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San Blas Islands oder Willkommen im Paradies

Die Überfahrt zu den San Blas Inseln verlief ohne weiteren Zwischenfälle, abgesehen davon, dass wir endlich wieder von Delfinen besucht wurden und Andi den ersten Thunfisch gefangen hat. Ansonsten genossen wir die Tage auf dem Meer, auch wenn ich zwischendurch aufgrund der sich mal wieder in Ekstase rollenden Juliane das erste Mal seit Sardinien zu einer Tablette Stugeron (gegen Seekrankheit) gegriffen habe und danach fast 24 Stunden durchgeschlafen habe. Es hat sich also erneut bewahrtheitet, dass Stugeron auch sehr gut als Schlafmittel eingesetzt werden könnte. Zumindest war nach dem langen Schlaf auch der flaue Magen kuriert.

Nach sechs Tagen auf hoher See erreichten wir die San Blas Inseln, oder Kuna Yala, wie die Einheimischen ihr Gebiet nennen. Wir ankerten vor El Provenir und obwohl der Himmel sehr bedeckt war stiess ich erste Laute des Entzückens aus. Ich ahnte da bereits, was sich in den folgenden Wochen bewahrheitete: Viel paradiesischer kann man sich das Paradies gar nicht vorstellen und jede besuchte Insel ist wieder schöner als es die vorherige bereits war. Aber der Reihe nach. In El Provenir mussten wir erst einmal offiziell in Panama und zusätzlich beim Congresso der Kunas einklarieren. Trotz der Sprachschwierigkeiten, die Kunas sprechen kein Englisch und wir nur sehr schlecht spanisch (inzwischen schlagen wir uns jedoch schon ziemlich gut durch), verläuft das Einklarieren problemlos, und auch die sonst teils weiten Wege zwischen Immigration und Zoll fallen weg, wir können im kleinen Haus jeweils ein Zimmer weiter gehen. Ein teurer Spass ist das ganze jedoch, zum Glück waren wir darauf bereits vorbereitet. 190 Dollar für die Bewilligung, die Gewässer Panams für ein Jahr zu befahren (kürzere Permits gibt es leider nicht mehr), 105 Dollar pro Person für das Visum sowie 20 Dollar pro Boot und nochmals pro Person als Gebühr, das Gebiet der Kuna Yalas für einen Monat befahren zu dürfen. Auch das Paradies hat also seinen Preis.

Die Kunas sind die indianischen Ureinwohner, die auf den San Blas Inseln und einem Abschnitt auf dem Festland leben, Kuna Yala genannt. Offiziell gehört das Gebiet zwar zu Panama, die Kunas sind jedoch weitgehend unabhängig. Jede bewohnte Insel hat ihre eigenen politischen Füherer, den Congresso. Auch sonst leben die Kunas weitgehend unabhängig, die meisten Inseln haben keinen oder nur sehr spärlich Strom, die Frauen kleiden sich in den traditionellen Molas, Ausländern ist es verboten, in Kuna Yala Land zu erwerben oder zu investieren. Mit diesen und anderen Massnahmen haben es die Kunas geschafft, ihre traditionelle Lebensweise mehr oder weinger aufrecht zu erhalten, auch wenn natürlich gewisse Einflüsse der moderneren Welt zu spüren sind. Sie haben es jedoch, zumindest bis jetzt, geschafft, die Schönheit und Unberührtheit Ihrer Inseln zu bewahren und diese nicht dem Massentourismus zu opfern. Soweit mein Exkurs, für weitere Informationen kann gerne Wikipedia konsultiert werden.

In den ersten Tagen blieben wir vor El Porvenir vor Anker, erkundeten die Insel, was einem Rundgang von zehn Minuten entspricht, und beschnorchelten ein erstes Mal die Gewässer. Am Sonntag erreichten dann Madlen und Annelies unser Boot, und gemeinsam mit ihnen erkundeten wir dann weitere Inseln. Von El Porvenir aus gings zu den Lemmon Cays, gefolgt von den eastern Lemmon Cays, den Cayos Holandese (wo wir dann auch unsere ersten Erfahrungen mit Auflaufen auf Sand machten) und den Coco Banderos. Das Navigieren erfordert teilweise volle Aufmerksamkeit, da die Inseln von Riffen umgeben sind und es oft nur enge Durchfahrtswege gibt. Es lohnt sich aber in jedem Falle, die Schönheit der Inseln und die Diversität der spannenden Unterwasserwelt mit Riffen und vielen Fischen begeistern uns alle immer wieder aufs neue. Die meisten der Inseln sind unbewohnt und es kommen nur ab und zu einige Fischer vorbei,um ihren Fang (sehr günstig) zu verkaufen. Somit kommt bei uns immer mal wieder frischer Fisch auf den Teller, einmal gab es gar eine Languste (meine Premiere!). Nach einer Woche einsamem Inselleben fuhren wir dann nach Nargana, eine bewohnte Insel deren Einwohner sich vom traditionellen Kuna-Leben abgewendet haben. Von hier aus unternahmen wir mit unserem Kuna-Guide Federico eine Tour durch den Rio Diablo und den angrenzenden Regenwald, am Abend wurden wir von Madlen und Annelies zum sehr feinen Znacht (und dazu noch sehr günstig, dafür mit anfänglich ohrenbetäubender Musik) in einem Kuna-Restaurant eingeladen. Nach diesem Abstecher in ein kleines bisschen Zivilisation verbrachten wir nochmals knapp eine Woche auf weiteren Inseln, wir besuchten noch die Green Island sowie die Insel Achudup der Naguargandup Cays. Die Bilder sprechen wohl am Besten für sich, diese wunderschöne Gegend lässt sich gar nicht richtig in Worte fassen.

Nach zwei Wochen Inselhopping verliessen wir die San Blas Inseln und somit das Gebiet der Kuna Yala und bewegten uns langsam die panamaische Küste hinauf. Nach einem kurzen Stop in der Turtle Cay Marina, um (gratis!) Wasser zu tanken und einige Minuten Wlan schnuppern zu dürfen, verbrachten wir die nächste Nacht vor der Isla Grande. Von dort aus ging es ins knapp eine Stunde entfernte Puerto Lindo, dann nach Puerto Belo, einst von Kolumbus entdeckt, wo wir uns nun befinden.

Morgen gehts dann weiter nach Colon, der Stadt auf der Atlantikseite des Panamakanals. Von dort aus verabschieden wir uns dann am Freitag von Madlen und Annelies und stürzen uns in den Papierkrieg, um einen Termin für die Durchfahrt des Panamakanals zu erhalten. Zudem müssen noch einige Bootsgeschäfte erledigt werden, unter anderem muss der Aussernborder in den Service (Ach ja, der läuft noch immer nicht…auf den San Blas Inseln war das Land zum Glück immer in guter Schwimmdistanz). Nun freuen wir uns aber erst einmal, nach einem Monat Abstinenz, wieder in der Zivilisation des Internets angekommen zu sein und auf die grossen Supermärkte in Colon!