpten also fleissig weiter, und bald war auch schon der ganze Diesel an Bord. Für die Fässer musste ein Depot bezahlt werden, dieses würden wir bar zurück erhalten, sobald die leeren Fässer von einem Mitarbeiter abgeholt wurden. Da wir keinen Nutzen mehr für Tongadollar hatten, planten wir, nach dem Tanken auf dem Markt noch unseren Frischwaren-Einkauf zu tätigen. Wir mussten also nochmals warten, bis die Fässer abgeholt wurden. Als es soweit war, war es bereits 17 Uhr. So hatten wir uns das natürlich nicht vorgestellt, aber was solls, haben wir halt fast den ganzen Tag mit Tanken verbracht. Wir haben dafür nette Segler aus Alaska kennengelernt sowie den sympathischen Italiener Gianni, der seit über 20 Jahren in Tonga lebt. Mit Klatsch und Tratsch und netter Gesellschaft lässt es sich auch besser warten. Nach einem schnellen Einkauf auf dem Markt lösten wir die Leinen und fuhren endlich los, Ziel Neuseeland mit Zwischenhalt beim Minerva Reef.

Tanken in Tonga

 

Auf ins Minerva Reef

Das Minerva Reef ist ein Riff mitten im Südpazifik, etwa 260 Seemeilen südwestlich von Tonga. Zu unserer Freude hatte der prognostizierte Südwind schon genug nach Osten abgedreht, sodass wir direkt Kurs aufs Minerva Reef nehmen konnten. Dank leichter Unterstützung des Motors konnten wir somit nach zweieinhalb Tagen Fahrt am Sonntagmorgen ins Minerva Reef einlaufen. Einziger Wehrmutstropfen war, dass unser Motor bereits wieder leicht Öl verloren hatte, allerdings bei weitem nicht mehr so viel wie auf der letzten Überfahrt. Bereits die Einfahrt ins Riff war ziemlich eindrücklich, durch einen schmalen Channel ohne Riff, der tief genug ist, links und rechts brechen die Wellen am Riff. Nachdem der Anker unten war, gabs erst mal Kaffee und Zmorge, danach ein Bad im Meer (ich hatte zwar leicht Angst vor den Tigersharks, die es neben anderen Haien anscheinend im Riff hat, und bewegte mich nicht weit weg von der Badeleiter) sowie etwas Erholung, ich lesend im Cockpit, der Captain mit Laptop und Serien in der Koje. Zwischendurch hat der Herr Captain dann noch einen Kuchen gebacken, welcher so gut war, dass uns beiden leicht übel wurde, weil wir zuviel davon gegessen haben. Als wir am nächsten Morgen aufgestanden sind und unser Satellitentelefon angeschaltet haben, sprudelten nur so Nachrichten rein. In Neuseeland gab es in der Nacht ein Erdbeben, aufgrund dessen eine Tsunamiwarnung ausgesprochen wurde. Da wir nicht wussten, ob die Tsunamiwarnung nur für die Küste Neuseeland gilt und wir sowieso geplant hatten, im Laufe des Tages aufzubrechen, machten wir uns sofort bereit und holten unseren Anker rauf. Better safe than sorry. Somit befanden wir uns schneller als erwartet auf dem Weg nach Neuseeland.

Minerva Reef

Minerva Reef

 

ByeBye Tropen – Hallo Kälte

Die Überfahrt nach Neuseeland verlief gemütlich, die ersten paar Tage hatten wir nicht besonders viel Wind, und da wir unseren Motor schonen wollten, dümpelten wir mit 70 bis 100 Seemeilen pro Tag durch den Pazifik. Für Donnerstag und Freitag hatte sich ein Tief mit Starkwind angekündigt, welches südlich von uns durchzog. Wir achteten uns somit darauf, bis dahin nicht nicht zu weit südlich zu sein. Mit unserer Geschwindigkeit war dies aber ohnehin kein Problem. Das durchziehende Tief haben wir dann gut überstanden, mit einigen Stunden Wind um die 20 Knoten, also alles gut handlebar. Da der Wind aus Südwest kam, und wir ziemlich genau nach südwest mussten, konnten wir allerdings keinen sehr guten Kurs laufen und machten erst mal etwas Weg nach Süden gut. Nach dem Durchzug der Front nahm der Wind wieder stetig ab, bis er etwa zwei Tage vor unserer geplanten Ankunft komplett abstellte. Nun zögerten wir nicht mehr, den Motor anzuwerfen, und so tuckerten wir die letzten zwei Tage vor uns hin, auf einem Pazifik, den man zeitweise für den Greifensee hätte halten können, so spiegelglatt. Während der Überfahrt machte sich bereits mit jedem Tag mehr bemerkbar, dass wir die Tropen verlassen und wieder in gemässigteres Klima gelangen. Mit jedem Tag wurde es etwas kälter, in der Nacht wurden bereits die Wollpullover ausgepackt. Bei unserer Ankunft in Opua zeigte sich der neuseeländische Frühling dann auch von seiner besten Seite, bewölkt, leichter Regen, eisiger Wind. Als wären wir zurück in der Schweiz. Seither wurde es zum Glück etwas besser, die Sonne lässt sich immer wieder blicken und wärmt die Luft, sodass das Thermometer am Nachmittag doch auch mal 24 Grad anzeigt. Wir müssen ehrlicherweise auch gestehen, dass wir nach einem Jahr voller Wärme auch etwas verweichlicht sind. Laufen die Neuseeländer doch schon in kurzen Hosen und T-Shirt herum, so sind wir dick eingepackt mit Wollpullover, Jacke und Winterstiefel. Aber wir werden uns schon auch wieder daran gewöhnen, dass es nicht das ganze Leben lang 28 bis 30 Grad warm sein kann. Dank dem Neuseeländischen Frühling kämpfe ich übrigens auch gerade wieder mit Heuschnupfen, damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Die nächsten Wochen werden wir noch in der Umgebung von Opua in der Bay of Islands verbringen und mal wieder richtig am Boot arbeiten, schleifen, streichen, putzen, reparieren etc. Danach wollen wir uns nach Süden bewegen und zuerst die Nordinsel erkunden, dann die Südinsel, wo wir schon auf frischen Lachs an der Angel spekulieren!