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Letztes Australisches Abenteuer und ab nach Asien

Nachdem wir auf Thursday Island alles notwendige erledigt hatten, frisches Essen war gekauft, eine neue volle Gasflasche installiert und alle Ausklarierungsformalitäten erledigt, waren wir am Morgen des 21. Augusts startklar für unsere Überfahrt nach Indonesien.

Ankerplatz vor Horn Island

Als wir begannen, unseren Anker einzuhohlen, zeigte sich jedoch ziemlich schnell, dass es mit einer sofortigen Abfahrt wohl nicht klappen würde. Nach etwa 10 Metern liess sich die Ankerkette nicht mehr weiter einholen und es stellte sich heraus, dass sich die Kette in einem der Wracks, die unter Wasser liegen, verfangen hat. Auch der Versuch, die Kette mittels Fahren in alle Richtungen zu lösen, zeigte keine Wirkung. Sofern wir nicht unseren Anker mitsamt der Kette zurück lassen wollten, war der einzige Weg, die Kette zu lösen, ein Tauchgang. Da wir uns aber wie bereits erwähnt in einem Gebiet mit einer grossen Anzahl an Salzwasserkrokodilen befanden hielt sich die Lust nach einem Tauchgang ziemlich in Grenzen. Auch die Einheimischen raten einem hier schwer davon ab, schwimmen oder tauchen zu gehen und haben uns mitgeteilt, dass sich in unmittelbarer Umgebung des Ankerplatzes momentan etwa neun Krokodile aufhalten.

Was sollten wir also tun? Nach einem Funkgespräch mit einem Mitarbeiter des Hafens hat uns dieser, nach einer erneuten Warnung, dass es nicht sicher sei, ins Wasser zu gehen, die Telefonnummer von Martin gegeben. Dieser Wahnsinnige tauche hier ab und zu um Ankerketten zu lösen, die sich immer wieder mal verheddern. Wir riefen also Martin an, welcher nach kurzer Zeit bei unserem Boot auftauchte. Er sagt, für 300 Dollar würde er tauchen gehen und versuchen, unsere Kette zu befreien. Begeistert ist er von dieser Vorstellung allerdings selbst nicht und teilt uns noch mit, dass es momentan auch einige Bullhaie in der Umgebung habe… Wir sind natürlich gerne bereit, die 300 Dollar zu bezahlen. Martin benötigt dann tatsächlich auch nur zwei Versuche, um unsere Ankerkette komplett frei zu kriegen und wir ziehen ihn schnell wieder an Bord, froh darüber, dass ihm nichts passiert ist. Mit etwas Verspätung und etwas Nervenkitzel sind wir dann doch noch unterwegs nach Indonesien.

Los gehts!

Die Überfahrt war ziemlich angenehm, zwar mit wenig Wind, dafür aber mit ruhigem Meer und dank unserem neu entdeckten Blister-Segel auch mit sehr angenehmem Segeln. Wir hatten dieses Segel zwar seit Beginn unserer Reise an Bord, haben es aber nie benutzt und durften nun merken, dass wir noch ein super hilfreiches Segel an Bord haben. Im Nachhinein ist man immer schlauer…

Duschen an Bord

Und frische Sushi unterwegs

Nach etwa der Häfte der Strecke begegneten wir den ersten Indonesischen Fischerbooten, welche immer mehr wurden. Die Netze, die sie meist Nachts ausgelegt haben, sind einige Kilometer lang und nur spärlich mit ein paar blinkenden LED-Lichtern markiert. Dies macht es fast unmöglich, die Netzte immer rechtzeitig auszumachen und Ihnen auszuweichen. Wir sind dann auch einmal direkt über eines dieser Netze hinweggefahren. Zum Glück hat sich jedoch nichts im Propeller oder Ruder verfangen und wir konnten unbeschadet weiterfahren. Wir waren wieder einmal sehr froh darüber, dass wir ein Boot mit einem breiten, langen Kiel haben, der Propeller und Ruder vor allerlei Gefahren schützt.

Indonesisches Fischerboot

Nein, dies sind nicht die Lichter einer Grossstadt, sondern ein ganze Armee von Fischerbooten mitten im Meer

Nach einer Woche unterwegs sind wir dann in Tual auf den Kai-Inseln angekommen. Als erstes mussten wir natürlich wieder einklarieren, was in Indonesien mit einem Besuch bei der Quarantäne beginnt. Nachdem diese das Schiff inspiziert und die notwendigen Dokumente erstellt haben, geht es weiter zur Zollbehörde, welche das Boot nochmals inspizieren kommt, dann zur Immigrationsbehörde, nochmals zur Quarantäne und zum Schuss noch zum Hafenmeister, der einem das Crusing Permit austellt. Wir benötigten insgesamt drei Tage, bis alle Formalitäten erledigt waren 🙂 Es läuft halt alles sehr langsam und gemächlich ab, dann kommen technische Probleme hinzu (die Zollbehörde konnte zwei Tage keine Bewilligungen erstellen, da das System mal wieder nicht funktionierte) oder mehrstündige Mittagspausen. Alle Mitarbeiter waren jedoch super freundlich und beim Zoll wurden uns während der Wartezeit sogar frische Kokosnüsse serviert. Terima Kasih!

Einfahrt Tual

Indonesische Fischfang-Anlage

Mit der Ankunft in Tual sind wir auch im lebendigen Treiben asiatischer Städte angekommen. Hunderte Töffs fahren kreuz und quer durch die Strassen, aus den Sammeltaxis dröhnt Musik und zwischen das Leben auf dem Markt mischen sich die Rufe des Muezzins. Nach kurzer Angewöhnungszeit finden wir uns aber schon gut zurecht und lernen die ersten Wörter auf Bahasa, der Indonesischen Nationalsprache. Das grösste Vokabular haben wir natürlich im Bereich des Essens, da wir uns fleissig durch alle Indonesischen Spezialitäten essen.

Viele frische Leckereien

Markt in Tual

Bunte Häuser in Tual

Da es im mehrheitlich muslimischen Indonesien schwierig sein kann, Bier zu bekommen, insbesondere an abgelegenen Orten, haben wir vorgesorgt und gross eingekauft. Cheers!

Nach ein paar Tagen in der Stadt segelten wir vier Stunden um die Insel zum Pasir Panjung, dem längsten und bekanntesten Strand der Insel und genossen weissen Sand und türkises Wasser.

Pasir Panjung

Von hier aus machten wir uns auf zu den 180 Meilen entfernten Banda-Inseln, auch als die Gewürzinseln bekannt. Zwischen diesen wunderschönen Vulkaninseln verbringen wir nun die nächsten Tage und erkundschaften die Umgebung.

Einfahrt Banda vorbei am Vulkan

Ankerplatz

Back to Boatlife

Nach langer Zeit gibt es wieder ein Lebenszeichen von uns. Seit unserer Ankunft in Australien im Mai waren wir hauptsächlich damit beschäftigt, unser Boot wieder seetüchtig zu machen. Geplant war das so natürlich nicht 🙂 Aber der Reihe nach.

Nach 7 Monaten in der (kalten) Schweiz freuten wir uns riesig, endich wieder an Bord unserer Juliane steigen zu können. So genossen wir die ersten Stunden und Tage in der Marina Bowen denn auch in vollen Zügen und freuten uns über das Schaukeln unter uns. Es gab auch ein Paar kleinere Arbeiten zu erledigen, ein guter Grundputz war nach 7 Monaten im australischen Sommer, also der heissen Regenzeit, dringend nötig. Aber abgesehen von etwas Schimmel, der sich da und dort angesetzt hat, schien es der Juliane gut zu gehen und wir freuten uns auf baldige neue Abenteuer.

Pile Moorings Bowen – Den Kaffee gibts nun wieder auf dem Meer

Nach zwei Wochen verliessen wir Bowen in Richtung Airlie Beach. Auch wenn wir die 40 Seemeilen hauptsächlich unter Motor zurücklegten, war es ein wunderbares Gefühl, endlich wieder in See zu stechen und wir beide genossen es, wieder auf dem Meer und unter dem Sternenhimmel des Pazifiks unterwegs zu sein.

Wir stechen wieder in See

In Airlie Beach verbrachten wir dann etwa eineinhalb Wochen, zwischendurch gab es noch einen Wochenend-Ausflug nach Cid-Harbour mit Rhea, Matt und Josh, die uns an Bord besuchten.

Juliane in Airlie Beach

In der zweiten Juniwoche ging es dann nach Mackay, wo wir unseren Termin fürs Haul-Out hatten. Ein neues Antifouling war angesagt, zudem wollten wir noch unseren neuen Gasherd/-ofen einbauen. Wir planten, die Zeit auf der Werft möglichst kurz zu halten, da der Preis für einen Bootsplatz auf dem Trockenen mit 90 AUD (70 CHF) pro Tag extrem teuer war. Zudem wollten wir auch möglichst schnell wieder zurück in Wasser und auf nach Indonesien.

Ready fürs Haul-Out

Und es geht hoch…

und höher

Waterblasting – Die Juliane wird gereinigt

Aber wie es halt so oft ist mit unseren geliebten Schiffen, machen diese uns oft einen Strich durch die Rechnung. Es stellte sich heraus, dass das Unterwasser wieder in einem ziemlich schlechten Zustand war und wir wohl oder übel möglichst den ganzen Rumpf auf den blanken Stahl hinabschleifen müssen. Zum Glück hat es sich nach zwei Tagen Schleifen ergeben, dass wir den grössten Teil des Unterwassers relativ günstig Sandstrahlen lassen konnten, was uns so einiges an Schleifarbeit erspart hat.

Zurück auf dem Stahl hat sich jedoch immer mehr gezeigt, dass der Rumpf an gewissen Orten in einem viel schlechteren Zustand war als erwartet. Was sich als kleine Rostflecken bemerkbar machte, wurde nach abschleifen und hämmern zu Löchern, die durch den Rumpf gingen. Bei den ersten Schweissversuchen zeigte sich dann noch, dass der Stahl auch an Stellen, die von Aussen tadellos aussahen, nicht mehr in gutem Zustand war. Um Klarheit über das Ausmass und den Zustand des Schiffes zu erhalten, liessen wir eine Ultraschall-Messung des gesamtem Rumpfes machen. Somit wussten wir, wo der Stahl noch wie dick ist und welche Stellen mit zusätzlichen Stahlplatten verstärkt werden mussten.

Eines unserer Löcher

Zahlen vom Survey

Aufgeschweisste Platte

Das Schweissen war teils eine nervenaufreibende Angelegenheit, da wir von Innen an viele Stellen aufgrund des Innenausbaus nicht richtig herankamen. Da der Stahl jedoch auch auf der Innenseite extrem heiss wird und die Farbe teils auch leicht zu brennen begann, versuchten wir so gut es ging mit Wasserspray und nassen T-Shirts die Innenseite abzukühlen. Wir waren jedoch ziemlich froh, als das ganze Schweissen vorbei war. Danach wurden alle Schweissnähte und die neuen Platten mit Spachtelmasse bearbeitet, um das ganze zusätzlich noch etwas zu schützen sowie für eine etwas gleichmässigere Form des Rumpfes.

Nach dem Spachteln – schon wieder fast wie neu

Nach wochenlanger Arbeit (geplant waren 2 Wochen auf dem Trockenen, es wurden deren 7) konnten wir dann endlich die Antifoul-Anstriche anbringen und zurück in Wasser. Durch diese ungeplante Verzögerung kamen wir langsam ziemlich unter Zeitdruck, da unser dreimonatiges Visa für Australien am 21. Ausgust ausläuft und wir bis zu unserem Ausklarierunghafen noch eine 7-tägige Überfahrt vor uns hatten. Es hiess also Gas geben. Zurück im Wasser blieben wir noch für etwas mehr als eine Woche in der Marina in Mackay und erledigten noch die letzten Arbeiten, die notwendig waren, um lossegeln zu können. Unter anderem wurde unser neuer Gas-Herd/-ofen eingebaut, was die Lebensqualität an Bord gleich wieder auf ein neues Level hebte.

Erster Antifoul-Anstrich – Die Juliane wird blau

Back to Black und ab in den Kran – Der Name wurde auch noch neu angeklebt (Marco, falls du das liest, wir haben an dich gedacht!)

Der neue Herd sitzt.

Am 10. August fuhren wir dann los, etwas über 800 Seemeilen die Ostküste hinauf zur Torres Strait, dem nördlichsten Punkt Australiens. Für 7 Tage segelten wir durch das Great Barrier Reef, welches sich über die gesamte Strecke entlangzieht. Noch selten waren wir so dankbar für äusserst exaktes Kartenmaterial und GPS, ohne diese wäre eine solche Non-Stop-Riffdurchfahrt schlicht nicht möglich. Nun sind wir seit zwei Tagen in der Torres Strait, wir ankern vor Horn Island, gleich gegenüber von Thursday Island. Das Klima ist wieder richtig tropisch mit knapp 30 Grad am Tag und etwa 24 Grad in der Nacht, was genau unserem Geschmack entspricht. Man merkt, dass der Äquator wieder näher kommt, wir befinden uns noch auf 10 Grad Süd. Auch das Leben läuft hier oben wieder etwas gemächlicher ab, und wir geniessen dieses Inselleben. Der einzige Wehrmutstropfen ist, dass aufgrund der vielen Salzwasserkrokodile, die es hier gibt, überall davon abgeraten wird, im Meer zu baden. Sobald wir in Indonesien sind, wird sich dies aber auch wieder ändern.

Eines der vielen Cargoschiffe, die uns begegneten

Sonnenuntergang vor Hinchinbrook Island

Endlich wieder frischer Fisch – Spanische Makrele

Blick auf Thursday Island

Am Dienstag, 21. August, brechen wir dann auf nach Indonesien. Wir kosten unser Visa also bis zum letzten Tag aus 🙂

Wir steuern als erstes die Stadt Tual auf den Kai-Inseln an. Von dort hangeln wir uns dann weiter durch einige der über 16’000 Inseln, die zu Indonesien gehören.

Whitsunday Islands und Buschfeuerbekämpfung

Bereits am ersten Tag, an dem wir mit Michi und Gioia in die Whitsundays segelten, konnten wir einmalige Buckelwal-Szenen beobachten. Eine Walmutter hatte gerade ihr Baby bekommen. Sie trieb an der Wasseroberfläche und hielt ihr Neugeborenes mit der Schnauze nach oben, bis dieses selbständig schwimmen konnte. Was für ein schöner Start! In den folgenden Wochen konnten wir immer wieder Buckelwale beobachten, manchmal sogar ganz nah an unserem Boot. Während eines Spaziergangs auf Brampton Island hatten wir sogar das Glück, eine Gruppe von Orcas vorbeischwimmen zu sehen, das war ziemlich unerwartet und beeindruckend. Offenbar kommen die Orcas in dieser Jahreszeit hierhin, um die neugeborenen Buckelwale zu jagen. Immer wieder spannend diese Mechanismen der Natur.

Wenn wir nicht gerade Wale beobachteten, verbrachten wir unsere Zeit mit Spaziergängen über die verschiedenen Inseln, segeln und fischen und genossen das Nichtstun. Beeindruckend war auch, auf allen Inseln die Sturmschäden von Cyclone Debbie, der im April 2017 über diese Gegend zog, zu sehen. Viele Bäume lagen am Boden und diejenigen, die noch standen, waren meist komplett kahl. Ganze Sandstrände wurden ins Landesinnere geblasen und an den Stränden türmten sich Berge von angeschwemmten Korallen. Wir hoffen, dass diese Gegend in der kommenden Cyclone Saison verschont bleibt, da wir für ein halbes Jahr zurück in die Schweiz kommen um zu arbeiten und unsere geliebte Juliane hier lassen.

Im Moment sind wir wieder auf der Farm und als wir hier ankamen, gab es als erstes einen Schock. Grosse Bereiche des Landes brannten, die Feuerwehr war zum Glück bereits hier und hatte das Buschfeuer soweit unter Kontrolle, dass zumindest für die beiden Häuser keine Gefahr mehr bestand. Das Ganze war dennoch ziemlich beängstigend, und die letzten Baumstummel brannten noch Tage danach. Zum Glück ging alles gut und niemand kam zu schaden.

In den nächsten Tagen gehen wir nochmals aufs Boot und bereiten alles vor, um die Juliane für die nächsten sechs Monate alleine zu lassen. Ab Mitte Oktober sind wir dann in der Schweiz und melden uns ab Ende April 2018 wieder zurück mit der Fortsetzung unserer Segelreise.

 

Tierische Zeiten

Unsere letzten Tage in Vanuatu verbrachten wir vor der Ratua Insel. Nach Ausgiebigem Insel-Hopping genossen wir hier mal wieder das Sein und natürlich die vielen Schildkröten, die wir in dieser Bucht zu sehen bekamen. Alle paar Minuten streckte eine Schildkröte ihren Kopf aus dem Wasser. Auch unter Wasser hatten wir die Möglichkeit, diese tollen Tiere zu beobachten. Nach einigen Tagen an diesem schönen Ort brachen wir auf nach Luganville, der zweitgrössten Stadt Vanuatus. Hier kauften wir Proviant ein für die nächste Überfahrt und erledigten die Ausklarierungsformalitäten. Wir verliessen Vanuatu dann mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Die Vorfreude, nach Australien zu segeln und dort viele alte Bekannte zu treffen, war gross. Wir hatten aber auch eine fantastische Zeit in Vanuatu und wären gerne noch einige Monate länger dort geblieben.

Nemo in Vanuatu

Schildkröten

Ratua Island

 

Die Überfahrt war in den ersten Tagen etwas ruppig, die überraschend kurzen Wellen liessen unsere Juliane gut schaukeln und raubten mir teils die Nerven. Nach ein paar Tagen beruhigte sich das Meer jedoch und wir schipperten gemütlich dahin. Unterwegs gabs diverse tierische Besuche, Delfine zeigten sich regelmässig, meist zum Sonnenuntergang, vor unserem Bug. Auch Vogelbesuche gabs, einer blieb eine volle Nacht sitzen. Da am nächsten Morgen unser Boot voller Vogelkot war und dieser auch noch abscheulich stinkt, verscheuchten wir die gefederten Besucher fortan. Gegen Ende der Überfahrt verabschiedete sich der Wind dann fast ganz, Motor an, weiter geht’s! Etwa 100 Seemeilen vor der Küste Australiens begann das Great Barrier Reef, durch eine gut betonnte und auch relativ breite Einfahrt passierten wir dieses. Hinter dem Riff wurde das Meer dann nochmals deutlich ruhiger, die grossen Wellen des Pazifiks brechen auf dem Riff. Wir hörten und sahen Buckelwale aus der Entfernung, die momentan Richtung Norden ziehen, um im warmen Wasser zu gebären. So verbrachten wir angenehme letzte 24 Stunden, bevor wir dann in Mackay anlegten, um einzuklarieren. Wir hatten ziemlichen Respekt vor dem Einklarieren in Australien, hatten wir doch zuvor viele „Horrorstorys“ im Internet gelesen und von anderen Seglern gehört. Anscheinend werden die ankommenden Boote teils komplett ausgeräumt und durchsucht, und das bei einem Ansatz von 50 Dollar pro Viertelstunde. Das ganze Prozedere verlief dann aber erstaunlich unkompliziert und professionell ab.

Segeln in den Sonnenuntergang…

… mit Begleitung von Delfinen

Delfine am Tag

Vogelbesuch

 

Nach ein paar Tagen auf See und vor Anker liessen wir unsere Juliane dann an einer Mooring in Airlie Beach zurück und fuhren für eine Woche auf das Farmhaus von Andis ehemaliger Gastfamilie. Es war das erste Mal, seit wir vor zwei Jahren aus der Schweiz abgereist sind, dass wir unser schwimmendes Zuhause für eine so lange Zeit verlassen haben. Dank den vielen neuen Eindrücken auf der Farm geriet das Boot aber schon bald in Vergessenheit. Am Nachmittag zeigte sich im Garten der Farm zuerst ein grosser Guana, der ruhig umherspazierte. Während dem Apéro auf der Veranda sahen wir dann plötzlich Wallabys, kleine Känguruhs, durch die Felder hoppeln. So ging es dann Tag für Tag weiter und wir konnten die australische Naturwelt ohne grosse Anstrengung geniessen, sie passierte einfach um uns herum. Mit Simi und Sam, die aus der Schweiz angereist waren, besuchten wir dann noch den Eungella National Park. Einige Tage später fuhren wir zurück zu unserer Juliane, gemeinsam mit Simi und Sam. Da Simi leider seekrank wurde, mussten sie das Boot jedoch bereits nach zwei Tagen wieder verlassen. Wir bastelten somit noch etwas am Schiff herum, die überholte Ankerwinsch wurde wieder montiert, und seit gestern haben wir bereits neuen Besuch aus der Schweiz, Gioia und Michi sind angereist. Mit ihnen erkunden wir nun in den nächsten Tagen die Whitsunday Islands.

Frosch auf der Farm

Ausnahmsweise gesundes Frühstück

Wasserfall im Nationalpark

Kava number one

Briefe von Herr Hürzeler

Kava number one

Als James Cook irgendwann im 17. Jahrhundert nach Vanuatu kam, konnte er die Inseln von Vanuatu und die Einwohner, Ni-Vanuatu genannt, nicht erkunden. Die Ni-Vanuatus waren Kriegerstämme, kannibalisch und machten Cook unmissverständlich klar, dass er nicht willkommen sei. Die Zeiten haben sich zum Glück geändert und die Juliane konnte eine neue, wunderschöne und spannende Seite vom Pazifik kennenlernen. Vanuatu ist ganz anders als alle Inseln, die wir bis jetzt im Pazifik besucht haben und trotzdem haben wir alles wiedergefunden was uns bis jetzt im Pazifik so gefallen hat.

Cook war also irgendwann im siebzehnten Jahrhundert schon da und irgendwann kamen dann auch die englischen und französischen Kolonialschiffe. “Dummer Weisse” wollten sowohl die Franzosen wie auch die Engländer sich in Vanuatu niederlassen und so kam es zu einer irrwitzigen Lösungen. Beide Länder bauten eine Regierung auf, Banken, Schulen, Polizei etc. und so kommt es, das in Vanuatu bis heute neben Bislama (wo es wiederum ca. 100 Dialekte gibt), Französisch und Englisch gesprochen wird. So, das reicht jetzt mit Wikipedia-Wissen.

In Port Vila, der Hauptstadt, fanden wir uns schnell zurecht, erledigten ein paar Kleinigkeiten an Bord und zelebrierten den Überfluss. Es war etwas “strange”, plötzlich wieder in einer Stadt zu sein, nach der Erfahrung auf der Insel Tanna, wo die Leute ausnahmslos mit Feuer kochen und Solarlichter der grösste technische Luxus darstellt für die Dorfbewohner. Port Vila war quasi ein Heimspiel für uns, wir besuchten ein HipHop, Dancehall OpenAir und feierten mit dem neu gegründeten “1Rebel Soundsystem / Port Vila” zu dröhnenden Bässen. Nur die Hamburger waren mit zwei Franken pro Stück deutlich günstiger als was wir uns von Zürich gewohnt sind.
Spätestens nach diesem tollen Abend war klar, wir wollen nicht in der Stadt hängen bleiben, neues sehen und so segelten wir am nächsten Tag, mit einem leichten Kater, los zur Insel Emae. Die Nachtfahrt nach Emae war eine Bilderbuchfahrt. Nach ein paar Stunden kam eine gute Brise auf und der Windpilot steuerte uns präzise am Cook Reef vorbei an den Strand von Sulua. Kurz vor Ankunft ging die Sonne auf und mit Ihr surrte die Fischrute und der zweite Wahoo landete im Cockpit von Juliane. Bei unserem Landausflug verschenkten wir den grössten Teil des Wahoos und uns wurde gezeigt, wie die Leute von verschiedenen Inseln in Sulua geschult werden um Früchte und Obst zu trocknen. Ein simples Plastik-Holz-Gestell mit einem Solarlüfter und Metallgitter soll den Inselbewohner in Zukunft helfen, bei einem Ernteausfall nach einem Zyklon besser über die Runden zu kommen. Nach dem Zyklon “Pam” 2015 war Vanuatu auf Internationale Hilfe angewiesen. Die Ernährungsgrundlage in Form von Kokospalmen und Maniok wurden teilweise komplett zerstört. Für den nächsten grossen Zyklon wollen sie besser vorbereitet sein.

Am nächsten Morgen kam etwas Wind auf und es wurde uns zu schauklig in der Bucht, also segelten wir eine Insel weiter nach Epi. In Revolieu Bay sank der Anker neben dem Riff auf Sand und Herr Hürzeler schnorchelte das Riff ab. Es gab einiges zu sehen, viele “Nemos” (Clownfische), die ihre Anemonen beschützen und grosse Snapper Schwärme. Der schwarze Sandgrund gefiel der Kapitänöse gar nicht, zu viele Hai Geschichten und Weisheiten, dass schwarzer Sandgrund speziell gefährlich sei, liessen nur kurze Aufenhalte im Wasser zu. Naja, ein paar Buchten weiter in der Lamen Bay soll weisser Sand sein und erst noch viele Riesenschildkröten und Dugongs (Seekühe) anzutreffen sein, also wurde der Haken am nächsten Tag bereits wieder an Bord gehievt und es ging nach Lamen Bay. Einmal mehr waren wir das einzige Schiff in der Bucht und kurz vor Ankunft hing ein kleiner Albacore Tuna an der Angel, den wir an Land gleich in Avocados und Papayas eingetauscht haben. Etwas später bekamen wir doch noch Besuch von einem Segelboot, “Second Wind” ankerte neben uns und wir wurden auf ein Bier eingeladen. Während dem ersten Bier schnaufte es hinter uns im Wasser und eine Riesenschildkröte tauchte direkt neben dem Boot auf. Kurz darauf schnaubte es im Wasser und eine Dugong zeigte sich. Das musste mit Rum und Gin Tonic gefeiert werden und wir hatten einen lustigen Abend mit Art und Nancie. Art war Orchestrator und Nancie spielte professionell Violine und unterichtete. Gerne hätten wir zugehört, wenn sie für die Dorfbewohner am Strand spielten (die meisten Ni-Vanuatus haben noch nie eine Violine gesehen oder gehört) aber die beiden mussten am nächsten Morgen bereits wieder los, weil sie noch die letzte Möglichkeit nutzen wollten um auf der Insel Pentecost die “Landdiver” (ursprüngliches Bungee-Jumping an Lianen) zu sehen.

Wir genossen die nächsten zwei Tage in der Lamen Bay, fuhren mit dem Dinghy rüber zur Lamen Island und beobachten die Dugongs und Turtles in der Bucht. Bei der Abfahrt von Lamen Bay wurden wir von Delfinen verabschiedet und nahmen Kurs auf eine der grössten Inseln von Vanuatu, Malekula. Dort angekommen ankerten wir vor dem Dorf Peskarus und sahen gleich mehrere Dugongs im Wasser. Gerne hätten wir mit den Dugongs geschnorchelt, aber es war zimlich windig, deshalb entschieden wir uns den Anker noch mal zu heben und ein paar Meilen weiterzufahren, wo wir zwischen der Hauptinsel Malekula und der Insel Awai einen perfekt geschützten Ankerplatz fanden. Kurz nach Ankunft bekamen wir Besuch von der Familie, die auf Awai wohnt. Uns wurde gesagt, dass wir uns frei bewegen dürfen auf der Insel und es keinen “Chief” gäbe, wo wir Erlaubnis einholen müssen, da sie die einzige Familie seien auf der Insel. Der Kapitän wurde gefragt ob er vielleicht helfen könnte, sie hätten ein Problem mit ihrem Solarlicht und wir verabredeten, dass wir am nächsten Tag mit Werkzeug vorbeikommen. Das billige Solarlicht Made in China konnte geflickt werden, wir wurden mit Früchten und Gemüse belohnt und am nächsten Tag hatten wir vier neue Lichter an Bord, die auch irgendeinen Defekt hatten. Dann kam noch ein Onkel von der Nachbarinsel Avokh, der einen Inverter vorbeibrachte, welcher nicht mehr funktionierte und es war klar, das Buschtelefon funktionierte ausgezeichnet in Vanuatu. Nach drei Tagen verabschiedeten wir uns, kauften der Famile noch eine Mud-Crab ab, die unterwegs nach Port Sandwich gekocht, geknabbert und dann noch in Taligatelle verarbeitet wurde. Port Sandwich ist eine sehr gut geschütze Bucht und es war das erste Mal in Vanuatu, wo wir an einen Ankerplatz kamen und bereits Boote da waren. Uns war nicht ganz klar wieso, schön war es zwar, aber gleichzeitig hat die Bucht den Ruf, dass man nicht baden gehen soll weil grosse, aggressive Haie rumschwimmen. Vielleicht lag es daran, dass es in Port Sandwich 3G Internet hatte und das die Segler bekanntlich anzieht wie Motten das Licht. Wir machten ein paar Auflüge an Land und mit dem Dinghy. Die Leute waren einmal mehr extrem freundlich und es waren die ersten Dörfer, die wir besuchten, wo die Leute mehrheitlich Französisch sprachen.

Nach zwei Tagen ohne schwimmen im Wasser hatten wir genug und wir motorten drei Stunden weiter in die Banam Bay. Das war die richtige Entscheidung. Wunderschöner Strand, türkises Wasser und der Chief vom Dorf begrüsste uns persönlich am Strand. Zufällig war noch der Vize Minister von der Region zu Besuch und wir wurden überhäuft mit Früchten. Die Frage, ob wir etwas bezahlen dürfen, wurde verneint und wir wurden eingeladen am Abend mitzukommen ins nächste grössere Dorf um Kava zutrinken. Irgendwie war nicht ganz klar, ob Nathalie als Frau auch Kava trinken darf, die Frau vom Chief sagte uns, dass die Frauen kein Kava trinken, der Chief meinte aber jaja Frauen dürfen auch Kava trinken. Wir verabschiedeten uns und versprachen nach Sonnenuntergang mit dem Dinghy zurück zu kommen. Wir wollten zuerst aber noch etwas am Strand spazieren und zurück aufs Boot um etwas zu essen. Nach etwa 500m am Strand entlang kamen zwei Jungs im Outrigger Kanu angeruddert, wir wurden angestrahlt und mit Hand und Fuss und auf Bislama wurde uns erklärt, dass wir mitkommen sollen zum Chief. Mmhh noch mal ein Dorf, okay, Hände schütteln, Früchte werden gebracht und der Chief fragt uns, ob wir am nächsten Tag vorbeikommen wollen, die Kinder würden für uns den lokalen Tanz aufführen. Klar wieso nicht, in unserem Segler Guide der zwanzig Jahre alt ist wurde das erwähnt und der Preis für die Aufführung hat sich in zwanzig Jahren auch nicht verändert. Wir versprachen am nächsten Tag um vier Uhr vorbeizukommen.

Nach Sonnenuntergang stand der Chief am Strand und lotste uns mit einer Taschenlampe durch das Riff, damit unser Dinghy und Aussenborder heil am Strand ankam. Durch den Regenwald ging es an Kühen, Hunden, Schweinen und Hühner vorbei ins Landesinnere, wo wir nach einer Viertelstunde im einem grossen Dorf ankamen. Die Kava Bar funktionierte simpel, für einen Franken gab es einen Gutschein und für den Gutschein gab es ein Schale Kava. Schnell begriffen wir, dass man Kava hier nicht in kleinen Schlücken trinkt sondern “ext” und Herr Hürzeler bekam Annerkennung weil er das anstandslos kopierte und immer brav sagte “Kava number one” was so viel heisst wie “Kava ist sehr gut”. Die Männer waren alle sehr interssiert an uns und Nati musste den ganzen Abend die gleichen Fragen beantworten (“Lebt dein Vater noch?”, “Kommt ihr aus Australien oder Fiji?”). Die Gesprächsthemen waren eingeschränkt, weil die meisten älteren Männer sehr wenig Englisch sprechen und Bislama teilweise komplett unverständlich ist für uns. Nach ein paar Runden Kava schlief der Chief, der uns eingeladen hat, fast ein und der Chief vom grossen Dorf liess für Nati noch Reis, mit wildem Kohl und Chinanudeln kochen, was eine unessbare Mischung ergab die wir gemeinsam versuchten zu essen aber nach der Hälfte kapitulierten und singalisierten, dass es für uns langsam Zeit wird zurück aufs Boot zugehen. Unser Stranddorf Chief war nicht mehr allzu gut auf den Beinen, fand den Weg durch den Regenwald zurück an den Strand aber problemlos. Ich und Nati waren uns einig, dass ausser etwas gelähmter Zunge und Lippen das Kava nicht allzu viel ausrichtet. Der Kapitän zeigte sich etwas entäuscht da doch das Vanuatu Kava das stärkste Kava vom Pazifik sein soll. Als wir dann zurück an Bord waren fiel uns beiden das erste Mal auf, dass wir wohl doch etwas belämmert sind. Das Boot schwankte deutlich mehr als sonst und die Standfestigkeit liess zu wünschen übrig. Herr Hürzeler schlug vor noch einen puren Rum zutrinken um den Magen zu desinfizieren, zu diesem Zeitpunkt war es aber schon zu spät für Nati und sie übergab das Kava dem Meer.

Vanuatu Kava number one! Stret!

Es grüsst aus Vanuatu der Kapitän,

Herr Hürzeler

Fotos:

 

Port Resolution und Mount Yasur

Am dritten Tag nach unserer Ankunft verliessen wir Lenakel in Richtung Port Resolution, an der Ostküste der Insel Tanna. Bereits unterwegs sah man dichten Rauch vom Vulkan Yasur aufsteigen, die Vorfreude auf den Vulkanbesuch stieg. Kurz vor Ankunft in Port Resolution hatten wir auch schon wieder Fischerglück, ein grosser Wahoo war an der Angel. Damit hatten wir auch bereits ein gutes Begrüssungsgeschenk für die Dorfbewohner von Port Resolution. Einen Teil des Fisches schenkten wir unseren Nachbarn in der Ankerbucht, welche uns danach auch gleich zum Apero mit Gin Tonic und feinem Salami und danach noch zum Abendessen auf ihrem Katamaran einluden. Nach dem Essen gabs noch guten Rum zum Dessert und für Andi eine Cohiba, wir wurden wahrlich verwöhnt. Es ist immer wieder schön, von gut ausgeschatteten Katamaran-Besitzern eingeladen zu werden.

Am nächsten Tag erkundeten wir die langen Sandstrände der Insel und kletterten über die grossen Lavabrocken dem Meer entlang.

Port Resolution ist ein einfaches, kleines Dorf mit etwa 300 Einwohnern. Die Hütten sind mit wenigen Ausnahmen, alle noch aus Holz und Palmblättern gebaut, die Einwohner leben von Fisch und allem, was im Garten wächst. Und dies ist so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann. Die Insel ist extrem grün und von Bananen, Papaya und Kokosnüssen zu Peperoni, Gurken und vielem mehr wächst hier praktisch alles. Die Dorfbewohner sind sehr freundlich und herzlich und bei den Besitzern des Boat Clubs konnten wir unseren Trip zum Vulkan organisieren.

Um drei Uhr nachmittags ging es los, zuerst musste jedoch noch das Auto mit gemeinsamer Kraft angeschoben werden. Nach einer halbstündigen Fahrt durch die Insel kamen wir am Fusse des Vulkans an. Von dort fuhren wir mit einem Pickup nochmals zehn Minuten den Vulkan hoch, um dann nach einem einminütigen Fussmarsch am Krater des Vulkans zu stehen. Es heisst also nicht umsonst, dass der Mount Yasur der am einfachsten zugängliche aktive Vulkan ist. Obwohl bei Tageslicht praktisch nur Rauch zu sehen ist, war es doch schon ziemlich beeindrucken, am Krater eines Vulkans zu stehen. Auch die erste Explosion war ziemlich beeindruckend, der Vulkan explodiert etwa alle zwei Minuten. Erstaunt hat uns, dass bei jeder Explosion die dadurch entstehende Druckwelle klar von Auge sichtbar ist. Richtig spannen wurde es dann erst mit Einbruch der Dunkelheit, nun sah man das Glühen der Lava und die umherfliegenden Lavabrocken beim Explodieren. Der Ausflug hat sich voll und ganz gelohnt.

Seit einem Tag sind wir nun in Port Vila, der Hauptstadt von Vanuatu, auf der Insel Efate. Der Kontrast zu den Dörfern ist gross, es gibt dutzende Shops, Autos überall und diverse Bars und Restaurants. Der Gemüsemarkt ist riesig und im hinteren Teil der Markthalle gibt es gutes und sehr günstiges lokales Essen, was wir natürlich sofort probieren mussten. Eine freudige Überraschung war es zudem, als wir die Preise für den Alkohol, den wir hier Duty Free beziehen können, sahen. Wir haben unsere Bordbar natürlich sofort gut ausgerüstet. Die nächsten paar Tage werden wir noch in Port Vila verbringen, danach geht’s dann weiter nach Norden, um noch einige andere Inseln von Vanuatu zu erkunden. Wir können aber bereits jetzt sagen, dass uns Vanuatu super gefällt und wir uns hier sehr wohl fühlen.

Zurück in den Tropen

Wir haben es geschafft! Wir sind zurück in den Tropen, da wo es schön und warm ist.

Am Sonntagmorgen sind wir nach 9 Tagen auf See in Lenakel angekommen. Lenakel ist der Hauptort der Insel Tanna, welche zur Inselgruppe von Vanuatu gehört.

Die ersten 6 Tage der Überfahrt waren von viel Wind und Wellen geprägt, dies wussten wir jedoch bereits vor unserer Abfahrt. Anstrengend war es trotzdem, vor allem auch deshalb, weil wir nach 6 Monaten Seglerpause in Neuseeland nicht mehr ganz so seefest waren wie auch schon. Es wurden viele Crackers gegessen und wenig gekocht. Dies lag teilweise jedoch auch daran, dass der Auspuff unseres Dieselkochers immer wieder mit Wellen bedeckt wurde, weshalb wir ihn möglichst geschlossen lassen mussten. Das positive am vielen Wind war, dass wir schnell in Richtung Norden unterwegs waren und es mit jedem vergangenen Tag spürbar wärmer wurde. Die anfänglich getragenen Kappen und Wollpullover wurden langsam abgelegt, wir waren wortwörtlich wieder auf der „Barfussroute“.

Nach 6 Tagen beruhigte sich der Wind und mit ihm die Wellen, sodass wir für die letzten 3 Tage wieder perfektes Seglerwetter im warmen Revier geniessen konnten. Am Abend vor unserer Ankunft hing zur Krönung dann noch ein MahiMahi, unser Lieblingsfisch, am Haken. Seit über einem Jahr haben wir nun keinen MahiMahi mehr gefangen, dementsprechend war die Freude an Bord gross. Nach der Ankunft in Lenakel gingen wir erst mal auf eine kurze Erkundungstour an Land, die Büros von Immigration und Customs waren am Sonntag jedoch ziemlich verlassen. Somit verschoben wir das Einklarieren auf Montag, erkundeten das Dorf noch ein wenig, kauften (natürlich!) eine SIM-Karte mit Internetguthaben und gingen schwimmen im endlich wieder angenehm warmen Wasser.

Am Montag wurde dann einklariert, zumindest bei der Immigration, der Typ vom Zoll ist momentan nicht auf der Insel, weshalb dies erst in Port Vila erledigt werden kann. Immer wieder spannend und unterhaltsam, was einem beim Einklarieren in den verschiedenen Ländern so wiederfährt. Danach besuchten wir noch den lokalen Markt, wo es wieder diverse Früchte und Gemüse zu himmlisch günstigen Preisen zu kaufen gab, kein Vergleich zu den teuren Frischwaren in Neuseeland. Wir schlugen natürlich ordentlich zu, von Mandarinen, Ananas, Papaya und Pampelmuse zu Bohnen und Pak Choi, alles ging in unsere Tasche. Ansonsten geniessen wir momentan das schöne Nichtstun in den Tropen, heisst Schwimmen, Schnorcheln, Lesen, Kochen, Schlafen. Morgen segeln wir um die Südspitze von Tanna nach Port Resolution, von wo aus wir dann den aktiven Vulkan Yasur besuchen wollen.

Haul out time

Wir melden uns zurück aus Neuseeland, ausnahmsweise steht die Juliane nun an Land. In den letzten Wochen haben wir noch einige Arbeiten erledigt, am Motor sowie am hydraulischen Steuersystem einen Service durchgeführt. Dazwischen gabs noch einen Ausflug auf die Insel Urupukapuka. Mit all diesen Ortsnamen hier fühlt man sich manchmal wie Pipi Langstrumpf.

Nun stehen wir seit eineinhalb Wochen auf dem Trockenen. Da unser Unterwasser in schlechterem Zustand als erwartet war, musste zuerst ein grosser Teil runtergeschliffen werden, bevor wir mit dem Aufbau der Farbe beginnen konnten. Nun ist aber alles erledigt und die Juliane strahlt schon fast wieder im alten Glanz. Am Mittwochmorgen geht’s zurück ins Wasser, bis dahin putzen wir unser liebes Schiff noch ein bisschen und geniessen die Vorzüge von fliessend Wasser und Strom an Land– wir können unsere elektrische Heizung laufen lassen 🙂

Mit dem nächsten guten Wetterfenster geht’s dann endlich zurück in die Tropen nach Vanuatu. Von dort werden wir dann hoffentlich auch wieder von spannenderem als Bootsarbeiten berichten können. Wir melden uns wieder aus den Tropen und wünschen bis dahin einen schönen Schweizer Frühling.

 

Make Juliane Great Again – Oder neuseeländische Härteprüfung

So, wir melden uns endlich mal wieder aus Neuseeland. Die Zeit seit unserer Ankunft verging wie im Fluge, und unerwartete „Bootsprojekte“ haben uns voll und ganz in Anspruch genommen. Aber der Reihe nach.

Nach ersten regnerischen Tagen in Neuseeland hat sich das Wetter doch meist gnädig mit uns gezeigt, die Sonne schien oft und schaffte es im Verlaufe des Tages auch meistens, die kühle Luft aus der Antarktis aufzuwärmen, sodass wir mehrheitlich doch wieder in T-Shirt und FlipFlops leben können. In der Nacht fallen die Temperaturen jedoch weiterhin auf 12 bis 15 Grad Celsius. Ja, wir wissen es, mit dem Schweizer Winter können wir nicht mithalten. Für uns fühlen sich diese Temperaturen jedoch immer noch ziemlich kalt an.

Bevor die grosse Arbeit am Boot begann, schafften wir es doch noch ein paar mal, die Umgebung auf den vielen Wanderwegen zu erkunden. Und dank unserem netten Bootsnachbar Patrick, dessen Auto wir jeweils ausleihen dürfen, haben wir auch schon einige Einkaufs- und Besichtigungstouren nach Whangarei (wo wir ein super Thai Restaurant entdeckt haben) und Kerikeri unternommen.

Kurz vor Weihnachten begannen wir dann so richtig an unserer Juliane zu arbeiten. Zuerst wurde der vordere Teil des Aufbaus neu gestrichen sowie alle Fenster neu eingeklebt – diese waren vorher nicht mehr dicht. Soweit alles gut. Nach Weihnachten wollten wir dann auch den hinteren Teil des Aufbaus neu Streichen. Da dieser jedoch noch mit alter einkomponenten Farbe gestrichen war, und wir auf zweikomponenten Farbe wechseln wollten, musste zuerst die ganze alte Farbe abgeschliffen werden. Als wir dann auf dem Holz waren, zeigte sich, dass einige Teile des Aufbaus komplett morsch waren, da über Jahre hinweg immer wieder Wasser hinein gelangte. Nach einer Weile wurde uns klar, dass wir wohl oder übel ganze Teile des Aufbaus austauschen müssen. Hierfür musste erst mal das morsche Holz raus, dann die Stahlverstrebungen darunter vom Rost befreit und gestrichen werden. Problematischer als erwartet stellte sich das finden von neuem Holz heraus, die grösste Holzfirma Neuseelands hatte dazu noch Weihnachtsferien bis in die zweite Januarwoche. Nachdem wir das Holz dann besorgen konnten, mussten anhand von Mustern die neuen Platten zugeschnitten und geleimt werden, hierfür hatten wir grossartige Hilfe von Pedro, von Beruf Bootsbauer und momentan auch auf Reisen in Neuseeland. Ohne seine Hilfe und Ratschläge wären wir teils komplett überfordert gewesen. Nachdem die neuen Platten dann noch mit Epoxy eingestrichen worden sind, konnten wir diese, nach einen Monat mit Löchern im Boot, endlich wieder einkleben und –schrauben. Nach und nach machte das Boot nun wieder Fortschritte, der Aufbau wurde gestrichen, und seit ein paar Tagen sind endlich auch wieder die letzten beiden Fenster drin. Wir sind soweit wieder dicht! Was hier nun so kurz zusammengefasst und beschrieben wird, war unsere bisher grösste Härteprüfung. Was als Projekt von einer Woche begann, endete mit über eineinhalb Monaten Arbeit, Schweiss und teils auch Tränen. Zum ersten mal kamen wir beide zwischendurch an einen Punkt, an dem wir das Boot am liebsten verlassen hätten. Zum Glück hielten diese Momente nie lange an und wir wechselten uns meist ab mit unseren Krisen, sodass wir uns gegenseitig wieder aufbauen konnten. Jetzt ist die Welt wieder in Ordnung und es stehen nur noch ein paar kleinere Detailarbeiten an und dann ist das Projekt Aufbau endlich abgeschlossen. Es lebt sich aber schon jetzt wieder viel viel besser an Bord, man lernt es zu schätzten, wenn keine Löcher im Boot sind.

Vor zwei Wochen machten wir einen kleinen Arbeitspause- Ausflug mit dem Boot zur Roberton Island, eine von vielen Inseln in der Bay of Islands. Zum ersten mal seit wir Ende November in Opua den Anker eingefahren haben, wurde unsere liebe Juliane wieder bewegt. Sie genoss es sichtlich, wir natürlich auch! Es tat gut, mal etwas anderes zu sehen, und ich wagte mich sogar in Wasser. Dieses war allerdings immer noch ziemlich kühl, sodass ich es kaum länger als einige Sekunden aushielt. Aber immerhin, mein erstes Bad im Meer, seit wir in Neuseeland sind.

Nun werden wir die Juliane wieder segelfertig machen und hoffen, in den nächsten Wochen etwas ausgiebiger in der Bay of Islands umhersegeln zu können. Abgesehen davon, steht weiterhin noch einiges an Arbeit an. Wir möchten das Boot, wenn wir Anfangs Mai nach Vanuatu aufbrechen, in einem möglichst guten Zustand haben, sodass wir dann, hoffentlich, nicht mehr allzu viel Arbeit haben, bis wir im nächsten Sommer bereits wieder im Mittelmeer sein werden. Jetzt freuen wir uns aber erst mal, im Mai wieder zurück in die Tropen zu gehen.

 

 

Von Tonga nach Neuseeland

Diesel tanken à la Tonga

Bevor wir uns auf den Weg nach Neuseeland machten, wollten wir in Tonga noch unseren Dieseltank mit dem günstigen Duty-Free Diesel auffüllen. Nachdem wir am Tag vor der geplanten Abfahrt alle Formalitäten hierfür erledigt hatten – wir mussten mal wieder 4 bis 5 Büros abklappern und Papiere und Stempel und sonstige Wichtigkeiten abholen – fuhren wir gegen 11 Uhr morgens an den Pier im Hafen. Da es in Nuku’alofa keine Bootstankstelle gibt, legt man einfach an einem Pier im Hafen an. Hierhin werden dann die Dieselfässer geliefert, für Bestellungen ab 1000 Liter kommt der Tankwagen persönlich vorbei. Wir benötigten 400 Liter, also 2 Fässer. Nachdem wir im Büro der Tankstelle die Fässer bestellt und bezahlt hatten, hiess es, die Fässer würden „now“ geliefert. Nun … Now in Tonga ist nicht gleich now. Zuerst müssen wir uns natürlich an der eigenen Nase nehmen, wir haben die Bestellung kurz vor 12 Uhr bezahlt, um 13 Uhr ist Mittagspause, das war natürlich etwas knapp um zwei Fässer ein paar hundert Meter mit dem Auto zu transportieren. Also haben wir mal bis Ende der Mittagspause um 14 Uhr gewartet, als danach noch immer niemand mit unseren Fässern auftauchte, fragten wir schüchtern nach, wann diese nun geliefert würden. Irgendwann kam dann auch tatsächlich ein Angestellter angefahren, stellte uns die Fässer neben das Boot und erklärte uns die Handpumpe, mit der wir den Diesel in den Tank pumpen mussten. Dies funktionierte erstaunlich gut, bis das Rohr innerhalb des ersten Fasses in zwei Teile brach, es war wohl nicht richtig ineinander geschraubt. Somit wurde das Dieseltanken vorerst unterbrochen. Nach einem weiteren Telefonat mit der Tankstelle und einer kurzen Wartezeit kam unser Lieferant wieder, welcher das Rohr fachmännisch aus dem Tank fischte und neu zusammen schraubte. Es war offensichtlich nicht das erste Mal, dass dies passierte. Wir pumpten also fleissig weiter, und bald war auch schon der ganze Diesel an Bord. Für die Fässer musste ein Depot bezahlt werden, dieses würden wir bar zurück erhalten, sobald die leeren Fässer von einem Mitarbeiter abgeholt wurden. Da wir keinen Nutzen mehr für Tongadollar hatten, planten wir, nach dem Tanken auf dem Markt noch unseren Frischwaren-Einkauf zu tätigen. Wir mussten also nochmals warten, bis die Fässer abgeholt wurden. Als es soweit war, war es bereits 17 Uhr. So hatten wir uns das natürlich nicht vorgestellt, aber was solls, haben wir halt fast den ganzen Tag mit Tanken verbracht. Wir haben dafür nette Segler aus Alaska kennengelernt sowie den sympathischen Italiener Gianni, der seit über 20 Jahren in Tonga lebt. Mit Klatsch und Tratsch und netter Gesellschaft lässt es sich auch besser warten. Nach einem schnellen Einkauf auf dem Markt lösten wir die Leinen und fuhren endlich los, Ziel Neuseeland mit Zwischenhalt beim Minerva Reef.

Tanken in Tonga

 

Auf ins Minerva Reef

Das Minerva Reef ist ein Riff mitten im Südpazifik, etwa 260 Seemeilen südwestlich von Tonga. Zu unserer Freude hatte der prognostizierte Südwind schon genug nach Osten abgedreht, sodass wir direkt Kurs aufs Minerva Reef nehmen konnten. Dank leichter Unterstützung des Motors konnten wir somit nach zweieinhalb Tagen Fahrt am Sonntagmorgen ins Minerva Reef einlaufen. Einziger Wehrmutstropfen war, dass unser Motor bereits wieder leicht Öl verloren hatte, allerdings bei weitem nicht mehr so viel wie auf der letzten Überfahrt. Bereits die Einfahrt ins Riff war ziemlich eindrücklich, durch einen schmalen Channel ohne Riff, der tief genug ist, links und rechts brechen die Wellen am Riff. Nachdem der Anker unten war, gabs erst mal Kaffee und Zmorge, danach ein Bad im Meer (ich hatte zwar leicht Angst vor den Tigersharks, die es neben anderen Haien anscheinend im Riff hat, und bewegte mich nicht weit weg von der Badeleiter) sowie etwas Erholung, ich lesend im Cockpit, der Captain mit Laptop und Serien in der Koje. Zwischendurch hat der Herr Captain dann noch einen Kuchen gebacken, welcher so gut war, dass uns beiden leicht übel wurde, weil wir zuviel davon gegessen haben. Als wir am nächsten Morgen aufgestanden sind und unser Satellitentelefon angeschaltet haben, sprudelten nur so Nachrichten rein. In Neuseeland gab es in der Nacht ein Erdbeben, aufgrund dessen eine Tsunamiwarnung ausgesprochen wurde. Da wir nicht wussten, ob die Tsunamiwarnung nur für die Küste Neuseeland gilt und wir sowieso geplant hatten, im Laufe des Tages aufzubrechen, machten wir uns sofort bereit und holten unseren Anker rauf. Better safe than sorry. Somit befanden wir uns schneller als erwartet auf dem Weg nach Neuseeland.

Minerva Reef

Minerva Reef

 

ByeBye Tropen – Hallo Kälte

Die Überfahrt nach Neuseeland verlief gemütlich, die ersten paar Tage hatten wir nicht besonders viel Wind, und da wir unseren Motor schonen wollten, dümpelten wir mit 70 bis 100 Seemeilen pro Tag durch den Pazifik. Für Donnerstag und Freitag hatte sich ein Tief mit Starkwind angekündigt, welches südlich von uns durchzog. Wir achteten uns somit darauf, bis dahin nicht nicht zu weit südlich zu sein. Mit unserer Geschwindigkeit war dies aber ohnehin kein Problem. Das durchziehende Tief haben wir dann gut überstanden, mit einigen Stunden Wind um die 20 Knoten, also alles gut handlebar. Da der Wind aus Südwest kam, und wir ziemlich genau nach südwest mussten, konnten wir allerdings keinen sehr guten Kurs laufen und machten erst mal etwas Weg nach Süden gut. Nach dem Durchzug der Front nahm der Wind wieder stetig ab, bis er etwa zwei Tage vor unserer geplanten Ankunft komplett abstellte. Nun zögerten wir nicht mehr, den Motor anzuwerfen, und so tuckerten wir die letzten zwei Tage vor uns hin, auf einem Pazifik, den man zeitweise für den Greifensee hätte halten können, so spiegelglatt. Während der Überfahrt machte sich bereits mit jedem Tag mehr bemerkbar, dass wir die Tropen verlassen und wieder in gemässigteres Klima gelangen. Mit jedem Tag wurde es etwas kälter, in der Nacht wurden bereits die Wollpullover ausgepackt. Bei unserer Ankunft in Opua zeigte sich der neuseeländische Frühling dann auch von seiner besten Seite, bewölkt, leichter Regen, eisiger Wind. Als wären wir zurück in der Schweiz. Seither wurde es zum Glück etwas besser, die Sonne lässt sich immer wieder blicken und wärmt die Luft, sodass das Thermometer am Nachmittag doch auch mal 24 Grad anzeigt. Wir müssen ehrlicherweise auch gestehen, dass wir nach einem Jahr voller Wärme auch etwas verweichlicht sind. Laufen die Neuseeländer doch schon in kurzen Hosen und T-Shirt herum, so sind wir dick eingepackt mit Wollpullover, Jacke und Winterstiefel. Aber wir werden uns schon auch wieder daran gewöhnen, dass es nicht das ganze Leben lang 28 bis 30 Grad warm sein kann. Dank dem Neuseeländischen Frühling kämpfe ich übrigens auch gerade wieder mit Heuschnupfen, damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Die nächsten Wochen werden wir noch in der Umgebung von Opua in der Bay of Islands verbringen und mal wieder richtig am Boot arbeiten, schleifen, streichen, putzen, reparieren etc. Danach wollen wir uns nach Süden bewegen und zuerst die Nordinsel erkunden, dann die Südinsel, wo wir schon auf frischen Lachs an der Angel spekulieren!