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Kanal TV

Briefe von Herr Hürzeler:

Tadahhh, für alle die es verpasst haben, wir waren vor der Kamera, das Schiff, Herr und Frau Käptain und die Crew, live per Internetstream. Okay, die Auflösung war scheisse aber wer will schon genau hinschauen beim Kanal TV? Aufjedenfall war es grosses Kino, Herr Hürzeler als Käptain und Juliane als Zugpferd für zwei weitere Segelschiffe. Aber vor dem Film-Review zum “Making of”.

Das ganze entwickelte sich aus einer simplen Idee. Die Menschheit suchte seit Anfang der globalen Schifffahrt nach einer guten Abkürzung um das berüchtigte Kap Horn. Vor etwas mehr als hundert Jahren wurde sie in Form eines gigantischen Stausees und riesigen Betonschleusen in Panama von Menschenhand geschaffen. Da Herr Hürzeler Abkürzungen schon früher beim Skifahren toll fand, wollten wir uns diese nicht mehr so geheime Abkürzung anschauen. Die Ähnlichkeit zum Skifahren ist sowieso verblüffend. Zuerst steht man für das Ticket an, je nachdem an welcher Talstation man ist in Colón oder Balboa. Wenn das Schiff vermessen wurde und das Ticket in Bar bezahlt wurde (wer sich über die Preise für das Skifahren in der Schweiz beklagt soll mal ein Ticket für den Panamakanal lösen!) dann wird einem gesagt wann es per Schleuse bergaufwärts geht. Für die Kanalbehörden ist Zeit Geld also muss alles rund laufen. Hierfür wird jedem Segelboot ein Advisor zur Verfügung gestellt, der nützliche Tipps gibt und das Funken mit den Behörden übernimmt während der Kanaldurchfahrt. Zusätzlich zum Käptain und dem Advisor müssen mind. 4 Linehandler an Bord sein, die wie der Name sagt für die Leinen zuständig sind. Da der Kanal für fast 100 Jahre (bis 1999) in amerikanischer Hand war ist alles genaustens geregelt, wie lange und dick die Leinen sein müssen und wann man wo vor welcher Schleuse warten muss, die Schweizer könnten es nicht besser organisieren.

Klappe die Erste

Nach dem Besuch, ist vor dem Besuch. Malden und Annelies sind gerade erst in den Flieger gestiegen, da ist die Juliane schon wieder unterwegs mit Ziel Colón wo wir eine Woche später Eric und Tracey aus Australien erwarten, um gemeinsam durch den Panamakanal zu fahren. In dieser Woche bleibt Zeit um in Panama auf Ersatzteiljagd zu gehen und in Colón die grossen Supermärkte zu besichtigen. Sowieso ist Colón eher nicht die Stadt, in der man ins Museum geht. Die Stadt hat einen schlechten Ruf und in unseren Taxi und Busfahrten sehen wir wieso, die meisten Häuser sind kurz vor dem Zerfall und ein Grossteil der Bevölkerung lebt in schäbigen Verhältnissen. Im Internet und im Reiseführer wird davon abgeraten in der Stadt zu Fuss unterwegs zu sein und nur offizielle Taxis zu benutzen, was wir brav befolgen. Natürlich müssen wir ein paar offizielle Termine wahrnehmen und im Büro des “Harbourmasters” in Colón wünscht man sich eine Peitsche um die nervtötende Ineffizienz todzuschlagen. Nachdem wir alle nötigen Papiere hatten durften wir mit fast 2000$ in Bar zur City Bank. Für Leute die nicht so nervenstark sind wie Herr Hürzeler, keine lustige Aufgabe. Glücklicherwiese sind die Gangster schlecht informiert darüber, dass da täglich Segler mit viel Bargeld reinmaschieren. So konnten wir unbehelligt unsere Gebühren zahlen und uns wurde am gleichen Tag unser Termin für die Kanaldurchfahrt bestätigt. Zwei Tage vor der Kanaldurchfaht kamen Eric und Tracey an Bord somit hatten wir 3 Linehandler, für den Kanal braucht es aber mind. 4. Die nötigen Hände fanden wir bereits zuvor in einer Anonnce in einer Bar in Portobelo. Ein Schweizerpaar, Melanie und Christoph, wollte durch den Kanal und boten ihre Hände feil. Bevor wir loskonnten, mussten wir noch die gemieteten Panamakanal-Konformen-Leinen abholen, Essen vorbereiten und das Schiff auf Vordermann bringen. Das die Starterbatterie des Motors am Abend vor der Abfahrt ihren Dienst verweigerte machte die Situation nicht weniger stressig. Etwas nervös aber guten Mutes machten wir uns am Samstagmittag zu sechst auf den Weg, unseren Kanal Advisor abzuholen und zu den Gatun Schleusen zu motoren.

Noch ein Nachtrag zum australischen Besuch. Wer Herr Hürzeler kennt der weiss, Bundaberg Rum wird verehrt wie der FCZ und Mayonnaise und sie hatten beides im Gepäck. Der Rum hat dann später auch geholfen das Resultat einer katastrophalen Saison zu verkraften. Die Thomy Mayonnaise wurde gleich zu Kartoffelsalat verarbeitet.

Klappe die zweite

Film ab. Kurz vor der Schleuse gehen wir längseits an eine 36 Meter lange amerikanische Superyacht. Vor und Achterleine sowie Springleinen über kreuz. Auf der riesigen Segelyacht herrscht Betrieb und der Kapitän ist ziemlich gereizt (hatte wohl Angst um die paar Milliönchen, die das Schiff an Wert hat). Als wir festgemacht waren, war für uns der Job für die ersten 3 Schleusen schon fast vorbei. Wir mussten nur noch die Wurfleinen übergeben und der Rest handhabte die Crew der Superyacht. Wir konnten das Spektakel nur noch geniessen. Das Wasser sprudelte unter uns und es ging aufwärts, die Schleusentore mächtig wie die Türme von Gondor. Der Käptain unseres “Mutterschiffes” korrigierte mit dem Bugstrahlruder fleissig die Position damit wir (auf der Backbordseite war auch noch ein Katamaran) schön in der Mitte blieben. Er tat dies solange, bis das Bugstrahlruder den Geist aufgab. Ohne klappte es aber fast besser als mit und wir kamen unbeschadet durch die ersten drei Schleusen. Da es unsere erste Schleusenfahrt überhaupt war, waren wir so aufgeregt, dass wir gar keine Zeit hatten zu realisieren dass wir ja eigentlich vor der Kamera standen und unsere Aufnahmen weltweit per Webcam übertragen wurden.

Kurz vor dem Eindunkeln fiel der Anker im Gatun Lake und der Kanal Advisor wurde von einen Tug-Boot abgeholt. Danach schwimmen, essen, trinken und versuchen in der windstillen und unglaublich heissen Nacht Schlaf zu finden (was den meisten eher schlecht als recht gelang).

Klappe die dritte

Kurz nach sieben kam ein neuer Advisor an Bord und sogleich gings los. Der Kaffee war erst halb ausgetrunken, aber die Müdigkeit war schnell abgeschüttelt nachdem die Ankerwinsch “faxen” machte und die letzten Meter Ankerkette von Hand hinaufgezogen werden mussten. Die nächsten fünf Stunden motorten wir durch den schönen Gatun Lake und an uns fuhren regelmässig PanaMax Tanker vorbei. Diese Schiffe sind genau für die Grösse des Panamakanals gebaut und in der Breite haben sie in den Schleusen auf beiden Seiten nur 60 cm “spatzig”. Unglaublich. Kurz vor dem Eintreffen bei den Miraflores Schleusen gab es Spagetthi Bolognese und der Advisor war happy. Bei den Miraflores Schleusen gehts wieder abwärts Richtung Pazifik und wir mussten ca. eine Stunde warten (wie beim Sessellift). Wir wurden informiert, dass diesmal unsere Juliane in der Mitte ist und zwei etwa ein Meter kleinere Segelboote längseits kommen. Das hiess für uns wiederum, dass wir keine Leinen handhaben mussten, da dies die Boote am Rand für uns tun würden. Dafür war Herr Hürzeler etwas nervös weil er “in charge” war und die anderen zwei Boote manövrieren und die Kommandos an die Skipper geben musste. Zum Glück hatten wir die Wartezeit so das der Käpitän und Juliane Zeit hatten zu üben wie es sich manövriert mit einem Anhängsel rechts und links. Die Webcams kamen in Sicht, das erste Schleusentor öffnete sich und wir sprudelten langsam dem Pazifik entgegen. Nach der dritten Schleuse war es soweit “welcome to the Pacific” und wie! Kaum haben wir uns von unseren Schleusennachbarn losgemacht, riefen die Franzosen neben uns “Crocodile” und da schwam ein ziemlich grosses Salzwasser Krokodil am nahen Ufer entlang. Wahrscheinlich wurde es angelockt von den jungen Hirschen die am Ufer entlang rannten. Es war wirklich wie im Zoo. Somit stiessen wir alle mit einem Bier auf den Pazifik an, was für ein Empfang!

Abspann

Und jetzt liegen wir bereits seit einenhalb Wochen in Panama City vor Anker. Es wird gewerkelt und eingekauft. Wir bunkern Essen für mehrere Monate, alles was langhaltbar ist wird in riesigen Mengen gekauft, da die Preise in der Südsee deutlich höher sind als in Panama. Das Dinghydock hier ist so toll es hätte einen eigenen Brief verdient, aber kurz zusammengefasst “noch nie war an Land kommen so abenteuerlich, lustig, nass und gefährlich wie hier in Panama”.
Am Wochenende wollen wir los, Eric und Tracey kommen nochmals an Bord (sie waren auf Panama Erkundungstour hoch bis an die Grenze zu Costa Rica) und wir segeln für zwei, drei Tage zu den Las Perlas Inseln, die nur 30 Seemeilen von der Küste von Panama entfernt sind. Eric und Tracey werden mit der Fähre zurückfahren und für uns wird danach die lange Segelreise zu den Marquesas Inseln losgehen. Es ist die längste Distanz die wir bis jetzt vor uns hatten mit ca. 3700 Seemeilen, wir werden mindestens 30 Tage unterwegs sein. Ob ihr es glaubt oder nicht, wir freuen uns darauf 😉
Also macht euch keine Sorgen wenn es bis im Juli keine Blogeinträge mehr gibt und wir nicht auf Marinetraffic zusehen sind, wir sind nur am segeln, motoren, kochen, lesen, fischen und freuen uns darüber zu berichten, wenn wir in Französisch Polynesien angekommen sind.
Es grüsst aus Pi-Pa-Panama der Kapitän,
Herr Hürzeler

San Blas Islands oder Willkommen im Paradies

Die Überfahrt zu den San Blas Inseln verlief ohne weiteren Zwischenfälle, abgesehen davon, dass wir endlich wieder von Delfinen besucht wurden und Andi den ersten Thunfisch gefangen hat. Ansonsten genossen wir die Tage auf dem Meer, auch wenn ich zwischendurch aufgrund der sich mal wieder in Ekstase rollenden Juliane das erste Mal seit Sardinien zu einer Tablette Stugeron (gegen Seekrankheit) gegriffen habe und danach fast 24 Stunden durchgeschlafen habe. Es hat sich also erneut bewahrtheitet, dass Stugeron auch sehr gut als Schlafmittel eingesetzt werden könnte. Zumindest war nach dem langen Schlaf auch der flaue Magen kuriert.

Nach sechs Tagen auf hoher See erreichten wir die San Blas Inseln, oder Kuna Yala, wie die Einheimischen ihr Gebiet nennen. Wir ankerten vor El Provenir und obwohl der Himmel sehr bedeckt war stiess ich erste Laute des Entzückens aus. Ich ahnte da bereits, was sich in den folgenden Wochen bewahrheitete: Viel paradiesischer kann man sich das Paradies gar nicht vorstellen und jede besuchte Insel ist wieder schöner als es die vorherige bereits war. Aber der Reihe nach. In El Provenir mussten wir erst einmal offiziell in Panama und zusätzlich beim Congresso der Kunas einklarieren. Trotz der Sprachschwierigkeiten, die Kunas sprechen kein Englisch und wir nur sehr schlecht spanisch (inzwischen schlagen wir uns jedoch schon ziemlich gut durch), verläuft das Einklarieren problemlos, und auch die sonst teils weiten Wege zwischen Immigration und Zoll fallen weg, wir können im kleinen Haus jeweils ein Zimmer weiter gehen. Ein teurer Spass ist das ganze jedoch, zum Glück waren wir darauf bereits vorbereitet. 190 Dollar für die Bewilligung, die Gewässer Panams für ein Jahr zu befahren (kürzere Permits gibt es leider nicht mehr), 105 Dollar pro Person für das Visum sowie 20 Dollar pro Boot und nochmals pro Person als Gebühr, das Gebiet der Kuna Yalas für einen Monat befahren zu dürfen. Auch das Paradies hat also seinen Preis.

Die Kunas sind die indianischen Ureinwohner, die auf den San Blas Inseln und einem Abschnitt auf dem Festland leben, Kuna Yala genannt. Offiziell gehört das Gebiet zwar zu Panama, die Kunas sind jedoch weitgehend unabhängig. Jede bewohnte Insel hat ihre eigenen politischen Füherer, den Congresso. Auch sonst leben die Kunas weitgehend unabhängig, die meisten Inseln haben keinen oder nur sehr spärlich Strom, die Frauen kleiden sich in den traditionellen Molas, Ausländern ist es verboten, in Kuna Yala Land zu erwerben oder zu investieren. Mit diesen und anderen Massnahmen haben es die Kunas geschafft, ihre traditionelle Lebensweise mehr oder weinger aufrecht zu erhalten, auch wenn natürlich gewisse Einflüsse der moderneren Welt zu spüren sind. Sie haben es jedoch, zumindest bis jetzt, geschafft, die Schönheit und Unberührtheit Ihrer Inseln zu bewahren und diese nicht dem Massentourismus zu opfern. Soweit mein Exkurs, für weitere Informationen kann gerne Wikipedia konsultiert werden.

In den ersten Tagen blieben wir vor El Porvenir vor Anker, erkundeten die Insel, was einem Rundgang von zehn Minuten entspricht, und beschnorchelten ein erstes Mal die Gewässer. Am Sonntag erreichten dann Madlen und Annelies unser Boot, und gemeinsam mit ihnen erkundeten wir dann weitere Inseln. Von El Porvenir aus gings zu den Lemmon Cays, gefolgt von den eastern Lemmon Cays, den Cayos Holandese (wo wir dann auch unsere ersten Erfahrungen mit Auflaufen auf Sand machten) und den Coco Banderos. Das Navigieren erfordert teilweise volle Aufmerksamkeit, da die Inseln von Riffen umgeben sind und es oft nur enge Durchfahrtswege gibt. Es lohnt sich aber in jedem Falle, die Schönheit der Inseln und die Diversität der spannenden Unterwasserwelt mit Riffen und vielen Fischen begeistern uns alle immer wieder aufs neue. Die meisten der Inseln sind unbewohnt und es kommen nur ab und zu einige Fischer vorbei,um ihren Fang (sehr günstig) zu verkaufen. Somit kommt bei uns immer mal wieder frischer Fisch auf den Teller, einmal gab es gar eine Languste (meine Premiere!). Nach einer Woche einsamem Inselleben fuhren wir dann nach Nargana, eine bewohnte Insel deren Einwohner sich vom traditionellen Kuna-Leben abgewendet haben. Von hier aus unternahmen wir mit unserem Kuna-Guide Federico eine Tour durch den Rio Diablo und den angrenzenden Regenwald, am Abend wurden wir von Madlen und Annelies zum sehr feinen Znacht (und dazu noch sehr günstig, dafür mit anfänglich ohrenbetäubender Musik) in einem Kuna-Restaurant eingeladen. Nach diesem Abstecher in ein kleines bisschen Zivilisation verbrachten wir nochmals knapp eine Woche auf weiteren Inseln, wir besuchten noch die Green Island sowie die Insel Achudup der Naguargandup Cays. Die Bilder sprechen wohl am Besten für sich, diese wunderschöne Gegend lässt sich gar nicht richtig in Worte fassen.

Nach zwei Wochen Inselhopping verliessen wir die San Blas Inseln und somit das Gebiet der Kuna Yala und bewegten uns langsam die panamaische Küste hinauf. Nach einem kurzen Stop in der Turtle Cay Marina, um (gratis!) Wasser zu tanken und einige Minuten Wlan schnuppern zu dürfen, verbrachten wir die nächste Nacht vor der Isla Grande. Von dort aus ging es ins knapp eine Stunde entfernte Puerto Lindo, dann nach Puerto Belo, einst von Kolumbus entdeckt, wo wir uns nun befinden.

Morgen gehts dann weiter nach Colon, der Stadt auf der Atlantikseite des Panamakanals. Von dort aus verabschieden wir uns dann am Freitag von Madlen und Annelies und stürzen uns in den Papierkrieg, um einen Termin für die Durchfahrt des Panamakanals zu erhalten. Zudem müssen noch einige Bootsgeschäfte erledigt werden, unter anderem muss der Aussernborder in den Service (Ach ja, der läuft noch immer nicht…auf den San Blas Inseln war das Land zum Glück immer in guter Schwimmdistanz). Nun freuen wir uns aber erst einmal, nach einem Monat Abstinenz, wieder in der Zivilisation des Internets angekommen zu sein und auf die grossen Supermärkte in Colon!