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Letzte Segelwochen in Griechenland

Nach einer dreitägigen Überfahrt durchs Mittelmeer sind wir Ende Mai in Kastellorizo in Griechenland angekommen. Zum ersten Mal seit langer Zeit legte die SY Juliane wieder in Europa an. Was das Ankern betrifft, mussten wir uns gleich umgewöhnen: Frei ankern in der Bucht ist oft keine Option, da hierfür schlicht der Platz fehlt. In Kastellorizo hiess es deshalb Anker runter und mit dem Heck zum Quai, wo wir uns mit Leinen befestigten. Klassisches ankern à la méditérranée.

Kastellorizo

Kastellorizo ist ein typisches griechisches Dorf, malerische Häuser in allen Farben prägen die Bucht. Nach den Einklarierungsformalitäten, wir mussten Schiff und Crew wieder in den Schengen-Raum einführen, statteten wir uns im Supermarkt erst mal Bier, Feta und Rohschinken aus und genossen die Gaumenfreuden. In Sachen Essen macht Europa so schnell keiner was vor und wir schätzten es, all die Leckereien wieder zu erhalten. Auch das Umherspazieren macht wieder mehr Freude als in asiatischen Städten oder der Wüste des Sudans und so schlenderten wir oft durchs Dorf und erklommen den Hügel dahinter.

Kastellorizo von oben
Burgbesteigung
Aussicht aufs türkische Festland

Um einige Gyros im Magen reicher verliessen wir Kastellorizo nach fünf Tagen und fuhren über Nacht nach Rhodos, wo wir in der Bucht von Lindos ankerten. Da wir gemäss Wettervorhersage erst eine Woche später ein gutes Wetterfenster für unsere Weiterfahrt erhalten, beschlossen wir, die Zeit in Rhodos für einige Unterhaltsarbeiten zu nutzen. Wir schliffen und strichen den Wasserlauf, was längst überfällig war, polierten Edelstahl und reinigten die Wasserlinie. Als wir eine Woche später wieder aufbrachen, sieht unsere Juliane schon fast wieder wie neu aus.

Wir fahren vorbei an vielen Inseln in Richtung Athen, daran vorbei und durch den Kanal von Korinth. Dieser ist mit 200 Euro für die 30-minütige Durchfahrt zwar nicht günstig, aber zum Abschluss unserer Reise können wir uns ja nochmals was gönnen 🙂 Die Fahrt durch den Kanal war denn auch ein sehr schönes und eindrückliches Erlebnis.

Warten auf die Einfahrt in den Kanal
Korinth-Kanal
Korinth-Kanal

Nach dem Kanal ging es noch für einen Tag weiter bis nach Kefalonia, wo wir uns als ersten Stopp das Dorf Fiskardo ausgesucht hatten. Uninformiert wie wir waren, mussten feststellen, dass dies wohl eine der von all den Charterseglern am meisten besuchten Buchten ist. So gab es für uns täglich ein ziemlich unterhaltsames Ankerkino, teils waren die Manöver allerdings so haarsträubend, dass einem das Lachen verging. Mit jedem Tag wurden wir geübter darin, Juliane von den in sie krachenden Booten zu beschützen und überstanden den Aufenthalt somit unbeschadet.

Fiskardo – der grosse Ansturm kommt erst noch

In Fiskardo kamen dann auch die ersten Kaufinteressenten für Juliane zu Besuch (Wir hatten unser schwimmendes Zuhause einige Wochen davor zum Verkauf ausgeschrieben). Thomas und Susanne entschieden sich dann auch ziemlich schnell, dass sie Juliane kaufen möchten und so war der Abschluss unserer Reise auch bereits geregelt. Für uns hiess das, dass wir die letzten zwei, drei Wochen auf dem Schiff noch so richtig geniessen können, bis wir Juliane dann Mitte Juli in Brindisi übergeben.

Nach dem Trouble in Fiskardo gönnten wir uns einen Tag Auszeit in einer, zumindest für griechische Verhältnisse, einsamen Bucht, bevor wir nach Zakynthos fuhren, wo Albi mit seiner Freundin Rachel wieder an Bord kam.

Bucht von Agia Sofia
Im Stadthafen von Zakynthos

Gemeinsam verbrachten wir zwei gemütliche Wochen, erkundeten einige Ankerplätze und genossen das Nichtstun. Auf Paxos fanden wir dann unsere Lieblingsbucht und beschlossen, bis zur Überfahrt nach Brindisi hier zu bleiben. Den Tag durch erscheinen zwar einige kleinere Ausflugsboote, über Nacht sind wir jedoch meistens allein und können die schönen Abend- und Morgenstunden in Ruhe geniessen.

Lieblingsbucht
Lieblingsschiff in Lieblingsbucht

Nun sind wir noch für einen Tag hier, geniessen das Schwimmen im glasklaren Wasser und die letzten Tage, in denen wir einfach“Nichts“ tun können. Morgen Montag gehts dann rüber nach Brindisi, wo wir Juliane Mitte Juli an die neuen Eigner übergeben werden.

Hinauf durchs Rote Meer

Von Djibouti in den Sudan

Die Fahrt von Djibouti in den Sudan führte uns als erstes durch die Strasse von Bab el Mandeb, die nur 15 bis 20 Meilen breite Einfahrt ins Rote Meer. Rechts liegt Djibouti, links der Jemen. Für die ersten 36 Stunden sagte die Windprognose leichten Gegenwind und Flaute voraus, wir fuhren fürs Erste also mal wieder unter Motor. Danach sollten wir 18 bis 25 Knoten Raumwind haben, um bis in den Sudan zu kommen.

Nach einer ereignislosen Nacht kam am Nachmittag des zweiten Tages wieder einmal ein Kriegsschiff in Sicht, hinzu kamen plötzlich auch einige kleine Fischerboote in der Umgebung. Kurze Zeit später wurden wir von einem Militärhelikopter überflogen und dies so tief, dass die Soldaten mit den Maschinengewehren im Anschlag gut von Auge sichtbar waren. War im Golf von Aden immer klar, dass das gesichtete Militär hauptsächlich zu unserem Schutz anwesend war, fühlte sich diese Situation ganz anders an. Das Militär wollte sehen, was und wer wir sind. Etwa zehn Minuten später folgte dann der zweite Überflug des Helikopters, auch diesmal wieder extrem tief. Ich wurde etwas unruhig, irgendwie fühlte sich das alles komisch an. Und dann kam er, dieser grosse Knall, gefolgt von einer Druckwelle. Irgendwo über der jemenitischen Küste muss eine Bombe niedergegangen sein, so stark, dass wir sie auch 15 Meilen von der Küste entfernt noch deutlich hören und spüren konnten. Es ist schwierig, dieses Gefühl zu beschreiben, das Spüren einer Bombenexplosion und das Wissen, dass nicht allzu weit entfernt wohl auch Menschen gestorben sind. Ich zumindest war so aufgewühlt, dass ich Andi wecken und mir moralische Unterstützung holen musste. Ja, wir fahren gerade durch ein Kriegsgebiet.

Der Rest des Nachmittages verlief dann ruhig und ohne weitere Zwischenfälle. Wir waren aber beide sehr erleichtert, als wir in der Nacht die Hanish Inseln hinter uns lassen konnten und somit wieder ausserhalb der Hochrisiko-Zone waren. Zudem konnten wir nun, da das Rote Meer breiter wurde, etwas mehr Abstand zur jemenitischen Küste halten. Auch der Wind nahm langsam zu und für die nächsten drei Tage segelten wir angenehm und mit guter Geschwindigkeit dem Sudan entgegen.

Das Land um den Hafen von Suakin war erst knapp zwei Meilen vor der Küste sichtbar, und auch dann nur spärlich. Die schlechte Sicht durch den Sand in der Luft und die flache Wüstenlandschaft führen dazu, dass sich die Küste erst aus der Nähe blicken lässt. Ist die Küste aber mal in Sicht, ist die Szenerie ziemlich eindrücklich. Die sandige Küste ist gesäumt mit Korallenriffen, die Farbe des Meeres wechselt von tiefblau zu türkis, dahinter die weiss-beige Wüstenlandschaft. Irgendwie alles auch ziemlich surreal, aber wunderschön. Wir ankerten in der rundum geschützten Bucht hinter dem alten Stadtteil von Suakin, der leider nur noch aus Ruinen besteht. Mohammed, der Agent für alle Segler, die in Suakin ankommen, erledigte für uns das Einklarieren und stattete uns auch gleich mit SIM-Karten aus. Wir konnten uns somit entspannt dem Willkommens-Bier widmen.

Hafeneinfahrt Suakin
Ankerbucht mit Blick auf Suakin
Die Ruinen von Alt-Suakin

Brotkauf in Suakin

Auch an Land war die Atmosphäre in Suakin eindrücklich. Auch wenn an jeder Ecke sichtbar ist, dass wir uns in einem extrem armen Land befinden, hat diese Wüstenlandschaft doch auch eine Art magische Ausstrahlung. Uns beiden hat es jedenfalls gleich sehr gut gefallen. Die Einwohner von Suakin waren äusserst freundlich, Andi wurde auf seinem morgendlichen Entdeckungsgang gleich von einem Lehrer zum Kaffe eingeladen. Dadurch, dass Suakin bis auf ein paar Segler keine Touristen anzieht, fallen wir natürlich auf und werden von überall her gegrüsst.

Häuser in Suakin
Ruinen
Kamele vor der Markthalle
Sonnenuntergang in Suakin

Am Tag vor unserer Abfahrt machte sich Andi Frühmorgens noch auf den Weg, um in der nahegelegenen Bäckerei ein Sack voll von dem leckeren einheimischen Fladenbrot zu kaufen. Leichter gesagt als getan. Brot ist als wichtigstes Grundnahrungsmittel vom sudanesischen Staat subventioniert, und pro Person kann ein Sack mit maximal 30 Stück Fladenbrot gekauft werden. Vor der Bäckerei wartete bereits eine lange Schlange von Menschen darauf, ihre tägliche Ration erwerben zu können und die Bäckerei konnte die Nachfrage nur schleppend stillen. Auch bei den anderen zwei Bäckereien sah die Situation nicht anders aus, es galt also anzustehen und zu warten. Die Stimmung war angespannt, teils gereitzt, und laute Wortgefechte wurden immer wieder ausgeführt. Wenn man hier miterlebt, welchen Stellenwert dieser Brotbezug für das Leben der Sudanesen hat, erstaunt es auch nicht mehr, dass es die Erhöhung des Brotpreises war, die zu landesweiten Protesten und schlussendlich zum Sturz von Diktator al-Bashir führte.

Motoren gegen den Wind bis Suez

Nach drei Tagen in Suakin bot sich uns bereits das nächste gute Wetterfenster, um weiter nach Norden zu kommen. Ab Suakin bis nach Suez herrscht fast ausschliesslich Nordwind, unterbrochen von ein paar Tagen Flaute. Ein gutes Wetterfenster zu erwischen heisst für die nächsten 700 bis 800 Meilen also, in den Windstillen Tagen so weit nördlich wie möglich zu motoren, um dann an einem geschützten Ankerplatz auf die nächste Flaute zu warten. Die Windprognose gab uns zwei Tage mit leichtem oder keinem Wind, um nach Norden zu kommen. Während des zweiten Tages erhielten wir via Satellitentelefon ein Wetterupdate, und es sah so aus, als ob am dritten Tag mit weniger Gegenwind als ursprünglich vorausgesagt zu rechnen sei. Da danach bereits die nächste Flaute vorausgesagt war, entschieden wir uns zu versuchen, direkt bis nach Port Ghalib in Ägypten durchzufahren. Unser Übermut rächte sich dann am Abend des dritten Tages, als wir bei bis zu 20 Knoten Gegenwind fast nur noch an Ort und Stelle in die Wellen stampften. Das macht so keinen Sinn und wir entschieden uns, umzudrehen und über Nacht 80 Meilen zurück bis nach Gezirat Halaib zu segeln. Sobald der Kurs angepasst war und wir den Wind wieder von achtern hatten, war es auch gleich wieder um einiges angenehmer an Bord.

Kurz nach Mittag kamen wir in Gezirat Halaib an, wie so viele Buchten in Ägypten ein Stützpunkt des Militärs. Bei Gezirat Halaib kommt hinzu, dass sich die Bucht im umstrittenen Grenzgebiet zwischen dem Sudan und Ägypten befindet, allerdings schon seit langem unter ägyptischer Verwaltung steht. Wir wurden dann auch gleich nach der Einfahrt von drei Mitgliedern des ägyptischen Militärs besucht, alle in Badehosen, einer mit Gewehr. Wir erklärten, dass wir aufgrund des starken Windes nicht weiter könnten und gerne für eine Nacht ankern würden. Nach der Kontrolle unserer Papiere sowie einigen Telefonaten erhielten wir die Erlaubnis, über Nacht zu bleiben und wurden gleich noch zu einem guten Ankerplatz geführt. Müde fielen wir ins Bett und schliefen in der perfekt geschützten Bucht tief und lange.

Auch hier war die Landschaft wieder extrem eindrücklich, Meer, Korallen und dahinter nichts als Wüste, ab und zu ein paar wilde Kamele, die umherlaufen. Auf der Suche nach besserem Handyempfang stieg Andi auf den Mast und nutzte die Gelegenheit gleich noch, um ein paar Fotos zu schiessen.

Aussicht vom Mast
Blick auf das Dock mit Militärboot

Am späteren Nachmittag machten wir uns wieder auf den Weg, Ziel war diesmal das 200 Meilen entfernte Sharm Luli. Die Überfahrt verlief ruhig, und ausser einem Besuch von Delfinen ist nicht viel passiert.

Delfin-Besuch

In Sharm Luli kamen wir gerade noch rechtzeitig an, bevor der Nordwind wieder so richtig loslegte. Für zwei bis drei Tage fegte der Wind mit 25 Knoten durch die Bucht, die Böen waren teils noch einiges stärker. Doch auch hier lagen wir perfekt geschützt in der Bucht und nutzten die Zwangspause, um einige kleinere Unterhaltsarbeiten am Boot vorzunehmen. Ein grosser Nachteil dieser schönen Ankerplätze in der Wüste ist, dass das Boot permanent mit Sandstaub überzogen wird. Seit dem Sudan sind wir am putzen und putzen und einen Tag später ist dann doch wieder alles voll. Wir beschränkten uns deshalb aufs gröbste und planten, unsere Juliane im Yachtclub in Suez einer guten Süsswasserdusche zu unterziehen.

Es windet in Sharm Luli
Bei dem Wind und den kühleren Temperaturen gibts mal wieder Fondue
Blick auf die Fischerboote und Wüste
Nichts als Sand und Hügel

Nach fünf Tagen Pause in Sharm Luli aufgrund des Nordwindes brachen wir wieder auf für die letzten 400 Meilen im Roten Meer. Im schmalen Golf von Suez bahnten wir uns unseren Weg zwischen Cargoschiffen und den hunderten Ölplattformen bis nach Suez, wo wir am Steg des Yachtclubs festmachten.

Eine der vielen Ölbohrplattformen
Besuch an Bord
Hier gibts etwas Wasser zur Erfrischung

Hier galt es nun, die Formalitäten für die Durchfahrt durch den Suezkanal zu erledigen und auf ein Wetterfenster für die Überfahrt nach Griechenland zu warten. Viel hatten wir bereits gelesen und gehört von mühsamen ägyptischen Offiziellen, von Bakshesh, das überall bezahlt werden muss. So schlimm kanns ja wohl nicht sein, dachten wir uns und wollten uns unsere eigene Meinung bilden. Leider behielten die vielen negativen Berichte Recht, für jede Kleinigkeit wird Bakshesh verlangt, Regeln scheinen extrem willkürlich und jeder in einer Uniform nimmt sich etwas gar wichtig. Wir hatten schnell genug und hofften, Ägypten bald hinter uns zu lassen.

Ein letzter Znacht in Suez – Albi und Andis Vater Hans sind wieder mit an Bord

Wir hatten Glück und konnten bereits nach vier Tagen weiterziehen, zuerst durch den Suezkanal und dann wieder zurück ins Mittelmeer. Am 16. November 2015 verliessen wir das Mittelmeer durch die Strasse von Gibraltar, um dreieinhalb Jahre später mit 30’000 Seemeilen mehr auf dem Buckel wieder zurück nach Europa zu kommen. Nun heisst es erst einmal Kurs Griechenland!

Fischer-Segelboot mitten im Suezkanal

Was esst ihr unterwegs denn so?

Die Frage nach dem Essen an Bord ist eine der am meisten gestellten. Und obwohl sich unser Leben an Bord (an Land natürlich auch) sicher zur Hälfte ums Essen dreht, haben wir noch keinen einzigen Blogbeitrag ums Thema Essen geschrieben.

Für Nicht-Langzeitsegler ist es nicht leicht sich vorzustellen, dass man auch auf langen Überfahrten, solange es das Wetter zulässt, gut, frisch und gesund essen kann und man sich bei weitem nicht bloss von Tütensuppen ernährt. Um euch einen Blick auf unsere Teller zu geben, haben wir auf der Überquerung des Indischen Ozeans aufgeschrieben, was wir so gekocht und gegessen haben. Los gehts:

  • Spaghetti Bolognese
  • Lasagne
  • Couscous-Salat
  • Safranrisotto mit gebratenen Rüben
  • Penne all’arrabiata
  • Kokoslinsen mit Rüebli und Kohl
  • Strifried Glasnudeln mit Gemüse
  • Kalbsgeschnetzeltes mit Reis
  • Knoblauch-Jalapeño Spaghetti
  • Auberginencurry mit Reis
  • Spaghetti mit Artischockenherzen und Knoblauch
  • Chilli sin carne
  • Burritos
  • Pizza
  • Grünes Thaicurry
  • Müschelipasta mit Butter und Parmesan
  • Tomatensalat und frisch gebackenes Brot
  • Kartoffelsalat mit Cipollata
  • Shakshuka
  • Gebratene Nudeln mit Blumenkohl und Rüebli
  • Gschwellti mit Chäs
  • Gebratener Reis mit Gemüse
  • Gerberfondue (wükli!)
  • Frischer MahiMahi mit Salzkartoffeln
  • MahiMahi mit Reissalat
  • Linsen mit MahiMahi
  • Rüebli-Kohl-Salat mit Tzaziki und Brot
  • Spaghetti Napoli
  • Instant Noodles
  • Kartoffelgratin und Cipollatas
  • Penne 5P
  • Bratkartoffeln
  • Indonesisches Curry mit Reis
  • Spaghetti Napoli
  • Kürbisgemüse mit Couscous
  • Spaghetti mit Pesto Rosso
  • Omeletten mit Pilzrahmsauce
  • Tomaten-Bohnen-Kichererbsen-Kartoffel-Eintopf
  • Pizza
  • Spaghetti mit Pesto Verde
  • Saucenkartoffeln und gebratene Rüben
  • Tomatenrisotto
  • Gebackener Kürbis mit Feta und Couscous
  • MahiMahi mit Reis
  • Rösti

Über den Indischen Ozean und durch den Golf von Aden

Am Sonntag, 24. März 2019, war es endlich so weit und wir verliessen Kochi mit dem Ziel Djibouti.

Vor uns lagen etwas mehr als 2000 Seemeilen über den Indischen Ozean und durch den Golf von Aden (ja, dieser berüchtigte Golf zwischen dem Jemen und Somalia). Dieser Teil des Indischen Ozeans ist allgemein bekannt für seine leichten Winde, und da wir eher spät in der Nord-Ost-Wind Saison waren, gab es in der Windprognose eigentlich nur wenig zu sehen: sehr leichter oder gar keinen Wind.

Wir bunkerten deshalb zusätzlich zu den 1000 Litern Diesel in unseren Tanks noch 240 Liter extra Diesel in Kanistern, um etwas mehr Motoren zu können. Das Ziel war, bei der Einfahrt in den Sicherheitskorridor im Golf von Aden noch mindestens so viel Diesel zu haben, um falls notwendig bis Djibouti durchmotoren zu können.

Die ersten zwei Wochen der Überfahrt waren dann auch geprägt von niedrigtourigem Motoren, Leichtwindsegeln und ab und zu etwas Driften in der Flaute. Wir kamen aber dennoch nicht allzu schlecht voran, wenn auch langsam, und unsere Dieselrechnung schien aufzugehen. Das schöne an so ruhigen Bedingungen ist, dass das Leben an Bord sehr angenehm ist und Tätigkeiten wie Kochen einiges leichter zu bewältigen sind als bei 20 Knoten Wind. So verbrachten wir die Tage mit Lesen, Kochen, Essen, Fischen (nicht sehr erfolgreich) und ab und zu den zu Besuch kommenden Delfinen zuzuschauen.

Der Indische Ozean – Ein Spiegel
Posieren für den Sonnenuntergang

Das Fischen war zwei Wochen lang eine grosse Enttäuschung. Es biss einfach nichts an. So eine lange Durststrecke hatten wir noch nie. Vor allem Albi, dem wir von unserer guten Fischfangquote vorgeschwärmt haben, wurde langsam etwas ungeduldig. Nach zwei Wochen dann endlich die Erlösung, ein kleiner MahiMahi war am Haken. Und am Nachmittag gleich noch einer. Endlich haben wir mal wieder unseren Lieblingsfisch auf dem Teller!

Am Abend des 15. Tages, noch etwa 300 Seemeilen vom Golf von Aden entfernt, erhielten wir auf unserem Satellitentelefon die Nachricht, dass das Segelschiff SV Sisiutl, das wir aus Indien kannten, etwa 50 Seemeilen von uns entfernt mit Motorschaden in der Flaute trieb. Wir änderten daraufhin unseren Kurs und steuerten über Nacht auf SV Sisiutl zu. Nach einem Augenschein vor Ort war klar, dass der Motor unterwegs nicht mehr zum Laufen zu bringen war. Wir bunkerten deshalb den noch vorhandenen Diesel von SV Sisiutl und schleppten sie für die nächsten 300 Seemeilen in Richtung Norden. Der Wetterbericht sagte ab dann wieder etwas Wind voraus. Unsere Wege trennten sich und SV Sisiutl segelte ins nun noch 150 Seemeilen entfernte Salalah im Oman, um einen Service am Motor durchzuführen.

Mit SV Sisiutl im Schlepptau

Wir befanden uns nun etwa 100 Meilen vor dem Eingang in den Sicherheitskorridor, und begegneten nördlich von Sokotra den ersten Kriegsschiffen. Uns wurde gleich grosses Kino geboten, ein Flugzeugträger mit etwa 20 Kampfjets und einigen Helikoptern an Bord war in der Nähe, zudem noch zwei weitere Zerstörer. Nur die Menschen mit den Fahnen in der Hand in der Mitte des Flugzeugträgers fehlten, um das Bild komplett zu machen. Für unser Sicherheitsgefühl half es natürlich auch, dass die Koalition der Streitkräfte tatsächlich mit schwerem Geschütz anwesend war. Kein somalischer Pirat hätte eine Chance gegen diesen Auflauf an Kriegsmaschinerie.

Flugzeugträger in der Nähe

Auch in den folgenden Tagen wurden wir täglich von einem Flugzeug der Streitkräfte überflogen und per Funk darüber informiert, welches Kriegsschiff gerade in der Nähe ist. Nach einem weiteren Tag motorsegeln mit unangenehmen Schwell hatten wir dann endlich wieder guten achterlichen Wind, sodass wir die letzten vier Tage mit perfekten Bedingungen nach Djibouti segeln konnten. Wir waren froh um den guten Wind und dass wir somit auch mit guter Geschwindigkeit durch den Golf vorankamen. Erleichtert fuhren wir dann in den Hafen von Djibouti ein, froh darüber, den Golf von Aden ohne eine einzige heikle Begegnung mit Fischerbooten (oder eben doch Piraten?) hinter uns gelassen zu haben.

Zum Abschluss gabs nochmals einen MahiMahi
Willkommensbier in Djibouti

Djibouti selbst ist eine spezielle Mischung. Ostafrika, die Armut ist gross und die Hälfte der Einwohner lebt in Slums. Gleichzeitig haben die Franzosen, Amerikaner, Japaner und Chinesen grosse Militärstützpunkte hier. So gibt es unweit der Slums ein neues Einkaufszentrum mit grossem französischen Supermarkt, leisten können sich diesen allerdings fast ausschliesslich die Militärangehörigen. Die Preise sind allgemein extrem hoch, da alles importiert werden muss, und man fragt sich teilweise, wie es die Einheimischen schaffen hier zu überleben. Nachdem wir das Boot wieder in Schuss gebracht haben nutzten wir nach sechs Tagen das nächste gute Wetterfenster, um ins Rote Meer und in den Sudan zu segeln. Albi fliegt direkt nach Ägypten, da ein Stopp im Sudan seinen Plänen, im Herbst in die USA zu reisen, einige Steine in den Weg gelegt hätten. Nach einem Besuch im Sudan ist es schwierig, noch ein Visum für die USA zu erhalten. Für die nächsten knapp 1000 Seemeilen sind wir somit wieder zu zweit unterwegs.

Der Hafen von Djibouti
Wäscheboot
Djibouti
Auf den Strassen von Djibouti

Kochi

Nach unserer Ankunft in Kochi mussten wir als erstes, wie überall, einklarieren. In gewissen Ländern ist dies eine Sache von einer Stunde, in anderen von zwei Tagen. Indien gehört definitiv zur zweiten Kategorie. Ging es bei der Immigration noch einigermassen schnell voran (es benötigte bloss fünf Mitarbeiter, um unsere Fingerabdrücke zu scannen), so wurde es beim Hafenmeister und den Zollbehörden schon komplizierter. Wir füllten stapelweise Papier aus, das voraussichtlich auf den Stapeln entlang der Bürowände landen und verschwinden wird. Um die Mittagszeit des zweiten Tages war dann alles erledigt und wir hatten die Erlaubnis, uns zum zweiten Ankerplatz und zur Marina zu verschiffen.

Juliane vor Anker in Kochi

Einer der ersten Punkte auf der To-do-Liste war wie immer das Organisieren von SIM-Karten, um zurück ins Internetland zu kommen. Die Karte war schnell besorgt, mit der Aktivierung haperte es dann allerdings etwas. Wir mussten nur noch drei weitere Male im Shop vorbei, bis alles wie gewünscht lief. Welcome to India!

Durch die paar Tuktuk-Fahrten zwischen Mobilshop und Marina waren wir jedoch gleich mittendrin im chaotischen Verkehr und Stadtleben Indiens. Uns gefiel es auf Anhieb. Es ist zwar laut, schmutzig, chaotisch, aber auch lebendig, echt und spannend. Nach den mit Touristen überfüllten Orten in Thailand und Malaysia war es zudem schön, mal wieder fast ausschliesslich unter Einheimischen zu sein. Anderen Touristen begegneten wir, ausser im historischen Stadtteil von Fort Kochi, praktisch nie.

Was man auf den Strassen so alles antrifft

Am Abend unseres dritten Tages in Kochi besuchten wir das letzte Saisonspiel der Kerala Blasters, dem lokalen Fussballteam. Vor ein paar Jahren noch waren die Fans der Kerala Blasters bekannt dafür, zu den lautesten der Welt zu gehören und das 60’000 Plätze fassende Stadion war regelmässig ausverkauft. Mit dem Rückgang der Leistungen der Mannschaft, sie befindet sich aktuell auf dem zweitletzten Rang, ging jedoch auch die Anzahl Zuschauer zurück, sodass an diesem Abend lediglich ein paar tausend Anhänger im Stadion waren. Ein Erlebnis war es allemal, auch wenn das fussballerische Niveau sehr bescheiden war. Zu unterscheiden, ob das Rufen der Fans gerade an die eigene oder gegen die andere Mannschaft gerichtet ist, war etwa so schwierig, wie das genaue Deuten des indischen Kopfschüttelns (mittlerweile sind wir sogar selbst ganz gut im Kopfwackeln).

Fussballspiel der Kerala Blasters

Ausgerüstet mit Blasters Trikots

Für die weitere Zeit in Kochi bis zur Ankunft von unserem neuen Crewmitglied Albi standen dann einige Bootsarbeiten an. Das Boot musste bereit gemacht werden für unsere letzte grosse Überfahrt über den Indischen Ozean und durchs Rote Meer. Neben den üblichen Aufgaben wie Diesel tanken, Gasflasche auffüllen, Proviant einkaufen und der Reinigung des Unterwasserschiffs liessen wir uns noch eine neue Notpinne anfertigen und beschäftigten uns einmal mehr mit unserer hydraulischen Steuerung.

Einkauf auf dem Markt

Auch Pasta ist aufgestockt

Nach einer Woche Bootsarbeit gönnten wir uns dann eine Auszeit und fuhren für zwei Tage nach Munnar, einem Städtchen in den Bergen, bekannt für seine riesigen Teeplantagen. Da die Luftqualität in Kochi sehr zu wünschen übrig lässt, unser Boot war bereits nach ein paar Tagen mit einem grauen Schleier überzogen, genossen wir die frische und auch kühlere Bergluft in Munnar umso mehr. Am ersten Nachmittag buchten wir eine vierstündige Wanderung durch die Hügel und die Teeplantagen. Leider war es nicht erlaubt, sich ohne Guide durch die Plantagen zu bewegen, und so mussten wir immer einen offiziellen Guide dabei haben. Durch ihn erhielten wir aber auch gleich viele spannende Informationen zur Entstehung von Munnar und der Plantagenarbeit. Es tat gut, sich mal wieder richtig zu bewegen und die Beine länger als 10 Minuten zu benutzen. Nach einem weiteren Ausflug und viel viel gutem Essen fuhren wir per Bus wieder zurück nach Kochi. Die Rückfahrt mit dem Bus war einiges angenehmer als die Hinfahrt per Uber, und überholen kann der Busfahrer mindestens genauso gut. Die vierstündige Busfahrt kostete uns zudem ganze 1.50 CHF pro Person.

Teeplantagen

Morgenspaziergang

100 Jahre alte Brücke.. sie hielt!

Preislich spielt Indien allgemein nochmals in einer ganz anderen Liga als andere südostasiatische Länder, die wir besucht haben. Für einen Franken gibt es ein fantastisches Mittagsmenu, für zwei bis drei Franken ist der Tisch gefüllt mit allerlei Köstlichkeiten. Wir waren praktisch permanent überessen. Wir hörten komplett auf, selbst zu kochen, da es sich bei diesen Preisen schlicht nicht mehr lohnte. Zudem ist das Indische Essen fantastisch und man kann sich wochenlang durch die Speisekarten essen und Neues entdecken.

Mitte März landete dann Albi, unser Freund aus Australien, in Kochi. Er begleitet uns auf der Passage über den Indischen Ozean und durchs Rote Meer und bleibt voraussichtlich bis zum Ende unserer Reise an Bord. Für uns heisst das, neben der guten Unterhaltung natürlich, es gibt mehr Schlaf, wenn wir unterwegs sind!

Langkawi Phuket retour

Nach einigen entspannten Tagen in Ko Lipe mussten wir weiter nach Phuket, um offiziell in Thailand einzuklarieren. Die Einreiseformalitäten liefen reibungslos ab, hier ein paar Kopien abliefern, dort einige Bhaat bezahlen, und schon waren wir und das Schiff offiziell in Thailand angekommen. Danach gönnten wir uns einen ersten Teller gutes Thai-Essen in der Bullship Bar (von da an unser Stammrestaurat in Phuket) und das obligatorische Willkommens-Bier.

Unsere Pläne für Phuket bestanden hauptsächlich aus Bootsarbeiten. Zum ersten Mal seit Australien war wieder alles, was das Bootsherz begehrt, erhältlich, wenn auch eine Stunde Scooterfahrt im chaotischen Verkehr von Phuket entfernt. Wir ersetzten alle Fugen unseres Teakdecks, liessen eine neue Plexiglasscheibe in die Luke der Vorkoje einkleben und befassten uns einmal mehr mit unserer hydraulischen Steuerung.

Dachluke neu einkleben

Neue Fugen im Teakdeck

Und fertig!

Nach drei Wochen waren wir endlich wieder startklar, um die schönen Seiten des Seglerlebens zu geniessen und verliessen Phuket so schnell wie möglich wieder. Abgesehen von den guten Einkaufsmöglichkeiten für Bootszubehör und die Bordküche hatte Phuket für uns nicht viel zu bieten, überfüllte Strassen, überfüllte Strände, unklares Wasser mit reichlich Quallen und täglich tausende von Bussen und Booten voller Touristen.

Wir gingen zurück nach Ko Lipe, wo wir unsere Freunde Silvan, Jaruwan und Samuel in ihren Thailandferien trafen. Mit ihnen verbrachten wir die Zeit in Ko Lipe, nahmen sie auf einen kleinen Bootsausflug zwischen den Inseln mit und genossen das klare Wasser, das Essen und das Nachtleben. Nach einer Woche war es dann an der Zeit, Thailand auf Wiedersehen zu sagen und zurück nach Langkawi zu segeln, wo wir nochmals frisches Obst und Gemüse einkauften, unsere Wassertanks füllten und das Boot startklar für die Überfahrt nach Kochi, Indien machten.

Auf nach Indien!

Nach all den kürzeren Passagen durch die Gewässer von Indonesien, Malaysia und Thailand mit all ihren Fischerbooten, genossen wir es, mal wieder eine längere Überfahrt zu machen und weit auf dem offenen Meer zu sein. Wir teilten das Meer teilweise zwar mit vielen Cargoschiffen, da wir uns entlang der Berufsschifffahrtsroute bewegten, aber im Vergleich zu den teils hunderten von Fischerbooten in Küstennähe ist das Entspannung pur. Dank AIS System sehen uns die Cargoschiffe und weichen meist aus, ohne dass wir uns auch nur per Funk melden müssten.

Catch of the day: Sailfish

Für die ersten Tage hatten wir ziemlich leichten Wind und liessen deshalb den Motor noch ab und zu mitlaufen. Danach gabs dann super Wind und wir kamen mit unserem Blister so schnell wie selten voran. Nach 14 Tagen Überfahrt liefen wir somit bereits in den Hafen von Kochi ein. Hello India!

Einfahrt Kochi

Von Belitung über Malaysia nach Thailand

Nach der Ankunft von Nina und Zac verbrachten wir nochmals etwa eine Woche gemeinsam auf Belitung, da wir auf guten Wind (oder besser gesagt, keinen Gegenwind) für die Weiterfahrt zu den Lingga Inseln warten mussten. Nach ein paar Willkommens-Bier am ersten Abend machten wir einen Ausflug in die Stadt und gaben unseren Besuchern einen ersten Eindruck vom Treiben auf einem Indonesischen Markt. Es folgte ein Ausflug in einen Naturpark, in dem wir einen süssen kleinen Koboldmaki sehen konnten. Wir machten ein paar Dinghy-Ausflüge auf die kleinen Inseln um unseren Ankerplatz, auf einer durften wir sogar einige Babyschildkröten aus der Aufzucht-Station freilassen, für mich als Schildkröten-Fan ein Highlight. Natürlich haben wir auch oft und gut und günstig in einem der hunderten Indonesischen Restaurants gegessen. Die langsam einsetzende Regensaison machte sich leider auch bemerkbar und so mussten wir immer wieder längere Regenphasen aussitzen – Zeit, dass wir Weg nach Norden gutmachen.

Granitfelsen in Belitung

Baby-Schildkröten in der Aufzuchtstation

Und auf dem Weg ins Meer

Koboldmaki

Die Überfahrt von Belitung zu unserem ersten Stop in der Lingga-Inselgruppe dauerte zwei Tage und war zeitweise sehr von Gewittern geprägt. Unsere beiden Gäste an Bord schlugen sich jedoch sehr tapfer und stellten sich als extrem seefest heraus. Dennoch waren wir alle froh, als wir nach zwei Tagen den Anker vor der Insel Pena’ah einfahren konnten. Nach dem sehr wohlhabenden und gut entwickelten Belitung war das Ankommen hier wieder ein ganz anderes Erlebnis, die Einwohner der Lingga Inselgruppe verdienen ihr Geld hauptsächlich mit Fischfang und dem Verkauf von Krebsen. Die Häuser auf Pena’ah sind alle auf Holzpfählen ins Wasser gebaut. Als wir an Land gingen mussten wir jedoch beeindruckt feststellen, dass die Häuser, welche vom Meer her ziemlich rustikal und einfach aussehen, in einem super Zustand und bestens ausgestattet waren. Im Dorf haben wir uns dann natürlich auch gleich eine Portion frischer Krebse gekauft, welche wir zurück auf dem Boot zubereitet und als leckeren Nachmittags-Snack verspeist haben.

Fischer-Häuschen vor Pena’ah

Haus in Pena’ah

Dorfweg

Regen zieht auf

Abfall am Strand – leider ein normaler Anblick
Am nächsten Tag machten wir eine kurze Tagesfahrt zur nächsten Insel Senayang. Das besondere an dieser Fahrt war, dass wir, nach zwei Jahren auf der Südhalbkugel, den Äquator wieder überquerten und uns nun zurück in der nördlichen Hemisphäre befinden. Da wir keinen Rum an Bord hatten, musste sich Neptun halt mit einem Schluck Bier zufrieden geben. Alle unsere Witze, dass es auf der anderen Seite des Äquators, wo nun der nördliche Winter begann, weniger Regen gibt, waren gar nicht so falsch. Es wurde zumindest mit jeder zurückgelegten Meile nach Norden etwas weniger regnerisch.

Null Grad Nord – wir sind zurück!

Äquator-Selfie

Senayang – auch auf Stelzen gebaut

Andi und Zac spielen Volleyball

Gruppenfoto nach dem Spiel

Kinderbesuch an Bord

Und auch die Dorfjugend kommt vorbei

Von Senayang aus fuhren wir mit drei weiteren Tagestrips zur Insel Batam. Diese liegt direkt Gegenüber von Singapur, nur getrennt durch die berühmte Strasse von Singapur, welche wir bald durchqueren würden. In Batam mussten wir aus Indonesien auschecken, was sich als sehr nervenzehrende Angelegenheit herausstellte. Nach ein paar Tagen und einem Zwischenstopp in der Nongsa Point Marina war dann aber auch das erledigt und wir waren bereit, nach Malaysia aufzubrechen.

Auch in Batam gabs noch Regen

Als erstes mussten wir nun die Strasse von Singapur, die am meisten befahrene Seestrasse der Welt, mit all ihrem Frachtschiffsverkehr durchqueren. Etwas nervös waren wir, oder zumindest ich, natürlich schon. Die ersten paar Stunden erforderten dann auch grosse Aufmerksamkeit beim Navigieren, die Durchfahrt verlieft aber absolut unproblematisch. Ein eindrückliches Erlebnis war es allemal, so dicht an all den Frachtschiffen vorbeizufahren. Nach etwa sechs Stunden waren wir durch und befanden uns nun in malaysischen Gewässern, am südlichen Anfang der Strasse von Malakka. Die offizielle Schifffahrtsroute konnten wir nun verlassen und hatten somit wieder etwas grösseren Abstand zu den Frachtschiffen. Dennoch fuhren wir meist ziemlich knapp an der Grenze zur Schifffahrtsroute, um den vielen, vor allem in der Nacht tätigen, malaysischen Fischerbooten mit ihren Netzen und Leinen möglichst nicht in die Quere zu kommen. Insgesamt war aber auch der erste Teil der Strasse von Malakka weniger hektisch als angenommen. Nach eineinhalb Tagen kamen wir in Port Dickson an, wo wir uns bequem in der Marina (mit Gym und Swimmingpool) festmachten.

Schiffe in der Strasse von Singapur

Hallo Tanker!

Nur ein paar Schiffe auf dem AIS – in der Mitte sind wir

Fischerboote in der Strasse von Malakka

Von Port Dickson aus machten wir einen dreitätigen Landausflug nach Kuala Lumpur, der ersten Grossstadt nach einer Ewigkeit. So genossen wir in Kuala Lumpur dann auch die grosse Auswahl an Restaurants und im H&M leisteten wir uns beide ein paar neue, saubere Kleider. Auch ein IKEA-Besuch stand noch auf der Liste 🙂 Zurück in Port Dickson verbrachten wir nochmals ein paar Tage in der Marina bis zur Heimreise von Nina und Zac.

Petronas Towers in Kuala Lumpur

Es gibt auch wieder westliche Toiletten – mit Gebrauchsanweisung

Upsidedown Haus in Kuala Lumpur

Danach machten wir uns auf zur zweitätigen Überfahrt nach Georgetown auf der Insel Penang. In Penang stoppten wir hauptsächlich, um unser Visa für Thailand zu beantragen, durften dann aber feststellen, dass Georgetown eine schöne und sehr angenehme Stadt ist, in der es sich gut ein paar Tage auf ein Visa warten lässt. Wir bestiegen den höchsten Berg der Insel, der doch auf über 800 Meter kommt. Nach unten ging es dann in einer schweizer Zahnradbahn. Auch bezüglich dem Einkauf von Lebensmitteln waren die Läden in Georgetown wieder auf einem ganz anderen, für uns schon ungewohnten Niveau und wir konnten uns mal wieder einen kleinen Vorrat an Schinken, Speck, Mozzarella und anderen westlichen Köstlichkeiten zulegen. 

Blick über Penang und Georgetown

Nach vier Tagen in Penang waren wir dann bereit für unsere letzte Überfahrt in der Strasse von Malakka und in Malaysia, wir gingen nach Langkawi. Dort kamen wir am Morgen des 25. Dezembers an und erkundeten zuerst die Stadt Kuah ein bisschen. Dank einem Tipp von einem befreundeten Segler fanden wir bald eine Bar, die den ganzen Weihnachtstag lang gratis Bier ausschenkte. Dies liessen wir uns natürlich nicht entgehen, assen dort Mittags wie auch Abends und genossen gratis Bier. Der Rest ist wohl Weihnachtsgeschichte.

Tanken in Langkawi

Abgesehen von unserer Lieblingsbar waren wir allerdings etwas enttäuscht von Langkawi. Die Inseln boten zwar einige schöne Ankerplätze, das Wasser war aber weiterhin, wie in der gesamten Strasse von Malakka, sehr trüb und nicht sehr einladend zum Schwimmen. Zudem wimmelte es in der ganzen Inselgruppe von Touristenbooten und Jet Ski Gruppen. Ja, wir sind verwöhnt, aber wir mögen es nun mal in etwas klarerem Wasser zu schwimmen ohne riesige Touristengruppen um uns herum. Nach zwei Tagen Inselhüpfen fuhren wir dann zur Rebak Marina, wo wir über Neujahr blieben. Ein klarer Pluspunkt in Malaysia ist, dass die Marinas sehr günstig sind und wir deshalb, zum ersten Mal seit wir Lanzarote verlassen haben, wieder einige Male eine Marina besucht haben. Ein paar Tage nach Neujahr sind wir dann zurück nach Kuah um frische Lebensmittel und Duty-Free Alkohol (die gesamte Insel ist zollfreies Gebiet) einzukaufen sowie aus Malaysia auszuchecken.

Felsinseln von Langkawi

Bier-Einkauf

Die Überfahrt zur ersten Thailändischen Insel Ko Lipe dauerte nur etwa fünf Stunden, und so konnten wir bereits nach kurzer Zeit unseren Anker im tatsächlich viel klareren Wasser von Thailand werfen.

Affentour auf Borneo und idyllisches Belitung

Ende Oktober machten wir uns auf den Weg von Bali nach Kalimantan, dem indonesischen Teil von Borneo. Etwa zwei Stunden flussaufwärts ankerten wir vor der Stadt Kumai, von wo aus wir unseren Ausflug in den Tanjung Puting Nationalpark gebucht haben um unter anderem Orang Utans zu sehen. Nach einem Rundgang durch die Stadt und zähen Verhandlungen über den Preis des Trips entschieden wir uns für das 2 Tage / 1 Nacht Paket auf einem lokalen “Klotok”, wie diese indonesischen Boote genannt werden.

Blick auf Kumai

Am Morgen des ersten Tages wurden wir auf unserem Schiff abgeholt und fuhren sofort los in den Nationalpark.

Eingang zum Nationalpark

Für unseren zweitägigen Ausflug hatten wir ein “Klotok” ganz für uns alleine inklusive Kapitän, Mechaniker, Koch und Tour-Guide. Wir wurden also rumdum versorgt.

Unser Klotok

Küche

In der Bordküche wurden dann auch gleich erste Leckereien für uns zubereitet.

Mittagessen

Pancakes mit Schokostreuseln

Nach ungefähr zwei Stunden Fahrt auf dem Fluss durch den Dschungel erreichten wir das erste Camp des Nationalparkes.

Unser Klotok im ersten Camp

Unser Tourguide Irma

An insgesamt drei Stationen im Nationalpark gibt es Fütterungsstationen für Orang Utans, an denen zu bestimmten Zeiten Bananen oder andere Früchte für die Orang Utans ausgelegt werden. Damit wird unter anderem sichergestellt, dass alle zahlenden Touristen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch tatsächlich Orang Utans zu sehen bekommen. Wir warteten also mit etwa 20, 30 weiteren Personen darauf, dass ein Orang Utan erscheint um Bananen zu essen. Das ganze fühlte sich mehr nach einem Zoo-Besuch an als nach dem Beobachten von wilden Orang Utans.

Warten an der Fütterungsstation

Als sich der erste Orang Utan oben in den Bäumen bemerkbar machte, sprangen sofort alle auf und zückten ihre Handys und Kameras, um den Moment fotografisch festzuhalten. Man musste sich zwischendurch schon fragen, wer denn hier die Affen sind und das Beobachten der Menschen war zeitweise spannender als die Orang Utans selbst.

Sichtung eines Orang Utan

Trotz unserer Belustigung über die ganze Situation haben aber natürlich auch wir unsere Orang Utan Bilder geschossen.

Nach der Fütterung ging es für uns zurück aufs Boot und ein Stück den Fluss hinab, wo zur Dämmerungszeit die Nasenaffen in den Bäumen am Wasser zu sehen sind.

Woher die Nasenaffen ihren Namen haben, wird ziemlich schnell klar 🙂

Auch Makakken tummelten sich in den Bäumen und vertrieben sich die Zeit mit unterschiedlichen Tätigkeiten.

Popo-Untersuch

Zurück im Camp machten wir vor dem Abendessen dann noch einen Nacht-Ausflug in den Dschungel, wo wir weitere Tiere bestaunen konnten.

Kingfisher

Gecko

Tarantel

Nach einer Nacht mit Lauten des Dschungels setzte sich unsere Fahrt flussaufwärts am nächsten Morgen fort. Dass Flusswasser wurde nun immer dunkler und der Fluss schmaler.

Es standen neben der Flussfahrt nochmals zwei Orang Utan Fütterungsstationen auf dem Programm.

Eingang zum zweiten Camp

Orang Utan

Alles Banane

Und die Zuschauer

Auch wenn die Orang Utans der Hauptgrund für unseren Ausflug waren und es spannend war, diese zu sehen, waren sie nicht das Highlight unseres Trips. Nur für die Affenfütterungen muss man diese Tour nicht machen. Die Flussfahrt im Klotok durch den Dschungel und die Sichtung von vielen anderen wilden Tieren und die schöne Atmosphäre waren aber ein tolles Erlebnis, dass uns in Erinnerung bleiben wird.

Unsere Liegestühle mit Aussicht auf die Pflanzeninseln

Am Tag nach der Rückkehr von unserer Tour machten wir uns dann bereits auf den Weg auf die dreitägige Überfahrt nach Belitung, einer wunderschönen Insel etwa 500 Kilometer südlich von Singapur. Im türkisen Wasser befinden sich überall riesige Granitblöcke und weisse Sandstrände. Hier sind wir nun schon seit 10 Tagen und geniessen die Schönheit der Insel.

Aussicht in Belitung

Granitblöcke

Rainy day

Auch die Hauptstadt der Insel gefällt uns sehr, für eine indonesische Stadt ist es ziemlich sauber und ruhig hier und auf dem lokalen Markt gibt es wieder eine grosse Auswahl an Früchten und Gemüse. Da viele indonesische Touristen aus Jakarta auf die Insel kommen, gibt es auch eine grosse Auswahl an Restaurants und hübschen Kaffees, was wir uns natürlich nicht entgehen lassen.

Markt

Wer will ein Huhn?

Bier-Bar

Heute bekommen wir nun noch Besuch von Nina und Zac aus Australien. Da es uns in Belitung bisher so gut gefallen hat, wollten wir ihnen diesen Ort nicht vorenthalten und verbringen deshalb gemeinsam sicher nochmals eine Woche hier, bevor wir uns mit ein paar Zwischenstopps auf nach Malaysia machen.

WaKaToBi – Wangi Wangi

Briefe von Herr Hürzeler

Selamat siang, der Kapitän haut mal wieder in die Tasten. Ein Monat in Indonesien, was gibts da zu berichten? Naja ihr wisst ja Bescheid. Wir sind auf der Insel Hoga gelandet, einem  kleinen Tauchparadies, und jetzt sind wir in Wangi Wangi (Wanci) einem kleinen, bisschen grösserem Tauchparadies. Aber der Kapitän wäre nicht der Kapitän, wenn er nicht ab und zu den Mahnfinger (der ziemlich klein ist) heben und darauf hinweisen würde, dass wir nicht nur Schönes gesehen haben seit wir angekommen sind. Klar, das Essen ist gut und sau günstig. Die Strände sind weiss und die Palmen schief, aber leider erreicht uns auch täglich traurige Flaschenpost an Bord. Und das stinkt dem Käptn zum Himmel. Die Gross- und Kleinkonzerne schicken uns Nachrichten in Form von Instant-Noodle-Verpackungen, Dosen, Flaschen, Zigarettenschachteln, Plastikbeuteln und vielen weiteren, auf die der Kapitän getrost verzichten könnte. Leider steht Indonesien noch ganz am Anfang bei der Aufklärung über Abfall. Grundsätzlich wandert der ganze Abfall ins Meer oder wird im Hinterhof verbrannt. Im besten Fall landet er auf einem Abfallhaufen (Landfill), Wind und Regen sorgen dann dafür, dass er sich mit der Natur vereint.

Mannooomann was plappert Mr. Vier-Finger wieder, jetzt mal Schluss mit dem Plastik im Meer. Das Schnorcheln auf Hoga ist so gut, dass sogar Miss Zollinger Lust bekommt, es auch einmal mit Tauchen zu versuchen. Und die Landschaft auf Wangi Wangi so schön, dass Sie todesmutig bei Herrn Hürzeler hinten auf das profillose Motorrad steigt.

Einen Motorradausflug wert, Küste von Wangi Wangi:

Vor lauter Abfall hätte ich fast vergessen euch zu erzählen, was für Superstars wir hier sind. Wenn wir also voller Allüren nachhause kommen und von uns nur noch in der dritten Person reden, wisst ihr was passiert ist. Eigentlich kann ich es mir selber nicht erklären, aber Fakt ist wir sind “Weiss”. Wir sind “Bule” Weisse, Ausländer, etwas spezielles. Je weiter man sich von den sonst schon schmalen Touristenpfaden entfernt, desto offensichtlicher wird es. Mit Freuden wird “Hello Mr.” gerufen, es wird gewunken und wenn irgendwie möglich versucht man mit den “Bule’s” auch ein Selfie zu schiessen für die Social Media Kanäle. In der Indonesischen Kultur wäre es auch unhöflich, nicht “Hallo” zu sagen, wenn der Nachbar vorbei geht, beim Bule ist es nicht anders und so wird es uns an Land nie langweilig mit Winken, Hi-five’s und Selfies knipsen. Ahh und wer denkt die Indonesier kennen Switzerland oder Roger Federer, nope, Suisse und Xherdan Shaqiri, vielleicht auch noch Behrami. Die Holländer scheinen nebst Hagelslag (Schokostreusel) auch ihre Fussballverücktheit hinterlassen zu haben. Am Freitag wollen wir weiter, die Windprognose stimmt. Unser nächstes Ziel ist der Komodo National Park. Zuerst stoppen wir aber an der Westküste von Flores, um nochmals einzukaufen, Wäsche zu waschen und einen Pferdesattel zu kaufen um die Komodo-Warane reiten zu können.

As-salamu alaykum

Der Kapitän
Herr Hürzeler

Frisch-Fisch direkt an Bord geliefert vom Fischer.

Leben auf dem Wasser. Bajo Tribe in Kaledupa.

Tauchkarte von Hoga Island.

Selfie-Time auf dem Bule-Boot. Irma und Endi statten uns einen Besuch ab.

Gekühlte Coconut im teuersten Restaurant der Stadt. Im Hintergrund liegt Juliane vor Anker.

An unserem dritten Tag auf Wangi Wangi machten wir einen Introduction Dive mit zwei Divemastern, die praktisch kein Englisch sprechen. Kostenpunkt 50 CHF pro Kopf inkl. Transport und frittierter Banane. Nach dem bereits tollen Schnorcheln auf Hoga schauen wir uns die Unterwasserwelt des Wakatobi Nationalparkes nun auch noch von ein paar Metern weiter unten an und sind weiterhin begeistert von dieser Korallen- und Fischvielfalt. Für Nati ist es der erste Tauchgang überhaupt, dank der indonesischen Unkompliziertheit taucht jedoch auch sie bereits nach wenigen Minuten mit den anderen ab.

Die Seeschlange versteckt sich 🙈

Hier noch eine Aufnahme vom Schnorcheln in Hoga, “Hallo” Nemo.

Bye Bye Südsee…vorerst :)

Für einmal gibt’s wenig Text und dafür mehr Fotos, literarische Höhepunkte folgen dann ein andermal wieder.

Gemeinsam mit Iris und Domen haben wir wundervolle Wochen in Tonga verbracht. Wir haben es ruhig angehen lassen, nicht allzu viel getan und doch so einiges erlebt. So konnten wir nochmals eine Gruppe Buckelwale aus nächster Nähe beobachten, haben in Neiafu einen sonntäglichen Kirchenbesuch gemacht, die schöne Bucht von Port Maurelle genossen und die eindrücklichen Swallows Caves besucht. Ein, zwei Kava-Runden mit den Einheimischen liessen wir uns natürlich auch nicht entgehen. Nun liegen wir wieder in Nuku’alofa vor dem Big Mamas Yacht Klub und warten auf das nächste gute Wetterfenster, um nach Neuseeland aufzubrechen. Dort verbringen wir die Cyclone-Season und werden uns wieder daran gewöhnen müssen, mehr und wärmere Kleidung anzuziehen, da die Temperaturen doch etwas kühler sein werden als in den letzten 9 Monaten. Bis dahin wünschen wir euch allen eine schöne Vorweihnachtszeit und bis bald!